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Diether Dehm will sich zugunsten von Manfred Sohn aus der Parteispitze zurückziehen.

Diether Dehm will sich zugunsten von Manfred Sohn aus der Parteispitze zurückziehen.© dpa

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Auszeit

Diether Dehm zieht sich aus der Führung der Linkspartei zurück

Er ist ein Paradiesvogel in der niedersächsischen Politik, legt mindestens so viel Wert auf Show wie auf Inhalte und bereitet sich nun auf seinen Abschied vor: Diether Dehm (60), seit sieben Jahren Landesvorsitzender der Linkspartei und vormals der PDS, will sich aus der Führung der Landespartei zurückziehen.

Diether Dehm sagte zu Pfingster dieser Zeitung: „Ich nehme ein bis zwei Jahre Auszeit.“ Für seine Nachfolge schlägt er den umstrittenen Vorsitzenden der Landtagsfraktion vor, Manfred Sohn (54). Der Parteitag soll im November den neuen Vorstand wählen.

Dehm, der im kleinen Ort Großentaft im Kreis Fulda wohnt, gehört seit fünf Jahren dem Bundestag an, lebt aber nicht von der Politik. Er hat es als Musikmanager zu einem beträchtlichen Vermögen gebracht, ist als Autor und Verleger von Musiktiteln berühmt geworden. „Von Dieter Bohlen kennt kaum jemand ein Lied, von mir jeder“, sagt er selbstbewusst. Ob „Tausendmal berührt“, „Monopoly“ oder „Was wollen wir trinken, sieben Tage lang“ – Dehm bewies in der Zusammenarbeit etwa mit Klaus Lage, Konstantin Wecker und Katarina Witt gutes Gespür und reichlich Geschäftssinn. In der Linkspartei gehört er zu denen, die ganz früh und vehement für die Verstaatlichung von Großbanken eingetreten sind. Dehm war in den Siebzigern in der Frankfurter SPD aktiv, brachte es bis zum Bundesvorsitzenden der Arbeitgebervereinigung in der Partei. 1999 wagte er eine zweite Karriere in der PDS, wurde stellvertretender Bundesvorsitzender – und scheiterte 2003 an heftigen internen Streitigkeiten, auch mit dem kürzlich abgelösten Bundesgeschäftsführer der Linken, Dietmar Bartsch.

Seine Karriere im Landesverband war wesentlich erfolgreicher. Dehm, der in der Linkspartei zur „Sozialistischen Linken“ zählt und damit das Hauptziel eines breiten Oppositionsbündnisses und nicht die Regierungsbeteiligung verfolgt, einte die verschiedenen Flügel der Partei, band Reformer ebenso ein wie kommunistische Dogmatiker, musste sich dann aber nach dem Erfolg bei der Landtagswahl 2008 (7,1 Prozent) von der DKP-Frau Christel Wegner trennen und das Bündnis mit der DKP nachträglich als Fehler eingestehen. Als „vorerst letzten Erfolg“ beschreibt er die vor wenigen Wochen erreichte Versöhnung der beiden zerstrittenen Linke-Fraktionen im Rat der Landeshauptstadt Hannover.

Dehm wirbt derweil intern dafür, die Linke für eine rot-rot-grüne Zusammenarbeit nach der Landtagswahl 2013 zu erwärmen. Er nennt das einen „rosarot-grünen Nelkenaufbruch“ und warnt davor, „die Fehler aus Nordrhein-Westfalen zu wiederholen“. Die Linke müsse nicht definieren, wogegen sie ist, sondern „zwei bis drei zentrale Projekte“ benennen, die sie in der Koalition durchsetzen will. Dazu könne etwa die Umgestaltung der Finanzämter zu Ratgebern für Kleinbetriebe gehören, meint er.

Ob allerdings Dehms Personalvorschlag für seine eigene Nachfolge die Annäherung an SPD und Grüne erleichtert, darf bezweifelt werden. Neben Giesela Brandes-Steggewentz (61) aus Osnabrück, die wieder kandidiert, soll Landtagsfraktionschef Manfred Sohn neuer Landesvorsitzender werden. Sohn ist umstritten, weil er noch zehn Jahre nach dem Ende der DDR den SED-Staat in linksradikalen Schriften verteidigt hatte und immer wieder für einen „Druck der Straße“ eintritt.

Dehm selbst will auf anderen Feldern politisch agieren. Sein Liebesroman „Bella Ciao“ soll demnächst in Chemnitz als Oper aufgeführt werden, dann schreibt er an einem Roman „Sozialdemokraten“, der sich mit seinen früheren Genossen auseinandersetzt. „500 Seiten sind schon fertig, 800 werden es werden“, sagt er. Auch Liebe und Mord sollen darin vorkommen. Außerdem baut Dehm mit Freunden wie Daniela Dahn und Albrecht Müller einen linken TV-Sender auf, der zunächst im Internet verbreitet wird. „Dort werden regelmäßig Andrea Ypsilanti und Hermann Scheer ihre Botschaften verbreiten“, kündigt Dehm an.


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