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RISIKOEINSATZ: Polizisten beim Spiel zwischen  96 und Dynamo Dresden. Die Belastung bei Fußballeinsätzen nimmt seit Jahren zu.

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Niedersachsen

Hannover: Selbstmorde bei Polizei nehmen zu

Anfang September 2012 erschoss sich ein Polizeibeamter in Hannover mit seiner Dienstwaffe im Büro. Einer der seltenen Fälle, in denen die Öffentlichkeit von Suiziden bei der Polizei erfährt.

hannover.  Häufig ist von Gewalt und Überlastung von Polizisten die Rede. Doch Suizide bei den Gesetzeshütern sind ein absolutes Tabuthema. Aus einer Anfrage der FDP-Fraktion an die Landesregierung geht jetzt hervor: Die Suizid-Rate bei der niedersächsischen Polizei hat sich seit 2013 verdreifacht. In den vergangenen vier Jahren haben 17 Polizisten aus freiem Entschluss ihrem Leben ein Ende gesetzt. In der Anfrage heißt es dazu: „Ein dienstlicher Zusammenhang konnte bei keinem (...) der Suizide erkannt werden.“

Eine Aussage, die offenbar so nicht ganz richtig ist. Polizeiberater Erich Traphan in der Tageszeitung „Welt“: „Es gibt selten nur den einen Grund für einen Suizid. Aus Erfahrung kann man sagen, dass bei einem Selbstmord in fast 80 Prozent der Fälle Pro­bleme aus dem sozialen Umfeld vorliegen, mal mehr Beruf, mal mehr Privatleben. Es stimmt also nicht, wenn man einen Selbstmord grundsätzlich nur auf private Belastungen zurückführt. Die Be­hörden gehen damit immer noch sehr unbeholfen um.“ Erich Traphan sagte das im Zusammenhang mit Suiziden bei der Polizei in Nordrhein-Westfalen. Dort erkannte das Innenministerium bei 41 Selbstmorden in fünf Jahren nur in einem Fall einen „dienstlichen Grund“.

Die NP fragte im Niedersächsischen Innenministerum zu den Umständen der Suizide nach. Konkrete Antworten blieben aus. Erklärungsversuche, warum die Suizide sich verdreifacht haben? Fehlanzeige. „Erklärungsversuche sind nur im Bereich der Spekulation möglich“, teilte Ministeriumssprecherin Svenja Mischel mit. Außerdem handle es sich um „höchst sensible“ und „höchstpersönliche“ Daten. Dabei hatte die NP nach Umständen und Erklärungen der Suizide ge­fragt, nicht nach persönlichen Daten.

Ulf Küch, Landesvorsitzender des Bundes deutscher Kriminalbeamter (BdK), ist überrascht von den hohen Suizid-Raten: „Das ist höchst alarmierend. Das kann man nicht so einfach abtun.“ Er verweist auf die hohe Belastung der Beamten. Und: „Die medizinische Betreuung der Kollegen ist in den vergangenen Jahren immer weiter heruntergefahren worden.“

Alexander Zimbehl, stellvertretender Landesvorsizender der Deutschen Polizei-Gewerkschaft (DPolG), weiß auch keine Erklärung für die gestiegene Suizid-Rate. Aber: „Nach unserer Bewertung war die psychische Belastung selten so hoch wie heute.“ Terrorgefahr, Hochrisiko-Bundesligaspiele, Großverfahren und gestiegene Alltagsgewalt lauten die Stichworte für die veränderten Ansprüche an den Beruf.

Deshalb sollte man nie einen dienstlichen Hintergrund bei dem Suizid eines Polizisten ausschließen, sagt Zimbehl. Die psychosoziale Betreuung der Kollegen könne die Anforderungen auch nicht minimieren. Der Gewerkschafter spricht in Bezug auf die Suizid-Rate bei der niedersächsischen Polizei von einem „Alarmsignal“ – und fordert von der Landesregierung eine „Überprüfung der Verwaltungswege, um Aufgaben stringenter und einfacher erledigen zu können“.

Laut Schätzungen ist die Suizid-Rate bei Polizisten doppelt so hoch wie im Rest der Bevölkerung.

Von Thomas Nagel


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