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Küken stehen in einem Stall.

Küken stehen in einem Stall. © Philipp Schulze/Archiv

Prozesse

Neuer Prozess um Millionen-Betrug mit Küken-Sortierern

Hühnerküken werden nach dem Schlüpfen nach Geschlecht sortiert. Das erledigen asiatische Spezialisten. Ein deutscher Geschäftsmann soll fast 5 Millionen Euro Sozialabgaben für die Sortierer für sich behalten haben.

Göttingen. Um den Vorwurf des Millionenbetrugs im Zusammenhang mit sogenanntem Chick-Sexing geht es in der Neuauflage eines Prozesses, der am Mittwoch in Göttingen begonnen hat. Vor dem Landgericht angeklagt ist ein 56-jähriger Unternehmer aus dem Solling. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, jahrelang keine Sozialabgaben für asiatische Mitarbeiter abgeführt zu haben, die Hühnerküken nach Geschlecht sortierten. Dabei geht es um einen Gesamtbetrag von mehr als 4,8 Millionen Euro Schaden, der den Sozialkassen entstanden sein soll.

Das Chick-Sexing nach dem Schlüpfen der Hühnerküken wird vorwiegend von Spezialisten aus Korea, Japan oder China erledigt. Nach dem Sortieren sollen die weiblichen Tiere Eier legen, die männlichen werden zum Teil als Brathähnchen gemästet, vorwiegend aber getötet. Der Geschäftsmann und sein Bruder sollen laut Anklage jahrelang Küken-Sortierer angeheuert, für sie aber keine Abgaben an die Sozialkassen abgeführt haben.

Ende 2014 hatte das Landgericht Göttingen die Geschäftsleute deshalb bereits zu Bewährungsstrafen verurteilt. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil aber auf, weil die Schadenshöhe und das Strafmaß neu bestimmt werden sollen. Der BGR verwies den Fall zur Neuverhandlung an eine andere Kammer des Landgerichts zurück.

Die Verfahren gegen die beiden Brüder werden in Göttingen nun getrennt voneinander aufgerollt. Der Prozess gegen den 56-Jährigen begann schleppend, weil die Verteidigung die Besetzung der Wirtschaftsstrafkammer rügte und zudem einen Befangenheitsantrag ankündigte.

Der Verteidiger erklärte außerdem, er werde das Bundesverfassungsgericht anrufen, wenn sein Mandant erneut verurteilt werde. Die Küken-Sortierer seien keine abhängig Beschäftigen des Angeklagten gewesen. Der Paragraf 266 des Strafgesetzbuches (Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt), gegen den der 56-Jährige laut Anklage verstoßen haben soll, sei so unklar, dass er höchstrichterlich überprüft werde müsse.

dpa


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