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Zettel in Englisch, Deutsch und Arabisch.

Zettel in Englisch, Deutsch und Arabisch. © Sebastian Gollnow/Archiv

Flüchtlinge

Netzwerk will traumatisierte Flüchtlinge optimaler betreuen

In diesem Jahr sind zwar weit weniger Flüchtlinge nach Deutschland gekommen als noch 2015 und 2016. Doch viele haben in ihrer Heimat oder auf der Flucht Schreckliches erlebt. Ein Netzwerk will mehr helfen.

Hannover. Wutanfälle, Angstzustände, Albträume oder aggressives und abweisendes Verhalten - Traumata können sich ganz unterschiedlich äußern. Wichtig ist aus Sicht des Netzwerks für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen, dass psychosoziale Störungen bei Geflüchteten früh erkannt werden. In den vergangenen zehn Jahren hat der Verein viele Angebote aufgebaut, damit Betroffene Erlebtes mit fachlicher Hilfe verarbeiten können.

"Wir haben viel geschafft, aber es besteht trotzdem weiterhin Bedarf", sagte Vorstandsmitglied Birgit Behrensen am Freitag bei einer Tagung in Hannover, zu der 120 Gesprächspartner aus Behörden sowie Mitarbeiter aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich zusammenkamen.

Eine Diagnose zu stellen, ist oft nicht einfach. "Kooperationspartner, die uns helfen, sind für die Behörden wichtig", betonte der Präsident der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen, Jens Grote. In seinem Haus gebe es ständig Bedarf, die Fortbildungen des Netzwerks in Anspruch zu nehmen. "Das Angebot wird sehr stark genutzt, zum Beispiel von Mitarbeitern in Kindergärten oder von sozialpsychologischen Diensten", sagte auch Armin Wühle, der Sprecher des Vereins.

Studien zeigten, dass mehr als ein Drittel der Flüchtlinge traumatisiert hier ankämen, erklärte Grote. "Vor allem die, die über die Route Libyen nach Europa kommen, haben Schreckliches erlebt." Flüchtlinge aus Afrika hätten auf ihrem Weg nach Europa ein weitaus größeres Risiko, Opfer eines traumatischen Erlebnisses zu werden, als Syrer oder Iraker. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen.

Therapeuten des Vereins behandelten im vergangenen Jahr 917 Patienten, 35 Prozent mehr als noch 2015. Die Menschen aus 35 Ländern kamen etwa in die offene Sprechstunde oder machten eine Therapie. Zu den am häufigsten vertretenen Herkunftsländern der Patienten gehörten nach einer Auswertung des Vereins Afghanistan, Syrien und Irak. Aber auch viele Menschen aus afrikanischen Herkunftsstaaten - etwa von der Elfenbeinküste, aus dem Sudan oder Eritrea - suchten Hilfe.

Weltweit befänden sich nach wie vor zig Menschen auf der Flucht, sagte Doris Schröder-Köpf in Hannover. "Die Suche nach Sicherheit treibt Millionen in der Welt weg aus ihrer Heimat", machte die Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe bei der Tagung klar.

Das Netzwerk will die psychosoziale Versorgung von Migranten deshalb in Zukunft weiter voran bringen. Der Verein habe dafür im Mai das Projekt "RefuKey" ins Leben gerufen, sagte Behrensen. Mit dem neuen Projekt sollen Flüchtlingen zielgerichteter behandelt werden. Geplant ist, dass das Psychosoziale Zentrum des Netzwerks und psychiatrische Kliniken sich, wenn nötig, gegenseitig Patienten überweisen können.

Das Land Niedersachsen stelle dem Netzwerk 2017 und 2018 jeweils 3,62 Millionen Euro zur Verfügung, sagte Sozialministerin Cornelia Rundt. Die SPD-Politikerin betonte für die künftige Flüchtlingsarbeit: "Wir dürfen nicht nach- und locker lassen." Zuletzt hatte der Verein neue Angebote in Göttingen, Celle, Cuxhaven und Osnabrück geschaffen.

dpa


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