Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Popcorn für die Nordsee – Übung gegen Ölkatastrophe
Nachrichten Niedersachsen Popcorn für die Nordsee – Übung gegen Ölkatastrophe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:36 30.06.2010
Testen den Ernstfall: Mitarbeiter des Havariekommandos proben den Kampf gegen eine Ölpest Quelle: dpa
Anzeige

Ölschlamm wird an die Küsten gespült und setzt sich zäh in jede Ritze. In schwarzem Brei verklebte Vögel, kämpfen aussichtslos ums Überleben, Milliardenschäden und vernichtete Existenzen durch das Lebenselixier der industrialisierten Welt. Auch an den deutschen Küsten der Nord- und Ostsee drohen Ölkatastrophen mit unabsehbaren Folgen für die sensiblen Ökosysteme am Darß (Mecklenburg-Vorpommern) oder dem Wattenmeer.

Immer und immer wieder trainiert das Havariekommando von Bund und Küstenländern jedes Jahr den Ernstfall. Am Mittwoch werfen die Spezialisten bei Schilligreede große Mengen Popcorn in die Nordsee nördlich von Wilhelmshaven. Sieben Spezialschiffe nehmen die seltsame Fracht an Bord. Die Spezialisten simulieren einen Ölteppich und wappnen sich für mögliche Katastrophen. „Wir trainieren die Abläufe“, sagt der Leiter des Havariekommandos, Hans-Werner Monsees. Das Popcorn reagiert dabei auf der schimmernden Meeresoberfläche genauso wie ein in Richtung Küste treibender Teppich der „schwarzen Pest“.

Zehntausende Schiffe schippern jedes Jahr alleine durch die Deutsche Bucht, darunter tausende Tanker. Die Gefahr ist allgegenwärtig. Auf eine Katastrophe wie im Golf von Mexiko, wo Schätzungen zufolge täglich bis zu 8000 Tonnen Öl ins Meer fließen, kann man sich nach Angaben Monsees nicht wirklich einstellen. „Auf einen solchen Gau kann man sich nicht vorbereiten. Das ist auch viel zu teuer.“ Die Gefahr für eine Katastrophe solchen Ausmaßes schätzen Experten vor der eigenen Haustür jedoch gering ein.

Zudem sieht Monsees die Nord- und Ostseeanrainer besser gewappnet als die Einsatzkräfte in den USA. Die Länder hätten sich geeinigt, so viel Kapazitäten bereitzustellen, dass bei einer Tankerkollision auslaufendes Öl abgefangen werden kann. „Auf eine Tankerexplosion kann sich niemand vorbereiten“, erläutert Monsees. Doch an den ökologisch sensiblen Küsten reichten ja auch schon kleine Mengen des braunen Ölschlamms.

„Insgesamt 23 Ölbekämpfungsschiffe stehen an den deutschen Küsten für den Notfall bereit, einige davon ständig auf See“, sagt die Sprecherin des Havariekommandos, Ulrike Windhövel. Zudem gebe es mit den Nachbarstaaten Verträge auf gegenseitige Unterstützung.

„Die Schifffahrtsorganisationen haben aus Unglücken durchaus gelernt“, glaubt auch WWF-Experte, Stephan Lutter. „Die Europäer sind weiter als die Amerikaner.“ Hier gebe es einheitliche Richtlinien und Umweltverträglichkeitsprüfungen. „Bei großen Ölaustritten wäre aber auch das Havariekommando überfordert.“

160 Mal im Jahr rücken die Spezialisten des Havariekommandos aus, um Notfälle zu trainieren. Die nächsten Szenarien stehen auf dem Plan. Große Offshore-Windparks können nach Meinung von Umweltschützern auch für manövrierunfähige Schiffe zur Falle und damit zur Gefahr für die Umwelt werden. Bestimmte bauliche Vorsichtsmaßnahmen seien dort ja eingeplant, sagt Windhövel. Ausschließen können die Experten ein Unglück in den Parks mit den riesigen Windrädern nicht. „Wir bereiten uns darauf vor.“

(Oliver Pietschmann, dpa)

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Strahlender Sonnenschein, knallblauer Himmel, ein laues Lüftchen und heiße Temperaturen: Wenn die Bauernregel zum Siebenschläfertag am vergangenen Sonntag stimmt, wird der Sommer die ganzen Sommerferien über großartig.

Mathias Klein 28.06.2010

Trotz Mehrheitsbeschluss deutet nichts mehr darauf hin, dass der Landtagsplenarsaal zügig abgerissen wird.

28.06.2010
Niedersachsen Sommerfest der niedersächsischen Landesregierung - Politik und Prominenz feiert mit Wulff

Egal ob Christian Wulff mit Gattin Bettina im Strandkorb sitzt oder am Weinglas nippt: In diesem Jahr will das Blitzlichtgewitter beim traditionellen Sommerfest der niedersächsischen Landesregierung in Berlin kein Ende finden. Mehr als 3500 Gästen feiern am Montagabend.

29.06.2010
Anzeige