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Niedersachsen Atommüll wird aus Asse herausgeholt – mit Animation
Nachrichten Niedersachsen Atommüll wird aus Asse herausgeholt – mit Animation
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16:24 15.01.2010
Um eine Langzeitsicherheit zu gewährleisten, muss der radioaktive Abfall aus der Asse geholt werden. Quelle: ap (Archiv)
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Ein Projekt dieser Dimension habe es noch nicht gegeben, berichtete das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) am Freitag in Hannover. Die Behörde hatte drei Wege zur endgültigen Stilllegung des Atommülllagers bei Wolfenbüttel (Niedersachsen) geprüft. Der Rücktransport der Abfälle sei „die beste Variante“, sagte BfS- Präsident Wolfram König. Die Entscheidung wurde von Bürgerinitiativen und Umweltschützern überwiegend positiv aufgenommen.

Zunächst werden Experten einige Kammern in dem maroden ehemaligen Salzbergwerk öffnen und den Zustand von rund 1000 bis 3000 der dort gelagerten Fässer überprüfen. Die Zeit für die Stilllegung der Asse drängt, da die Standsicherheit der Grube nach einem Gutachten nur noch bis zum Jahr 2020 gegeben ist. „Wir sind gefordert, sofort loszulegen“, sagte BfS-Chef König, der von einer großen wissenschaftlich-technischen Herausforderung sprach.

Ein Abtransport des gesamten Abfalls - größtenteils demolierte Fässer mit schwach und mittelradioaktiven Stoffen - wird nach Einschätzung der Behörde rund zehn Jahre dauern. Zudem besteht jederzeit die Gefahr, dass der Wassereinbruch in die Grube deutlich ansteigt und sich die Sicherheitslage verschlechtert. Täglich dringen rund 12 000 Liter Wasser von außen ein.

Das Bundesumweltministerium hält den Transport des Atommülls aus der Asse in den Schacht Konrad nach bisherigen Erkenntnissen für die beste Variante. Voraussetzung sei aber, dass dies die Fracht nach entsprechenden Kontrollen und die Stabilität des Endlagers zuließen, hieß es am Freitag im Ministerium auf dpa-Anfrage. „Die Planungen sollen so ausgerichtet werden, dass der Atommüll in Konrad gelagert werden kann“, sagte eine Sprecherin in Berlin.

Die teils stark zerdrückten Fässer sollen nach den Planungen mit Hilfe von ferngesteuerten Geräten herausgeholt werden. Die Strahlenbelastung für die Mitarbeiter bleibe weit niedriger als der Grenzwert für eine medizinische Computertomografie-Aufnahme, versicherte König. Wo die Abfälle entsorgt werden können, ist laut BfS noch unklar. Das ehemalige Eisenerzbergwerk Schacht Konrad in Salzgitter ist als Endlager für schwach und mittelradioaktiven Müll genehmigt. Möglicherweise reiche dort die Kapazität nicht aus, sagte König.

Die Bergung der Fässer ist aus Sicht der Experten die beste Lösung. Bei den beiden anderen Varianten - Umlagerung der Fässer in andere Teile der Grube oder Verfüllen der Schachtanlage mit den Abfällen - ist fraglich, ob die notwendige Sicherheit für die Bevölkerung auf lange Sicht nachgewiesen werden kann. Denn es ist nach wie vor nicht ganz klar, was in den Fässern steckt. Deshalb muss verhindert werden, dass Arsen, Blei und andere wassergefährdende Stoffe ins Grundwasser gelangen. „Keine der drei Varianten ist optimal, alle bergen Unsicherheiten“, sagte König.

Die zunächst anstehenden Untersuchungen in einigen Kammern der Schachtanlage könnten den Weg der Bergung noch verbauen. Wenn der Zustand der Abfälle deutlich schlechter sei als erwartet, will das BfS die „Präferenz der Rückholung neu bewerten“. „Wir werden immer wieder prüfen: Sind wir auf dem richtigen Weg?“, sagte König. Zu den Kosten für die Schließung der Asse machte er keine Angaben. Es sei einst von rund zwei Milliarden Euro die Rede gewesen, sagte er.

Die Vorbereitungen für die Räumung der Asse müssen nach Ansicht der SPD-Bundesvorsitzenden Sigmar Gabriel unverzüglich beginnen. Unter anderem müsse geprüft werden, wie die radioaktiven Abfälle für den Transport und die Lagerung im Schacht Konrad aufbereitet werden sollen, sagte Gabriel in Wolfenbüttel. Auch komme es darauf an, dass die Atomwirtschaft und nicht die Steuerzahler die mehrere Milliarden Euro teure Auslagerung bezahle. lni

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