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Rote Karte: Die gibts vom Innenministerium zum Thema Unfallflucht. Übrigens: Schon ein Lackkratzer, verursacht mit einem Einkaufswagen, gilt als Unfall.

Rote Karte: Die gibts vom Innenministerium zum Thema Unfallflucht. Übrigens: Schon ein Lackkratzer, verursacht mit einem Einkaufswagen, gilt als Unfall.
© Foto: dpa

Niedersachsen

Rekordzahlen bei Unfallflucht

Noch nie gab es so viele Unfallfluchten in Niedersachsen: 48 341-mal entfernten sich 2016 Verkehrsteilnehmer vom Unfallort, ohne den Schaden zu melden.

HANNOVER. Trauriger Rekord: Noch nie gab es so viele Unfallfluchten in Niedersachsen: 48 341-mal entfernten sich 2016 Verkehrsteilnehmer vom Unfallort, ohne den Schaden zu melden – und begingen damit eine Straftat.

Deshalb zeigen Innenministerium und Landesverkehrswacht den Tätern jetzt die rote Karte. Unter dem Motto „Rummss!!! – bleiben Sie fair, wählen Sie 110“ werden zunächst 10 000 knallrote Postkarten verteilt. Zusätzlich werde mit Anzeigen und Plakaten aufgeklärt, sagte Innenminister Boris Pistorius (SPD). Er stellte die niedersächsische Verkehrsunfallstatistik für das vergangene Jahr vor.

Landesweit stieg die Zahl der Unfälle im Vergleich zu 2015 um 2,4 Prozent auf 216 480. Allerdings sank die Zahl der Todesopfer um rund zehn Prozent auf 413. Im Jahr 2015 hatte es 44 Tote mehr gegeben. Hauptursache für tödliche Unfälle bleibt zu schnelles Fahren.

„Auffällig ist, dass es auf allen Straßen, sowohl innerhalb von Ortschaften als auch auf den Landstraßen und Autobahnen weniger Tote gab“, sagte Pistorius und fügte hinzu: „Fest steht, dass der Straßenverkehr und die Fahrzeuge immer sicherer werden.“

789 Verkehrsunfallfluchten mehr als 2015 habe die Polizei im vergangenen Jahr registriert, sagte Carmen Buse vom Landespolizeipräsidium. Das seien mehr als 130 Fälle am Tag, alle zehn Minuten entferne sich ein Verursacher vom Unfallort, ohne sich um den Schaden zu kümmern. Die meisten Fälle passierten montags bis freitags, meist tagsüber. Die genaue Ursache für den Anstieg der Zahlen sei unklar. Buse: „Viele Täter sagen, sie hätten nichts gemerkt.“ Auch wer Alkohol oder Drogen konsumiert habe, melde in der Regel keinen Schaden. Einige hätten auch Angst vor steigenden Versicherungsbeiträgen. Hinzu komme: Viele Autos seien breiter geworden, „aber nicht alle Parkplätze sind mitgewachsen“.

Der Innenminister appellierte an alle Verkehrsteilnehmer: „Machen Sie sich nicht strafbar, stellen Sie sich Ihrer Verantwortung. Eine Verkehrsunfallflucht ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat.“ Und jede zweite werde aufgeklärt.

Pistorius kündigte an, dass Niedersachsen dieses Jahr nicht am sogenannten Blitzer-Marathon teilnehmen werde: „Ich bin von der Wirkung nicht überzeugt.“ Außerdem binde ein Marathon stets umfangreiche Polizeikräfte.

Von Andreas Körlin


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