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Niedersachsen Acht Millionen für Panzermuseum Munster
Nachrichten Niedersachsen Acht Millionen für Panzermuseum Munster
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10:41 12.10.2018
Dicht an dicht: Die Panzer und Fahrzeuge im Deutschen Panzermuseum Munster. Dieser T-72, der von der Nationalen Volksarmee eingesetzt wurde, steht in einer der Hallen, die abgerissen werden sollen. Quelle: Deutsches Panzermuseum Munster
Munster

Neben bisher rund 87.000 Besuchern in diesem Jahr hatte das Panzermuseum Munster immer häufiger auch ungebetene Gäste. Vögel, Wiesel, Eichhörnchen oder Igel verirrten sich in die Ausstellung, in der etwa 150 Panzer, Fahrzeuge und Geschütze zu sehen sind. Teile der Hallen sind so marode, dass sie dringend abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden müssen. Jetzt gibt es endlich Geld dafür. Der Verteidigungsausschuss des Bundes hat acht Millionen Euro für die Sanierung des Hauses in der Heide zur Verfügung gestellt.

„Wir haben lange dafür gekämpft“, sagt Ralf Raths, der Direktor des Panzermuseums. Vor allem drei in den 1980er Jahren errichtete Hallen „brechen fast zusammen“, berichtet er. Im Winter pfeife der Wind eiskalt durch alle Ritzen. Und bei Regengüssen sammelten sich große Pfützen zwischen den Fahrzeugen. Vor allem dort, wo die Panzerjäger stehen. Raths und sein Team sind mittlerweile in Galgenhumor geübt. Bei ihnen heißt die Pfütze schon „Panzerjägersee“.

Eine neue Halle soll drei marode Gebäude ersetzen

Mit den Millionen vom Bund will der Direktor einen dicken Strich unter die marode Gegenwart des Museums ziehen und dieses fit für die Zukunft machen. Bis 2022 sollen die drei kaputten Hallen abgerissen und durch einen größeren Neubau ersetzt werden, der neben einer 2008 fertiggestellten Halle geplant ist.

Das Panzermuseum in Munster steht vor großen Veränderungen. Acht Millionen Euro gibt der Bund für seinen Umbau. Derzeit stehen die Fahrzeuge viel zu dicht in teils maroden Hallen.

Das Panzermuseum ist zwar ein ziviles Haus. Die Fahrzeuge darin gehören jedoch der Bundeswehr. Das ist auch der Grund dafür, dass es für die Hallenneubauten Geld aus dem Verteidigungshaushalt gibt. „Die Bundeswehr hat natürlich ein Interesse, die Exponate zu bewahren. Unter den jetzigen Bedingungen wäre der Erhalt nicht sichergestellt“, warnt Raths, der das Bauprojekt zum Anlass nehmen will, die komplette Ausstellung „radikal neu zu machen“.

Museum will Geschichte besser erzählen

Heller, geräumiger und moderner soll sie werden. Und vor allem auch inhaltlich überarbeitet werden. „Bisher fehlte uns eine Erzählung“, räumt Raths ein, der künftig besser erklären will, wie die verschiedenen Fahrzeugtypen und Waffen mit dem Menschen „auf dem Gefechtsfeld zusammengewirkt haben“. Davon verspricht er sich „hohen historischen Erkenntniszuwachs“.

Gerade in Zeiten, in denen viele eine zunehmende Polarisierung der Gesellschaft mit einer selbstbewusster auftretenden Rechten wahrnehmen, sieht der Direktor dem Panzermuseum eine wichtige Rolle zukommen. „Wir können ein Forum sein“, sagt Raths. Von links bis rechts sei unter den Besuchern das „komplette Spektrum vertreten“. In seinem Hause gebe es die Chance, „beiden Seiten Themen präsent zu machen, die sie nicht erwarten oder mit denen sie sich nicht beschäftigen wollen“.

Was Rechte und Linke nicht hören wollen

Rechte wollten gerne von „Ruhm und Ehre der Armee hören“. Raths und sein Team konfrontieren sie mit „Angst, Leid und Sterben“, mit denen der Einsatz der Panzerwaffe schon immer unmittelbar verbunden war. Linke müssen sich damit auseinandersetzen, dass es im Krieg auch Kameradschaft, Tapferkeit und Humor gab.

Gerade bei Führungen im Alltagsbetrieb des Museums komme es „immer wieder zu spannenden Diskussionen und auch Streit. Wir bringen die beiden Seiten dazu, miteinander zu reden“, sagt der Direktor, der für sein Haus selbstbewusst „gesellschaftliche Relevanz“ beansprucht und die Besucher „aus ihren Filterblasen herausholen“ will.

Keine Schließung während des Umbaus

In der neuen Dauerausstellung sollen solche Themen in Schwerpunkten weiter vertieft werden. Das war wohl auch einer der Gründe, warum sich vor allem die SPD auf Bundesebene für das Projekt starkmachte. „Ich rechne fest damit, dass der Bundestag in seinen abschließenden Haushaltsberatungen im November den Vorschlägen des Ausschusses folgen wird und damit der Weg dann endgültig frei ist", sagt Lars Klingbeil, der für die SPD im Verteidigungsausschuss sitzt und zu dessen Wahlkreis Munster gehört.

Schließen soll das Museum während des Umbaus übrigens nicht. „Wir wollen daraus einen Event machen und alle Interessierten ständig auf dem Laufenden halten“, kündigt Direktor Raths an.

Von Christian Bohnenkamp

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