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Niedersachsen Niedersachsen: Es gibt weniger Unterricht
Nachrichten Niedersachsen Niedersachsen: Es gibt weniger Unterricht
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00:16 03.03.2017
STREITTHEMA UNTERRICHT: Gibt es genügend Lehrer? Darüber streiten Kultusministerium und Opposition seit Jahren. Quelle: Julian Stratenschulte
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Hannover

Das Kultusministerium hob vor allem die 100,8 Prozent an Grundschulen und die 99,8 Prozent an Gymnasien hervor. „Gerade an den Grundschulen muss eine hohe Verlässlichkeit gewährleistet werden“, so Heiligenstadt.

„Nicht zufriedenstellend“ sei dagegen die Unterrichtsversorgung an Real-, Haupt-, Förder- und Oberschulen. Hier wurden lediglich Werte zwischen 97,9 Prozent bei Realschulen und 95 Prozent bei Förderschulen erreicht. Die Ministerin begründete dies mit der wachsenden Zahl der Flüchtlinge: „Die Schulen machen enorm wichtige Arbeit und fördern die Integration durch Sprache.“ Deshalb habe das Land 7800 neue Lehrerstellen geschaffen.

Mit Unverständnis reagierte der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte (VNL) auf die Äußerungen der Ministerin: „Wie kann man bei einer Unterrichtsversorgung von 95 Prozent bei Förderschulen von einem guten Ergebnis sprechen?“, fragte Manfred Busch, Landesvorsitzender des VNL.

Scharfe Kritik kam auch von der Landtagsopposition. Der schulpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Kai Seefeld: „Leider ist das eingetroffen, was wir befürchtet hatten: Die Unterrichtsversorgung ist weiter gesunken. Im laufenden Schuljahr können wegen Lehrermangels mehrere hunderttausend Stunden Unterricht nicht erteilt werden.“ Davon sei auch Pflichtunterricht betroffen. Nun versuche Ministerin Heiligenstadt, die Schuld am Stundenausfall den Flüchtlingen in die Schuhe zu schieben.

Auch von der FDP kommt Gegenwind: Björn Försterling, bildungspolitischer Sprecher der Fraktion, wirft der Ministerin Schönrederei vor: „Dass die Ministerin die erhobene Unterrichtsversorgung als Erfolg darstellt, ist blanker Hohn. Die Statistik wurde schlicht geschönt.“ Die Realität sehe anders aus: „Jede Woche fallen mehr als 100 000 Unterrichtsstunden aus, das spüren Kinder und Eltern tagtäglich.“ Er bezieht sich dabei auch auf jene Stunden, die durch Krankheiten, Fortbildungen und Klassenreisen ausfallen.

Wie viele das sind, kann die Ministerin nicht sagen - sie wies darauf hin, dass die Werte zur Unterrichtsversorgung keine kurzfristigen Ausfälle erfasse, sondern lediglich die grundsätzliche Ausstattung der Lehrkräfte. „Erkrankungen und andere Ausfälle sind Sache der Schulen“, erklärte sie. Eine statistische Erfassung darüber sei zu aufwendig.

Um den Lehrerjob auf dem Land attraktiver zu gestalten, plant das Kultusministerium die Einführung einer Umzugsprämie. Denn es gebe ja schon Gebiete, in die die Lehrer nicht so gern ziehen, weiß Heiligenstadt. Da will sie gegensteuern.

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