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Seilkran, mit dem Fichten geborgen werden.

Seilkran, mit dem Fichten geborgen werden. © Niedersächsische Landesforsten/dpa/Archiv

Umwelt

Größtes Waldmoor im Solling wird renaturiert

In der Vergangenheit wurden fast alle Waldmoore im Solling trocken gelegt. Seit einigen Jahren werden die Areale nach und nach wieder in ihren ursprünglichen Zustand gebracht. Jetzt wird auch das größte Moor wiedervernässt.

Neuhaus. Der Solling bekommt sein größtes Waldmoor zurück. In den kommenden Wochen wollen die Niedersächsischen Landesforsten mit der Renaturierung des Moores am Wildenkiel bei Neuhaus beginnen. Knapp ein Drittel des ursprünglich 250 Hektar großen Moorgebietes solle schrittweise wiedervernässt werden, sagte Sprecher Michael Rudolph. Die Kosten dafür betragen insgesamt rund eine Million Euro. Der Wildenkiel gilt als einer der größten zusammenhängenden Stauwasserböden in Deutschland.

Das Projekt wird aus Fördermitteln der EU und des Landes Niedersachsen finanziert. Die Arbeiten am ersten Projektabschnitt am Wildenkiel werden in den kommenden Wochen beginnen und bis zum Jahr 2021 abgeschlossen sein.

Die Landesforsten haben seit 2009 bereits mehrere in der Vergangenheit trockengelegte kleinere Waldmoore im Solling renaturiert. Die Moore sind Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten. Aus deshalb habe sich das bereits vor mehreren Jahren renaturierte Mecklenbruch bei Silberborn mittlerweile zu einer echten Besucher-Attraktion entwickelt, sagte Forstsprecher Rudolph.

Zuletzt waren die Teichwiesen bei Uslar und das rund sieben Hektar große Kükenbruch bei Sievershausen im Kreis Northeim wiedervernässt worden. Dazu wurden Tausende von Fichten gefällt und die alten Entwässerungsgräben mit Sägespänen abgedichtet. Das Wachstum der Torfmoose und anderer typischer Pflanzen konnte wieder beginnen. Ähnlich soll auch am Wildenkiel verfahren werden.

Die vor mehreren Tausend Jahren entstandenen Waldmoore im Solling wurden bis Mitte des 19. Jahrhunderts intensiv ausgebeutet. Als der Torfabbau endete, begann die Entwässerung. Gräben sorgten dafür, dass allmählich 1200 Hektar trocken fielen. Statt der ursprünglich vorhandenen Moorbirken, Aspen, Zitterpappeln oder Ebereschen wurden auf den trockenen Böden Fichten gepflanzt. All dies wird jetzt nach und nach rückgängig gemacht.

Nach Angaben des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung wirken sich intakte Moore positiv auf die Umwelt aus. Sie speichern Kohlenstoff in Form abgestorbenen Pflanzenmaterials, weil die Feuchtigkeit den Kohlenstoff vor der Zersetzung bewahrt. Ein entwässertes Moor setzt dagegen das für den Treibhauseffekt mitverantwortliche Kohlendioxid frei. Wenn entwässerte Moore ihre Feuchtigkeit zurückbekommen, könne dies die Kohlendioxid-Emissionen deutlich reduzieren.

Nach Angaben des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung Leipzig ist die Wiedervernässung von Mooren eine volkswirtschaftlich kostengünstigste Maßnahme, um Kohlendioxid einzusparen. Wenn Moore wieder vernässt sind, müssen die Flächen auch nicht unbedingt aus der Nutzung genommen werden, meinen die Forscher. Dort könnten Schilf und Rohrkolben als Biomasse oder Baustoff gewonnen werden. Schwarzerlen könnten hochwertiges Holz, Sonnentau könne Arzneistoffe und Torfmoos Gartensubstrat liefern.

dpa


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