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100-jährigen Jubiläum: Kunsthalle Bremen zeigt Wols-Schau.

100-jährigen Jubiläum: Kunsthalle Bremen zeigt Wols-Schau. © Carmen Jaspersen

Kunst

Bremer Kunsthalle widmet Wols große Retrospektive

Der Künstler Wols wurde noch nicht einmal 40 Jahre alt. Er lebte in ärmlichen Verhältnissen, war alkoholabhängig, während des Zweiten Weltkriegs in mehreren Lagern eingesperrt und starb schließlich an einer Lebensmittelvergiftung.

Bremen. Seine abstrakte Kunst wird oft vor dem Hintergrund dieser tragischen Lebensgeschichte und den Umbrüchen jener Zeit interpretiert. Die Bremer Kunsthalle geht jetzt einen anderen Weg. In einer Retrospektive stellt sie von Samstag an die Bilder in den Mittelpunkt - ganz im Sinne des Künstlers.

Man soll sehen, was ist und nicht was man daraus machen könnte, so hat es Wols einmal gesagt. Auf sein Pseudonym kam der in Berlin geborene Wolfgang Schulze per Zufall, setzte es dann aber konsequent unter seine Werke. "Dann malt Wols die Kunst, nicht Wolfgang Schulze", sagte Kurator Ewald Rathke am Donnerstag. "Er hat sich selber von sich distanziert." Rund 200 Ölgemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Fotografien trug der Experte für die Ausstellung "Wols: Die Retrospektive" zusammen, die Wols gesamtes Schaffen abdecken.

"Wols ist ein furchtbarer Künstler, weil er uns Mühe macht", sagte Rathke. Der Betrachter müsse viel Zeit investieren, um seinen Bildern näher zu kommen. Diesen Versuch unternimmt die Bremer Kunsthalle, indem sie die künstlerische Entwicklung chronologisch nachvollzieht. Diese reicht von Schwarz-Weiß-Fotografien über surrealistisch geprägte Zeichnungen bis zu abstrakter Malerei. Obwohl die Bilder im Laufe der Zeit gegenstandsloser werden, bleibt Wols' Herangehensweise gleich. Er hangelt sich von Detail zu Detail, verzichtet gänzlich auf Skizzen oder Vorzeichnungen.

Wols entwickelt einen Katalog von Motiven, die er immer wieder in abgewandelter Form einsetzt. "Jedes Werk ist eine Variante eines anderen", erläuterte Rathke. So taucht die Rückenansicht einer Frau mit langen schwarzen Haaren zum Beispiel sowohl in dem Aquarell "Die Menge" als auch in "Hafen" auf. In einem späteren unbetitelten Bild greift der Künstler die dunkle Haarmähne erneut auf, diesmal ohne figürlichen Bezug.

Wols gilt als ein Wegbereiter des Informel, der abstrakten Kunst der Nachkriegszeit. In diesem Jahr wäre er 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass will die Bremer Kunsthalle sein Werk stärker in den Blickpunkt rücken. Denn in Museen hängen nach Angaben von Rathke nur wenige Bilder von Wols. 90 bis 95 Prozent der Aquarelle seien in Privatbesitz, schätzt der Kenner. Dementsprechend befinden sich zahlreiche Bilder in der Bremer Schau, die noch nie gezeigt oder bisher kaum gezeigt wurden. Ein Teil davon stammt aus der Menil Collection im US-amerikanischen Houston, wo die Ausstellung ab September zu sehen sein wird.

 

 

dpa


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