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Niedersachsen Missbrauchs-Vorwurf gegen Gifhorner Ehepaar: Diakonie will jahrelang nichts gewusst haben
Nachrichten Niedersachsen Missbrauchs-Vorwurf gegen Gifhorner Ehepaar: Diakonie will jahrelang nichts gewusst haben
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19:38 17.03.2019
Sexueller Missbrauch in einer Wohngruppe im Landkreis Gifhorn: Das beschuldigte Ehepaar sitzt in Untersuchungshaft. Quelle: Tim Schaarschmidt Archiv
Gifhorn

Sexueller Missbrauch und Misshandlungen von Kindern zwischen sechs und 16 Jahren in einer Wohngruppe: Am Freitag hatte die Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass Haftbefehle gegen das beschuldigte Ehepaar aus dem Raum Gifhorn erlassen wurden, welches die Gruppe geleitet hat. Die Taten sollen sich zwischen 1998 und 2007 ereignet haben. Jetzt wurden weitere Einzelheiten bekannt.

Das Ehepaar, beide ausgebildete Pädagogen, hatte die Wohngruppe für teilweise schwer traumatisierte Kinder 25 Jahre lang geführt, bis 2007 in Trägerschaft der Diakonie. Die Diakonie hatte sich laut Sprecherin Ingetraut Steffenhagen damals wegen pädagogischer Differenzen von dem Ehepaar getrennt, einen Verdacht auf Missbrauch und Misshandlungen habe es zu dem Zeitpunkt nicht gegeben. Im Anschluss übernahm Life Concepts Kirchröder Turm die Trägerschaft. Erst die Strafanzeige einer ehemaligen Bewohnerin der Wohngruppe am 28. Januar gegen das Ehepaar setzte die Ermittlungen in Gang.

Opfer sind Schutzbefohlene

Ermittelt wird nun wegen elf Fällen von sexuellen Missbrauchs und fünf Fällen von Misshandlung Schutzbefohlener gegen den Ehemann, wegen fünf Fällen von Misshandlung gegen die Ehefrau, die laut Staatsanwaltschaft von den Straftaten ihres Mannes Kenntnis gehabt haben muss, sie jedoch nicht verhindert hat. Beide sitzen seit Freitag in Untersuchungshaft.

In der Wohngruppe waren im Regelfall vier bis fünf Kinder zeitgleich untergebracht, zum Zeitpunkt der Strafanzeige im Januar lebten dort drei Betreute, die mittlerweile – so Bereichsleiter Carsten Munzel von Life Concepts Kirchröder Turm – in anderen Einrichtungen untergebracht sind. Die Polizei versucht jetzt, alle früheren Bewohnerinnen und Bewohner der Wohngruppe ausfindig zu machen und als Zeugen zu befragen.

Weitere Straftaten möglich

Da Akten von Kindern in Wohngruppen zehn Jahre nach dem Verlassen der Gruppe vernichtet werden, müsse auch auf Daten der Jugendämter zurückgegriffen werden. „Es ist nicht auszuschließen, dass die Ermittlungen Hinweise auf weitere Straftaten der Beschuldigten zutage fördern werden“, hatte Oberstaatsanwalt Christian Gottfriedsen mitgeteilt.

Die Wohngruppe befand sich im betroffenen Zeitraum in der Trägerschaft der Diakonie. Deren Sprecherin Ingetraut Steffenhagen betont, die Diakonie sei entsetzt über die Vorwürfe und möglichen Geschehnisse in ihrer damaligen Einrichtung und werde „alles dafür tun, dass sie lückenlos aufgeklärt werden.“ Den Opfern gelte „unser tiefes Mitgefühl“.

Arbeitsverhältnis 2007 aufgelöst

In der Familienwohngruppe, die von 1994 bis 2007 unter dem Dach der Diakonie Kästorf betrieben wurde, waren Mädchen und Jungen vom Kleinkindalter bis zu Jugendlichen untergebracht, laut Steffenhagen haben ergänzend zu dem angeklagten Ehepaar auch Sozialpädagogen in der Gruppe gearbeitet. „Aufgrund von pädagogischen Differenzen wurde das Arbeitsverhältnis im Jahr 2007 aufgelöst“, so Steffenhagen. Ein Grund sei gewesen, dass das Ehepaar die neuen Transparenzstandards, die die Diakonie erarbeitet hatte, nicht umsetzen wollte, aber „es gab keinerlei Hinweise auf sexuelle Übergriffe“.

Kooperation mit Staatsanwaltschaft und Polizei

Seit Bekanntwerden der Vorwürfe im Januar „arbeiten wir intensiv mit der Staatsanwaltschaft und der Polizei zusammen“, betonte Ingetraut Steffenhagen. So seien bereits fachbereichsübergreifend alle vorliegenden Informationen zusammengetragen und an die Behörden übergeben worden.

Gleiches versichert auch Carsten Munzel, Fachbereichsleiter von Life Concepts Kirchröder Turm, dem aktuellen Träger der Wohngruppe. „Wir haben eine Liste aller betreuten Kinder und Mitarbeiter, die in der Gruppe waren, zusammengestellt.“ Die Kinder leben laut Munzel sehr unterschiedlich lange in solchen Wohngruppen, im Regelfall sind drei bis vier Kinder in einer Gruppe untergebracht. „Manche können nach ein paar Monaten in ihre Familien zurück, andere bleiben bis zur Volljährigkeit in den Gruppen.“

Wie konnte das passieren?

Auf die Frage, wieso sexueller Missbrauch und Misshandlung über einen so langen Zeitraum unentdeckt bleiben können, fällt Ingetraut Steffenhagen, Pressesprecherin der Diakonie Kästorf – die betroffene Wohngruppe befand sich von 1998 bis 2007 in Trägerschaft der Diakonie –, die Antwort schwer: „Hätten wir eine diesbezügliche Vermutung gehabt, wären wir umgehend tätig geworden.“

Seit Inkrafttreten des neuen Kinderschutzgesetzes 2012 gebe es bereits eine intensivere Aufmerksamkeit für das Thema: „Es wurden Schutzkonzepte erarbeitet und eine Beschwerdemöglichkeit verankert. Die Kinder in unseren familienanalogen Settings kommen regelmäßig zusammen und haben intensiven Kontakt mit einer Beraterin, die Beschwerden und Nöte der Kinder sowie der Familien bearbeitet. Zudem haben die Familien regelmäßig Supervision und sind in einem kollegialen Austausch miteinander.“

Wie so etwas passieren konnte, „das sind Fragen, die wir uns jetzt auch stellen“, sagt Carsten Munzel, Fachbereichsleiter bei Life Concepts Kirchröder Turm, einem diakonischen Werk evangelisch-freikirchlicher Gemeinden, welches seit 2007 Träger der betroffenen Wohngruppe ist. Die Kinder in den Familienwohngruppen „haben therapeutische Begleitung, sie werden Kinderärzten vorgestellt und von Ergotherapeuten und Logopäden begleitet“. Zudem bestehe Kontakt zu Eltern und Vormündern. „Wir hatten keinerlei Hinweise auf Missbrauch.“

Von Christina Rudert

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