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Archäologie

5000 Jahre alte Großsteingräber werden restauriert

Steinmetze aus Worbis in Thüringen erledigen seit wenigen Tagen einen einzigartigen Großauftrag: Im Auftrag des Bundes sanieren sie eines der bedeutendsten archäologischen Denkmäler in Niedersachsen, die 5000 Jahre alten Siebensteinhäuser im Zentrum des Truppenübungsplatzes Bergen.

Bergen. Die tonnenschweren Gräber gehören nach Angaben des Landesamtes für Archäologie zu den am besten erhaltenen Megalith-Gräbern in Europa. Sie waren Ende 2013 teilweise zusammen gebrochen.

"Wir setzen ein eingestürztes Großsteingrab instand und geben ihm die notwendige Standfestigkeit zurück", sagt Bauleiter Bernhard Gockel. Auch die übrigen Gebäude aus bis zu 18 Tonnen schweren Findlingen werden fachkundig stabilisiert und von Moos und Baumwurzeln befreit. Dabei achten Gockel und die Archäologen penibel darauf, dass am Originalzustand der Siebensteinhäuser nichts verändert wird. Nach Abschluss der Arbeiten sollen die Großsteingräber spätestens am 21. August wieder genauso aussehen, wie sie etwa 3500 Jahre vor Christi Geburt geschaffen wurden.

In dieser Woche legte ein großer Kran die schweren Decksteine auf die sie tragenden Findlinge. "Dabei ist Fingerspitzengefühl erforderlich", sagt Gockel, "wenn wir die ursprüngliche Lage verfehlen, ist die Sicherheit nicht gegeben." Elf Spezialisten aus dem Eichsfeld hatten zuvor den Stützsteinen zu neuer Standfestigkeit verholfen. Einige von ihnen waren bisher nur 30 Zentimeter tief ins Erdreich eingegraben worden. Jetzt sind sie von wesentlich mehr natürlicher Stützmasse umgeben, damit es nicht erneut zu einem Einsturz kommen kann.

Zum Abschluss der Sanierung werden die schützenden Wälle um die fünf Großsteingräber wieder geschlossen, außerdem werden neue Zäune und Geländer aufgestellt, denn Besucher dürfen den engeren Standort des archäologischen Denkmals mitten auf dem Nato-Schießplatz nicht verlassen. Überall könnten gefährliche Blindgänger in der Heide liegen - auch auf der Baustelle wurden mehrere Sprengkörper ausgebuddelt und unschädlich gemacht.

Bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in Bonn sagt Sprecher Thorsten Grützner, dass die Besucher sobald wie möglich wieder Zutritt zu der Anlage bekommen sollen - allerdings wie bisher nur an Wochenenden und Feiertagen, wenn auf dem Truppenübungsplatz nicht geschossen wird. Die Siebensteinhäuser sind seit Jahrzehnten insbesondere während der Heideblüte ein beliebtes Ausflugsziel.

Schon seit 1832 stehen die Großsteingräber unter Denkmalschutz. Als die Wehrmacht vor 80 Jahren den Truppenübungsplatz einrichtete und zahlreiche Bauernfamilien aus den umliegenden Dörfern vertrieb, legten Soldaten die Hünengräber frei und brachten sie in ihre ursprüngliche Form. Archäologen sind sich sicher, dass die ersten sesshaften Siedler in Niedersachsen die Steingräber gebaut haben. Die Gebäude sind offensichtlich nicht nur als Grabanlagen, sondern auch als Kultstätte genutzt worden.

Wie es vor mehr als 5000 Jahren gelungen ist, die mächtigen Steinplatten an ihren heutigen Standort zu transportieren und sie dort auf die Tragsteine zu hieven, ist bis heute ein Rätsel geblieben. Experten weisen immer wieder fasziniert darauf hin, dass die fünf Gräber fast zentimetergenau ausgerichtet sind - von Nordnordost nach Südsüdwest. Jedes Grab ist auf denselben Punkt am Horizont fixiert. Kurios ist der Name des archäologischen Denkmals. Seit Jahrhunderten ist die Rede von sieben Steinhäusern - obwohl es nur fünf Gebäude gibt.

dpa


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