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Niedersachsen Ex-Frau widerspricht Wulffs Aussagen im Glaeseker-Prozess
Nachrichten Niedersachsen Ex-Frau widerspricht Wulffs Aussagen im Glaeseker-Prozess
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15:47 10.01.2014
Hannover

Die Ex-Frau des früheren Bundespräsidenten Christian Wulff hat im Korruptionsprozess gegen dessen Ex-Sprecher Olaf Glaeseker den Aussagen ihres Ex-Mannes widersprochen. "Er muss es gewusst haben, weil er mir über Herrn Glaeseker noch ein Schreiben übermittelt hat", sagte Christiane Wulff am Freitag im Landgericht Hannover auf die Frage, ob Wulff von den Reisen Glaesekers zum mitangeklagten Partymanager Manfred Schmidt gewusst habe. Glaeseker habe es ihr kurz darauf im Urlaub ausgehändigt. Auch im Trennungsgespräch mit ihrem Ex-Mann habe sie in Glaesekers Gegenwart eine entsprechende Urlaubs-Einladung Schmidts erwähnt und keinen Zweifel daran gelassen, dass sie diese annehmen werde: "Deshalb gehe ich auch davon aus, dass er davon wusste." Christiane Wulff hat mindestens zweimal auf Einladung Schmidts auf dessen spanischer Finca übernachtet und beim dritten Urlaub mit den Glaesekers einen Tagesausflug dorthin gemacht.

Der fünfte Prozesstag startete mit der Befragung des ehemaligen persönlichen Assistenten des mitangeklagten Partyveranstalters Manfred Schmidt, Alexander F. (30). Der freiberufliche Personaldienstleister ist seit 2004 ein gute Bekannter und war auch an der Ausrichtung des Nord-Süd-Dialogs beteiligt. Allerdings bekam er nach eigener Aussage nie Einblicke in die wirtschaftlichen Zahlen und Fakten, sondern kümmerte sich bei Schmidts Großveranstaltungen in erster Linie um die besonders wichtigen Gäste, die Super-VIPs, wie er sie nannte.
Zu Schmidt habe er ein privates, freundschaftliches Verhältnis, auch wenn der Party-Veranstalter ein Mann gewesen sei, mit dem man sich sehr gut habe streiten können. Der 30-Jährige besuchte regelmäßig Schmidts Anwesen in Spanien und später auch Frankreich. Dort seien in erster Linie Freunde des Angeklagten zu Gast gewesen. Es habe zwar durchaus geschäftliche Gespräche gegeben. "Über Wirtschaftliches wie die Akquise von Sponsoren wurde aber nicht gerdet." Zu Olaf Glaeseker habe es ein rein freundschaftliches Verhältnis gegeben. "So eng, wie die beiden befreundet waren, fällt mir niemand sonst ein. Ich hatte das Gefühl, sie seien sehr gute Freunde gewesen." Glaeseker habe in Badeshorts am Pool gelegen und Tagesausflüge mit seiner Frau gemacht. "Das war Urlaub. Im Vergleich zu anderen Gästen waren sie länger da, 10 bis 14 Tage."

Zumeist sei auch Manfred Schmidt dabei gewesen, der ohnehin viele Gäste auf die Finca in Spanien und später auch im französischen Bayuls-sur-mer empfing. Immer auf Einladung. "Zu Manfred kommen sehr viele Menschen", sagt Alexander F.

Den Aussagen vom vierten Prozesstag, an denen Schmidts Ex-Freundin und der damalige Hausmeister in der Vernehmung aussagten, die Finca in Spanien sei von Ende 2007 in einem desolaten Zustand, widersprach der persönliche Assistent. "Auf keinen Fall", sagt der 30-Jährige. Der Schwerpunkt von Schmidts Wirken habe sich zwar nach Frankreich und die Wohnung in Barcelona verlagert. Der Zustand sei aber in Ordnung gewesen.
Olaf Glaeseker wird Bestechlichkeit und Bestechung vorgeworfen. Er soll dem mitangeklagten Partymanager Manfred Schmidt in seiner Zeit als Regierungssprecher in Niedersachsen geholfen haben, Sponsoren für die Promiparty-Reihe Nord-Süd-Dialog zu finden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem ehemaligen Vertrauten von Ministerpräsident Christian Wulff vor, sich im Gegenzug Urlaube und Flüge spendiert haben zu lassen.  Beide streiten die Vorwürfe ab und berufen sich auf ihre langjährige Freundschaft. Zuletzt hatten Schmidts Ex-Lebensgefährtin und auch sein Hausmeister seiner spanischen Villa ausgesagt, die Besuche seien nicht privat, sondern in erster Linie beruflich gewesen.
Die Verteidigung Schmidts beantragte nun, an den kommenden Prozesstagen die Reisetagebücher von Vera Glaeseker, der Ehefrau des Mitangeklagten, zu verlesen. Die Anwälte wollen damit zeigen, dass die Besuche der Glaesekers rein freundschaftlich waren. Darüber hinaus soll EU-Kommissar Günther Oettinger am am 24. Februar vernommen werden. Am 11. Februar wird TV-Star Sabine Christiansen im Zeugenstand des Landgerichts in Hannover erwartet und soll dazu beitragen, ob sich Olaf Glaeseker mit Ferienaufenthalten im Wert von 12000 Euro hat bestechen lassen.

Von Carsten Bergmann und Ralf Krüger

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