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Ein Schild weist auf den Geflügelpest-Sperrbezirk hin.

Ein Schild weist auf den Geflügelpest-Sperrbezirk hin. © Holger Hollemann/Archiv

Tiere

Geflügelpest-Gefahr nicht gebannt

Die Geflügelpest ist ein wiederkehrendes Phänomen. Ständig passt sich das H5N8-Virus an, das offenbar auch bei heimischen Wildvögeln vorhanden ist. Die erst im Frühjahr abgeklungene Epidemie sorgte für Millionenschäden und große Unsicherheit.

Oldenburg. Niedersachsen will Mastbetriebe im Kampf gegen die Geflügelpest stärker in die Pflicht nehmen. Wer Vorgaben für die Biosicherheit fahrlässig missachte, der soll mit Sanktionen bei der späteren finanziellen Schadensregulierung belegt werden, wie Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) am Donnerstag zum Auftakt des 2. Tiergesundheitssymposiums in Oldenburg anregte. Bei der massiven Geflügelpestwelle von November 2016 bis Frühjahr 2017 zahlten Land und Tierseuchenkasse rund 16 Millionen Euro aus. Die Branche schätzte den Gesamtschaden aber auf 40 Millionen Euro.

Meyer betonte, es müsse alles getan werden, um große Seuchen zu vermeiden. Entsprechende Vorgaben etwa zur Nutzung von Kadavertonnen und für das Ausbringen von Stroh oder auch Vorbeugemaßnahmen beim Betreten der Ställe müssten eingehalten werden. Das Thema soll auch bei der Agrarministerkonferenz (AMK) Ende September in Lüneburg zur Sprache gebracht werden. Niedersachsen hat derzeit den AMK-Vorsitz.

Halter kleinerer Freilandgeflügelbestände sollen aus Sicht Meyers im Falle von Geflügelpest-Epidemien von der Stallpflicht ausgenommen werden. Freiland- und Hobbygeflügelhalter seien die eigentlichen Opfer der jüngsten Geflügelpest gewesen, obwohl die Tierseuche fast ausschließlich in großen geschlossenen Putenmastställen ausgebrochen sei. Eine Lockerung bei der Stallpflicht betreffe aber nur rund zehn Prozent des Geflügelbestandes, da rund 90 Prozent in Ställen gehalten werde.

Auf Niedersachsen entfallen mit rund 108 Millionen Stück Geflügel über die Hälfte des Gesamtbestandes in Deutschland. "Die Gefahr der Vogelgrippe ist überhaupt nicht aus der Welt", betonte Christine Bothmann, Abteilungsleiterin Tiergesundheit/Tierschutz beim Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES). Es sei davon auszugehen, dass das Virus nicht mehr an den Vogelzug gebunden sei, sondern heimisch geworden sei. In Sachsen-Anhalt war das H5N8-Virus kürzlich bei drei toten Schwänen nachgewiesen worden.

Bothmann betonte, in Italien habe es eine massive Vogelgrippe-Welle gegeben, die möglicherweise von Süden nach Norden ziehe. Eine Bekämpfung der Seuche sei auch aus tierschutzrechtlicher Sicht geboten, weil die betroffenen Vögel bei einer Infizierung schwer krank würden und unter anderem extreme Atemwegsbeschwerden hätten. Hohes Viruspotenzial hätten vor allem Wasserstellen.

Die jüngste Geflügelpest-Epidemie war erst im Frühjahr abgeklungen. Sie war die schlimmste Seuchenwelle dieser Art seit Jahrzehnten. Über 900 000 Tiere mussten bundesweit gekeult werden, 800 000 in Niedersachsen. In dem Bundesland galt flächendeckend Stallpflicht. Die Epidemie 2016/2017 gilt als erloschen.

dpa


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