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Niedersachsen LKA-Beamter aus Hannover als Ausbilder in Afghanistan
Nachrichten Niedersachsen LKA-Beamter aus Hannover als Ausbilder in Afghanistan
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18:26 28.01.2010
War in Afghanistan als Ausbilder: Kurosch Moayad Quelle: Privat
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Abzug bis 2014? Kurosch Moayad will davon nichts hören. Denn sollten nach dem Abzug der internationalen Truppen die Taliban wieder erstarken – seine Arbeit wäre womöglich umsonst gewesen. Vier Monate lang war der LKA-Beamte in Masar-e Sharif im Norden Afghanistans, um dort Polizisten auszubilden. Erst am Montag ist der Deutsch-Perser nach Hannover zurückgekehrt.

„Die Polizei macht in Afghanistan gute Fortschritte – aber nicht nach westlichen Maßstäben“, sagt Moayad. Viele der Rekruten hätten nie eine Schule besucht. Das bedeute nicht nur, dass sie nicht lesen und schreiben können – einige der Polizeischülern könnten weder Strichmännchen zeichnen noch im Sportunterricht wie ein Hampelmann springen.

„Das sind keine dummen Menschen“, sagt Moayad, „aber sie haben nie gelernt, zu lernen. Sie denken ganz anders als wir.“ Der Unterricht geht deshalb nur langsam voran – dabei bleibt für die gesamte Ausbildung nur acht Wochen Zeit. „In Westeuropa braucht man dafür zwei bis drei Jahre.“ Damit er von den Polizeischülern verstanden wird, erzählt Moayad am liebsten Geschichten: Vom bösen Abdul etwa, der einen Bauern auf dem Weg zum Markt überfallen will. „Ihr seid dafür da, das zu verhindern“, sagt er zu den Rekruten – und schaut in staunende Gesichter. Viele von ihnen wüssten gar nicht, was ein Polizist überhaupt macht. „Sie wollen zur Polizei, weil es einer der bestbezahlten legalen Jobs im Land ist.“

Allerdings sei es auch einer der gefährlichsten: Mehr als 2000 afghanische Polizisten sterben jedes Jahr, berichtet Moayad. Sie seien ein Hauptziel für Anschläge. Etwa 3500 Polizisten werden pro Jahr von Deutschen ausgebildet – darunter auch Frauen. „Wir können uns gar nicht vorstellen, was auf die zukommt. Ein deutscher Polizist fährt ja nur Streife.“

Um die Polizeiausbildung in Zukunft zu verbessern, sollen zusätzlich Alphabetisierungskurse angeboten werden. Außerdem werden Afghanen zu Polizeiausbildern geschult, die ihr Wissen dann weitergeben können.

Trotz aller Schwierigkeiten hält Moayad den Afghanistan-Einsatz für sinnvoll, ein schneller Abzug ist für ihn keine Lösung. „Allein um die Polizei zu verändern, braucht es noch mindestens zehn Jahre“, sagt er. „So lange dauert es, bis die von uns ausgebildeten Polizisten in Positionen sind, wo sie etwas entscheiden können.“

(Susann Reichert)

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