Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Lauenau: Angeklagter schweigt im Mordprozess
Nachrichten Niedersachsen Lauenau: Angeklagter schweigt im Mordprozess
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:30 10.10.2018
Prozessauftakt: Die Anwälte Matthias Doehring und Christoph Hessel (v. l.) mit Uwe K. Foto: Quelle: dpa
HILDESHEIM

Minutenlang stellt sich Uwe K. (47) den Kameras. Er verhüllt sein Gesicht nicht. Die Haare des Ofenbauers aus Lauenau (Kreis Schaumburg) sind kürzer geworden. Er hat in der dreijährigen Untersuchungshaft ein paar Kilo zugenommen. Zu Beginn des Mordprozesses vor der Hildesheimer Schwurgerichtskammer schweigt er.

Im Januar 2017 wurde K. im Bückeburger Landgericht zu elfeinhalb Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt. Er soll am 27. Mai 2015 seine 42-jährige Ehefrau erstickt haben. Mit zwei Zaunlatten habe er sie vier Mal gegen den Kopf geschlagen. Das Opfer trug mehrere Schädelbasisbrüche davon. Dann habe er seiner Frau Ines drei Wertstoffsäcke übergestülpt, ihr ein Expander-Seil um den Hals gewickelt und das Seil mit einem Karabiner-Haken befestigt. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte das Urteil aufgehoben, weil das Bückeburger Landgericht einem Beweisantrag der Verteidiger nicht nachgegangen war. Das Urteil der Hildesheimer Schwurgerichtskammer darf aus rechtlichen Gründen nicht härter ausfallen.

Prozess eine große Belastung

Am Mittwoch begann der Prozess erneut vor der Hildesheimer Schwurgerichtskammer. Opfer-Anwalt Andreas Hüttl meinte nach der Verhandlung: „Dieser Prozess ist eine große Belastung für meinen Mandanten. Er musste schon 41 Prozesstage in Bückeburg durchleben.“ Hüttl vertritt den Vater des Opfers. Die Mutter bleibt aus gesundheitlichen Gründen dem Prozess fern.

Der Vorsitzende Richter, Peter Peschka, beleuchtete zunächst den Werdegang des Angeklagten. Als Heimkind kam er mit zehn Jahren in eine Pflegefamilie. Mit harter Arbeit hat es Uwe K. zu etwas gebracht. Ausbildung zum Dachdecker, nach einem Arbeitsunfall schulte er um zum Industriekaufmann. „Das lag mir nicht“, erklärte der Angeklagte. Er blieb Handwerker, machte die Meisterschule und eröffnete einen Ofenbauer-Betrieb.

In der Ehe gab es Probleme

Seine Frau hatte K. bereits in der fünften Klasse kennengelernt. 2008 heiratete das Paar. „Wir hatten alle unsere Ziele erreicht“, meinte Uwe K. Ein Haus, feste Jobs und seine Frau erwartete eine Tochter. Doch die bürgerliche Idylle zeigte damals schon Risse. Zum Prozessauftakt meinte Richter Peschka: „Sie gingen in Bordelle, Massageclubs. Und hatten auch zwei, drei Beziehungen, die länger dauerten.“ Der Angeklagte nickte nur.

Die letzte Geliebte des Angeklagten spielt auch im Prozess eine zentrale Rolle. Im Bückeburger-Prozess hatte sie ausgesagt, dass sie den Mord gesehen habe. Darüber hatte sie bei der Polizei nichts erzählt. Für Verteidiger Matthias Doehring hat die Frau ein starkes Motiv: „Hätte sich mein Mandant scheiden lassen, wäre das Geld weg gewesen.“ Denn das Opfer war die alleinige Eigentümerin des gemeinsamen Hauses.

Von Thomas Nagel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Wenn Stürme über Niedersachsen ziehen, fallen nicht selten zahlreiche Züge aus. Das Land will das künftig durch eine bessere Kooperation von Bahn und Behörden verhindern.

10.10.2018

Der Fall um eine gewaltsam getötete Frau aus Lauenau wird erneut vor Gericht verhandelt. Am Landgericht Hildesheim beginnt heute der Revisionsprozess des Ehemanns, der zuvor zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilt wurde.

10.10.2018

Bei einem schweren Unfall auf der A7 bei Göttingen stoppt die fehlende Rettungsgasse die Einsatzkräfte. Die Polizei ermittelt jetzt gegen zehn Lkw-Fahrer. Ihnen drohen Fahrverbote und Geldbußen.

10.10.2018