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Erinnerung: Die Überlebenden Maria Gnaiatczyk und Shaul Ladany stehen am Donnerstag in Bergen-Belsen neben einem Gedenkstein.

Erinnerung: Die Überlebenden Maria Gnaiatczyk und Shaul Ladany stehen am Donnerstag in Bergen-Belsen neben einem Gedenkstein.© dpa

Gewalttaten im Dritten Reich

Niedersachsens Justiz führt noch Verfahren gegen elf Naziverbrecher

65 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers in Bergen-Belsen (Kreis Celle) führen niedersächsische Justizbehörden immer noch Verfahren gegen elf mutmaßliche Naziverbrecher.

Die Staatsanwaltschaft in Lüneburg ermittelt erst seit dem vergangenen Jahr gegen acht Verdächtige wegen mehrerer Morde im Konzentrationslager. Zwei weitere Fälle mit drei Tatverdächtigen bearbeitet die Staatsanwaltschaft in Göttingen, sie betreffen Naziverbrechen im Harz und in Polen. Keine der Gewalttaten solle ungeklärt bleiben, erklärte Justizminister Bernd Busemann (CDU).

Tatsächlich dürfte es nach den Worten von Roland Kazimierski eher unwahrscheinlich sein, dass es noch zu Anklagen kommt. „Es ist aber auch nicht auszuschließen“, betont der zuständige Oberstaatsanwalt in Lüneburg. „Solange noch die theoretische Möglichkeit besteht, werden wir die Akten nicht zuklappen.“ Bei vielen Verdächtigen ist aber unklar, ob sie noch leben.

Einige Taten könnten etwa den früheren Lagerkommandanten von Bergen-Belsen anzulasten sein, Adolf Haas und Josef Kramer. Haas wird seit 1945 vermisst, Kramer wurde 1946 von den Alliierten hingerichtet. Ein weiterer Verdächtiger trägt den Namen Heinz Lüder H. – es gibt einen SS-Rottenführer dieses Namens, der ebenfalls hingerichtet wurde. In allen Fällen versucht das Landeskriminalamt Verwechslungen mit noch lebenden Personen auszuschließen.

Anlass für die neuen Ermittlungen sind Dokumente aus Archiven, die erst nach und nach geöffnet wurden, etwa die der United Nations War Crime Commission über Kriegsverbrechen in Belgien. In solchen Archiven fand sich auch ein Verdächtiger, gegen den nun erstmals ermittelt wird. Er soll in Bergen-Belsen einen Insassen ermordet haben. Nur der Nachname des Mannes ist bekannt. „Alles ist wenig greifbar“, sagt Oberstaatsanwalt Kazimierski. „Was wirklich passiert ist, lässt sich den Unterlagen kaum entnehmen.“

Die Staatsanwaltschaft in Göttingen beschäftigt ein Fall aus dem April 1945: Bei einem sogenannten Todesmarsch bei der Verlegung des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora soll ein SS-Unterscharführer einen politischen Deportierten aus Frankreich zwischen Osterode und Seesen erschossen haben. Der Führer der Kolonne soll befohlen haben, jeden zu töten, der nicht mehr folgen konnte. Der Befehlshaber sei verstorben, sagt Oberstaatsanwalt Hans-Hugo Heimgärtner. Den SS-Mann, der den Schuss abgegeben habe, habe die Justiz bislang nicht auffinden können. Auch das andere Ermittlungsverfahren, das die Göttinger Staatsanwaltschaft vom Bundesgerichtshof zur Bearbeitung zugewiesen bekommen hat, ist bislang ergebnislos geblieben. Es richtet sich gegen einen SS-Angehörigen, der bei der Deportation der polnischen Zivilbevölkerung einen Bauern erschossen haben soll.

Karl Doeleke und Heidi Niemann


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