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Niedersachsen Missbrauch in Kinderheim: lange Haftstrafe für Pädagogen
Nachrichten Niedersachsen Missbrauch in Kinderheim: lange Haftstrafe für Pädagogen
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16:22 19.05.2016
Der Haupteingang des Landgerichts in Lüneburg (Niedersachen). Quelle: Philipp Schulze/Archiv
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Lüneburg

Sechs Jahre Haft für den früheren pädagogischen Leiter eines Kinderheims für milieugeschädigte und traumatisierte Kinder: Dazu hat das Landgericht Lüneburg den Mann am Donnerstag verurteilt. Das Gericht befand den 47-Jährigen des schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes und eines Jugendlichen für schuldig. Die Kammer verhängte für die Zeit nach der Haft eine Führungsaufsicht, weil von dem Mann wegen seiner Pädophilie eine "gewisse Gefährlichkeit" ausgehe.

Der Pädagoge missbrauchte zwischen 2005 und 2015 in der kleinen ländlichen Einrichtung im Kreis Lüneburg zwei Jungen im Alter zwischen 12 und 14 Jahren. Der 47-Jährige gestand zwar den Missbrauch, machte aber andere Angaben zum zeitlichen Ablauf - danach wäre eines der Opfer nicht mehr unter 14 Jahren gewesen. Die Angaben konnten nicht widerlegt werden, das Verfahren wurde in 9 von 49 Fällen eingestellt.

Der ältere der beiden Jungen, mittlerweile 23 Jahre alt, hatte das Verfahren ins Rollen gebracht, als er während einer Therapie den Ärzten von seiner Geschichte erzählte. Am Donnerstag zahlte der Angeklagte 4000 Euro Schmerzensgeld an den jungen Mann, der als Nebenkläger auftrat. Der Missbrauch in dem Heim habe vermutlich bereits Ende der 90er-Jahre begonnen, sagte dessen Anwältin. Ihr Mandant war erst 2011 auf den Hof gekommen.

"Man muss sagen: Das ist die Spitze des Eisbergs hier", sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Wahrscheinlich habe es viel mehr Straftaten gegeben. Einige Festplatten habe man bislang nicht entschlüsseln können, der Angeklagte habe die Passwörter nicht preisgeben wollen. Der 47-Jährige soll an den Jungen Oralverkehr praktiziert und sie massiert haben. Das sah das Gericht auch durch die Fotos als bewiesen an.

Der Angeklagte hatte das Heim Ende der 90er Jahre mit seiner Lebensgefährtin gegründet. Laut Leitbild ging es auf dem idyllisch gelegenen Hof um eine familiäre Gemeinschaft mit den beiden Hauseltern als Bezugspersonen. Er habe nur helfen und Gutes tun wollen, hatte der 47-Jährige erklärt. Es sei ihm um "Freude an der körperlichen Begegnung" gegangen, um eine befreite Sexualität und "gegenseitiges Beglücken". Erst in der U-Haft habe er seine Ansichten überdacht. Er entschuldigt sich bei den Opfern und nannte dabei vier Namen, angeklagt war aber nur der Missbrauch von zwei Jungen.

Das Heim verfügt laut Landessozialamt über sieben Plätze, von denen derzeit fünf belegt sind. "Die Heimaufsicht des Landesjugendamtes ist eng an der Angelegenheit dran und wird prüfen, ob der Trägerverein noch weiterhin die Voraussetzungen für die Trägerschaft der Einrichtung erfüllt", sagte Sprecher Reiner Bucksch. Dem Hof drohe die Schließung, hieß es von der Verteidigung.

Und es drohen weitere juristische Folgen: Auch gegen die Lebensgefährtin des Mannes wird ermittelt, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Lüneburg. "Es gibt Indizien, dass sie möglicherweise etwas von dem Missbrauch gewusst hat."

Offen blieb zunächst, ob die Verteidiger Revision einlegen werden. Der Nebenkläger wirkte dagegen sichtlich erleichtert. "Es ist gut, dass das Verfahren zu Ende ist, auch wenn das Strafmaß nicht ganz unseren Vorstellungen entspricht", sagte seine Anwältin Petra Dervishaj.

dpa

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