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Kultusministerin Frauke Heiligenstadt.

Kultusministerin Frauke Heiligenstadt. © Holger Hollemann/Archiv

Schulen

Immer mehr Kinder mit Förderbedarf besuchen Regelschule

Das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderungen kommt in Niedersachsen voran. Die Inklusionsquote beträgt im laufenden Schuljahr 61,4 Prozent. Doch die Schulen brauchen dringend mehr pädagogisches Personal, mahnen GEW und Opposition.

Hannover. In Niedersachsens Schulen lernen immer mehr Kinder mit Behinderungen gemeinsam mit ihren nicht-behinderten Altersgenossen. Von 37 269 Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf in den Klassen 1 bis 8 besuchen 22 879 eine allgemeine öffentliche Schule. Die Inklusionsquote stieg damit auf 61,4 Prozent, wie Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) am Mittwoch sagte. Im Schuljahr davor lag der Wert noch bei 58,5 Prozent.

Das zeige deutlich, dass Eltern von Schülern mit Unterstützungsbedarf sich klar für die Inklusion entschieden, sagte die Ministerin. "Alle, die wieder andere Schulformen einführen wollen, befinden sich auf einer Rückwärtsbewegung, die die Eltern nicht tragen", sagte Heiligenstadt in Anspielung auf Pläne der Opposition. Das Prinzip der Inklusion wird seit 2013 in Niedersachsen umgesetzt.

CDU-Bildungspolitiker Kai Seefried kritisierte, vielerorts sei ein vernünftiger gemeinsamer Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung kaum möglich, da Lehrer und pädagogisches Personal fehlen würden. "Sich für eine steigende Inklusionsquote zu loben, nachdem man den Eltern die Wahlmöglichkeit genommen hat, ist eine Unverschämtheit", sagte Seefried.

Bei der Wahl der Schulform zeigen sich große Unterschiede. Rund die Hälfte der inklusiv beschulten Kinder mit sonderpädagogischem Bedarf besuchen eine Grundschule. Bei den weiterführenden Schulen werden Oberschulen (19 Prozent) und Gesamtschulen (16,6 Prozent) bevorzugt, gefolgt von Hauptschulen (9,3 Prozent). Nur 2,6 Prozent der Inklusionskinder besuchen ein Gymnasium, 2,5 Prozent eine Realschule.

Nach Angaben des Kultusministeriums investiert Niedersachsen im laufenden Jahr 330 Millionen Euro, um die Inklusion voranzubringen. Im Jahr 2013 waren es noch 178 Millionen Euro. Bis zum Jahr 2021 sind insgesamt 1,585 Milliarden Euro eingeplant. Davon sind 231 Millionen Euro für 650 zusätzliche Stellen für Pädagogen vorgesehen.

Heiligenstadt kündigte an, über die bisherige Planung hinaus zusätzliches pädagogisches Personal einzustellen, damit die Lehrkräfte noch mehr Unterstützung erhalten würden. Um wie viele Stellen es sich handeln wird, sagte sie nicht. "Die Inklusion muss durch Einstellung von mehr Sozialpädagogen verbessert werden. 1000 Stellen wären ein erster Schritt", sagte dazu der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Eberhardt Brandt.

Der schulpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Björn Försterling, verwies darauf, dass sich die Zahl der Inklusionskinder seit 2013 versiebenfacht habe - die vom Land aufgewandten Mittel aber nur verdoppelt. Diese Inklusion auf Sparflamme belaste Lehrer, Eltern und Schüler, kritisierte Försterling.

dpa


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