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Niedersachsen GPS-Sender im Schulranzen: Testphase in Wolfsburg
Nachrichten Niedersachsen GPS-Sender im Schulranzen: Testphase in Wolfsburg
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14:52 23.01.2018
NICHT ALLEIN: Schüler in der Nähe einer Grundschule. Mit „Schutzranzen“ könnten die Eltern ihren Standort bestimmen.  Quelle: Foto: dpa
Wolfsburg

 Es ist symptomatisch für unsere Zeit: Die App „Schutzranzen“ soll über einen Peilsender in der Schultasche des Kindes den Aufenthaltsort an die Eltern weitergeben. Der Hersteller Coodriver wirbt damit, dass Schüler darüber hinaus einen sichereren Schulweg haben. Die Idee: Die App soll nicht nur die Position der Kinder durch die Eltern bestimmen lassen, sondern auch Autofahrer in der näheren Umgebung auf die Anwesenheit von Kindern hinweisen, um so Unfälle zu vermeiden.

An zwei Wolfsburger Grundschulen soll jetzt ein Testlauf mit der App gestartet werden, an dem sich Eltern freiwillig beteiligen können. Wo Wolfsburg ist, kann Volkswagen nicht weit sein. Die sind strategische Partner von „Schutzranzen“ und wollen ihre Autofahrer entweder über das Smartphone oder in Zukunft über ein System im Auto warnen. Für die Idee ist das Unternehmen mit dem „Mobility & Safety Award 2016“ ausgezeichnet worden. Ein Euro pro Monat kostet der Service. Für 19 Euro muss der Peilsender aktiviert werden.

Im Zuge der angekündigten Testphase ist jetzt erste Kritik laut geworden. Die niedersächsische Datenschutzbeauftragte Barbara Thiel will das Projekt dringend prüfen lassen. Sie sagte: „Auch Kinder müssen das Recht haben, sich abhängig von ihrem Alter unbeobachtet fortbewegen zu können.“

Einer der größten Kritikpunkte, neben der Möglichkeit das eigene Kind ständig zu überwachen, sind auch die datenschutzrechtlichen Fragen. Der Bielefelder Verein „Digitalcourage“ erklärte, dass die Übermittlung der Daten in die Cloud. die unter anderem zu Google und Amazon gehöre, nicht sicher seien. Hacker könnten sich die Aufenthaltsdaten von Kindern besorgen. Autofahrer würden dagegen nur vage informiert, dass Kinder in der Nähe sind. Der Verein spricht der App außerdem eine „Gier nach Daten“ zu. Ein anderer Kritikpunkt ist, dass „Schutzranzen“ den Straßenverkehr nicht sicherer machen würde. Die Kinder würden sich auf die App verlassen, anstatt selbst aufmerksam zu sein und auch Autofahrer könnten zu viel Vertrauen in das System haben oder durch dies sogar abgelenkt sein.

Nun ist die App nicht die erste, die Eltern die Möglichkeit gibt, ihre Kinder zu überwachen. Andere Programme wie „Track Your Child“ bieten ähnliche Services. Als ein Pluspunkt für „Schutzranzen“ wird angeführt, dass Eltern, die ihre Kinder sonst aus Sorge um deren Sicherheit zur Schule fahren, zu Hause bleiben könnten. Dadurch könnte sich die Zahl der Elterntaxis vor den Schulen verringern.

Von Jan Heemann

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