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Der CDU-Abgeordnete Kai Seefried spricht im Landtag.

Der CDU-Abgeordnete Kai Seefried spricht im Landtag. © Holger Hollemann

Landtag

Bildungschaos oder Lehrermangel? Schlagabtausch im Landtag

Die kurzfristigen Abordnungen von Gymnasiallehrern an Grundschulen erregen in Niedersachsen die Gemüter. Die Opposition sieht darin einen weiteren Beweis für die Unfähigkeit der Kultusministerin. Diese verweist auf den bundesweiten Mangel an Grundschulpädagogen.

Hannover. Beim Dauer-Streitthema Bildungspolitik ist die Opposition im Landtag angesichts geänderter Mehrheitsverhältnisse in die Offensive gegangen. Eine Debatte zu den Abordnungen von Gymnasiallehrern an Grundschulen geriet am Mittwoch auch zu einer Abrechnung mit der Amtszeit von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD).

Die Lehrer-Abordnung zum Schuljahresbeginn hatte vielerorts für Unmut gesorgt. "Seit zwei Wochen können weder an Grundschulen, noch an Oberschulen, noch an Gymnasien vollständig fertige Stundenpläne gemacht werden. Unterricht findet aktuell in diesem Chaos nicht statt. Das ist eine Schande für dieses Land", sagte der FDP-Bildungsexperte Björn Försterling.

Kultusministerin Heiligenstadt wies den Vorwurf von chaotischen Zuständen zurück. Sie verwies darauf, dass die Aushilfe von Lehrern an anderen Schulen kein rein niedersächsisches Problem sei. In allen Bundesländern würden derzeit Bewerber für das Grundschullehramt fehlen. In Nordrhein-Westfalen sei man sogar dazu übergegangen, Gymnasiallehrer an Grundschule zu versetzen. "Es gibt in Niedersachsen 6000 bis 7000 Abordnungen pro Jahr", sagte die Ministerin. Derzeit seien 171 Lehrer von Gymnasien an Grundschulen abgeordnet, das betreffe 48 Schulen. "Da von Chaos zu sprechen, ist schlicht und einfach falsch." Bei künftigen Abordnungen solle jeder Einzelfall geprüft werden.

Heiligenstadt zeigte sich optimistisch, dass sich die Situation in den kommenden Jahren entspannen werde. Die Delle in der Lehrerausbildung werde sich glätten. Künftige Grundschullehrer hätten in Niedersachsen bereits jetzt eine De-facto-Einstellungsgarantie.

Der CDU-Abgeordnete Kai Seefried sagte, Heiligenstadt sei an ihrer Unfähigkeit gescheitert. "Statt auf die Situation in unseren Schulen zu reagieren, redet die Kultusministerin die Sache schön." Die Unterrichtsversorgung an den Schulen habe sich zum fünften Mal in Folge verschlechtert. "Das sind ministeriell organisierte Chaostage, die da an unseren Schulen stattfinden."

Der FDP-Abgeordnete Stefan Birkner warf Heiligenstadt vor, jeden Gestaltungsanspruch in der Bildungspolitik aufgegeben zu haben. "Sie haben keine Konzepte, wie sie diesem Chaos begegnen." So werde nun versucht, den Mangel an Grundschullehrern mit hektischen Aktionen wie den Abordnungen zu kompensieren.

Die Abgeordneten Heiner Scholing (Grüne) und Stefan Politze (SPD) entgegneten auf die Oppositionsvorwürfe, es sei die schwarz-gelbe Vorgängerregierung gewesen, die die Kapazitäten zur Lehrerausbildung an den Universitäten zurückgefahren haben. Deswegen fehlten nun Pädagogen an den Schulen. Ähnliches gelte auch für die Umsetzung der Inklusion. "Noch im September 2012 hat es der damalige Kultusminister Bernd Althusmann abgelehnt, einen Bedarfsplan für Lehrkräfte der Sonderpädagogik aufzustellen", sagte Scholing.

Die Elternräte in Niedersachsen haben dagegen protestiert, dass in diesem Schuljahr teils sehr kurzfristig Lehrer zeitweise an andere Schulen geschickt wurden. Der Verband der Elternräte der Gymnasien rief die Eltern zu gemeinsamen Protesten gegen Abordnungen und schlechte Unterrichtsversorgung auf. Nach Beobachtung des Philologenverbandes Niedersachsen werden viele abgeordnete Gymnasiallehrer zudem nicht für den Unterricht eingesetzt, sondern für nachrangige Aufgabe wie beispielsweise Aufsichten. Dies sei "eine unerträgliche Verschwendung von wertvollen Unterrichtsstunden, die den Gymnasien fehlen", rügte der Verbandsvorsitzende Horst Audritz.

dpa


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