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Niedersachsen SPD-Landrat aus Hameln mischt seine Partei auf
Nachrichten Niedersachsen SPD-Landrat aus Hameln mischt seine Partei auf
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14:48 13.07.2018
Tjark Bartels Quelle: Foto: Dana
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HAMELN

Tjark Bartels eckt gern an. Das war schon so, als er noch Bürgermeister der Wedemark oder Regionsabgeordneter in Hannover war. Jetzt nimmt sich der Landrat aus Hameln-Pyrmont die SPD-Spitze zur Brust. „So wie sich die genossen verhalten, ist es suizidal“, klagt er.

In einem offenen Brief an Parteichefin Andrea Nahles und Generalsekretär Lars Klingbeil hat der 49-Jährige der SPD mehr und ein klares Profil empfohlen. Der offene Brief, in dem er seine frühere Empfehlung zur GroKo bedauert, ist im sozialen Netzwerk facebook schon 3500 Mal geteilt worden. Auch auf Twitter legt Bartels jetzt nach. „Seehofer muss zurücktreten oder die SPD muss die Große Koalition verlassen“, findet er.

Das politische Spektrum rücke immer weiter nach rechts, bedauert der Sozialdemokrat im Gespräch mit der NP. Eine Zusammenarbeit seiner Partei mit einem „Rechtspopulisten“ wie Bundesinnenminister Horst Seehofer sei unvereinbar mit Grundwerten. Bartels’ Sorge: „Wir gehen in dieser unwürdigen Koalition unter.“

Natürlich leisteten SPD-ler in der Regierung „anständige Sacharbeit“, aber die werde nicht wahrgenommen. Man dürfe sich allen Umfragen zum Trotz nicht von Flüchtlingen abwenden, nicht pro-europäische Positionen aufgeben, nicht auf die AfD schielen.

„Die Deutschen dürsten nach klaren Aussagen“, meint der Landrat. Vor zwei Wochen besuchte er ein EU-Flüchtlingslager in Griechenland und beschrieb es als „kein Ort, an dem jemand auch nur eine Nacht sein sollte“. Die Legitimation als „Kümmerer“ nehmen ihm viele ab. Bundesweit fiel er auf durch die effiziente Organisation eines Erstaufnahmelagers. In der Hamelner Linsingen-Kaserne waren bis 2016 jeweils 1000 Zuwanderer jeweils für vier Wochen untergebracht worden.

Bartels hatte den damaligen Parteichef Sigmar Gabriel als „Nimby“ verspottet – das Kürzel für „not in my backyard“ (nicht in meinem Hinterhof). Von Nachfolgerin Andrea Nahles hält er mehr. Bedauerlich: Im Berliner Politikbetrieb scheine ihr „die richtige Positionierung nicht zu gelingen“.

Mit schärferem Profil und Abgrenzung vor allem zu Rechtspopulismus könne sich die SPD aus dem Umfragetief von 17 oder 18 Prozent aufrappeln so der Genosse. „Wir sind für 30 Prozent gut.“

Von Vera König

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