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Herxheim in Baden: Die „Hitler-Glocke“ ist nicht die einzige mit Hakenkreuz.

Herxheim in Baden: Die „Hitler-Glocke“ ist nicht die einzige mit Hakenkreuz.
© epd Speyer

Debatte in der Kirche

Regelung für Nazi-Glocken?

In der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zeichnet sich eine breite Debatte um Nazi-Glocken und andere Kunstwerke mit einem Bezug zum NS-Staat ab. Auslöser ist ein NP-Bericht über zwei Glocken mit Hake Hakenkreuzen in der hannoverschen Landeskirche.

Hannover. Nach dem NP-Bericht über zwei Glocken mit Hakenkreuzen in Niedersachsen zeichnet sich für die gesamte Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) eine Debatte über den Umgang mit Kunst aus der NS-Zeit ab.

„Ich fände es sinnvoll eine gemeinsame Verständigung zu finden“, sagte der Kulturbeauftragte der EKD, Johann Hinrich Claussen, der NP. Die Frage nach dem Umgang mit solchen Glocken „reicht über die einzelne Kirchengemeinde weit hinaus“. Die EKD ist ein Zusammenschluss der 20 protestantischen Kirchen in Deutschland mit ihren rund 22 Millionen Mitgliedern.

Claussen sagte, in den Kirchen müsse über das Thema Kultur und NS-Zeit noch mehr gesprochen werden. Etwa seit weitgehend ungeklärt, ob auch evangelische Kirchen so genannte „Raubkunst“ von NS-Opfern gekauft hätten. Auch habe der NS-Staat die Kirchen benutzt, um über sie „entartete Kunst“ gegen Devisen in die Schweiz zu verkaufen.

Auch über Gotteshäuser, die in Anlehnung an den NS-Stil erbaut seien, müsse diskutiert werden. Das gelte auch für Kunstwerke im Stil der Nazizeit in den Gebäuden.

Es ist nicht völlig klar, ob es außer den beiden Glocken in der Michaelkirche in Faßberg bei Celle sowie im Turm der Kreuzkirche in Schweringen bei Nienburg noch weitere Exemplare in Niedersachsen mit NS-Symbolen gibt. Die Gemeinden gehören zur hannoverschen Landeskirche. Die in Schweringen wurde erst durch die Anfrage der NP bekannt. Gemeinden und Landeskirche prüfen, wie mit den Instrumenten umgegangen werden soll, sie werden derzeit nicht geläutet.

Kirche mit Sitz in Leer sind nach eigenen Angaben derartige Glocken aktuell nicht bekannt. Allerdings haben auch nicht alle Kirchen in den Gemeinden aktuell nach solchen Glocken gefragt.

Beim katholischen Bistum Hildesheim gibt es sechs Glocken, die zwischen 1933 und 1939 gegossen wurden, so ein Sprecher, bei fünfen sei klar, dass es auf ihnen keine NS-Symbole gebe, eine müsse noch inventarisiert werden.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Michael Höntsch, der sich auf den Kampf gegen Rechtsextremismus spezialisiert hat, sagte der NP zur Debatte um die Glocken: „Die Glocke mag auch mit Hakenkreuz gleich klingen, mit christlicher Ethik oder dem Gedenken an die Opfer der Naziherrschaft ist das aber keineswegs vereinbar.“

Von Dirk Altwig


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