Navigation:

Seit wann besteht der Kontakt? Elke Twesten soll bereits am 9. Juni länger mit CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann gesprochen haben. Sie wechselte von den Grünen zu der CDU und löste so eine Regierungskrise und Neuwahlen aus.© dpa

Landtag

Althusmann und Twesten - wann sprachen sie zum ersten Mal?

Sie haben sich am 28. Juli das erste Mal über ihre Wechselabsichten unterhalten – so sagte es Bernd Althusmann, als er über den Wechsel von Elke Twesten von den Grünen zur CDU sprach. Allerdings, und das verschwieg der CDU-Kandidat bisher, haben die beiden schon am 9. Juni während einer Feier  länger miteinander geplaudert.

Hannover. Hannover„Oha. Wenn da nicht mal was im Busche ist ...“ Klaus-Peter Bachmann, Landtagsabgeordneter der SPD, reichten zwei Blicke in einen Flur für ein äußerst ungutes Gefühl. „Ich habe gesehen, wie Bernd Althusmann und Elke Twesten an einem Stehtisch standen und die Köpfe zusammensteckten“, sagte der Parlamentarier der NP. „Es wirkte wie ein konspirativ einzustufendes Gespräch.“ Bachmann war nicht der Einzige, dem die Begegnung auffiel. Man könnte das abhaken – spräche nicht der Zeitpunkt dagegen. Der Spitzenkandidat der CDU für die Landtagswahl und die gerade von ihrem eigenen Kreisverband bei der Listenaufstellung abgewatschte Grüne trafen sich am 9. Juni. „Sie haben mindestens zehn Minuten miteinander gesprochen“, sagt Bachmann.

Es war in einer abseits gelegenen Ecke des Hannover Congress Centrums. Der Landesverband der Jüdischen Gemeinden Niedersachsen hatte zum 70. Geburtstag seines Vorsitzenden Michael Fürst in den Bonatz-Saal eingeladen. Auf der ellenlangen Gästeliste  wichtiger Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kirchen und Verbänden standen auch die Namen Elke Twesten und Bernd Althusmann.

„Ich kenne sie aus der eigenen politischen Zeit im Landtag – aber zugegeben eher oberflächlich“, hatte Althusmann in der ersten Pressekonferenz nach dem Übertritt Twestens zur CDU erklärt. Am Freitag (28. Juli), so gab er auf Nachfrage an, habe er auf den Wunsch der Abgeordneten „ein erstes Kennenlerngespräch“ geführt. Kein Wort dazu, dass beide schon sechs Wochen zuvor miteinander intensiv geredet hatten. Althusmanns Sprecher Gert Hahne spielt nach Rücksprache mit dem Spitzenkandidaten die Bedeutung der Szene herunter.  „Tatsächlich hat sich Herr Althusmann mit Frau Twesten unterhalten“, schilderte er die Begegnung vom 9. Juni. „Sie hatten einen Smalltalk im öffentlichen Raum.“ Keinesfalls sei das Gespräch im Abseits geführt worden.

Eine Begegnung, zwei Behauptungen – und jede Menge Spielraum für Interpretationen und Vermutungen. Die Aussage von Elke Twesten, ihr Übertritt zur CDU sei ein lange gereifter Prozess gewesen, zweifeln ehemalige Parteifreunde schon seit Tagen an.

Den Ausschlag gegeben hatte die Listenaufstellung in Twestens Wahlkreis Rotenburg. Am 30. Mai, also elf Tage vor der Begegnung mit Althusmann, war sie mit 10 gegen 17 Stimmen der Unternehmerin Birgit Brennecke unterlegen. Laut Presseberichten hatte die Basis Twesten vorgeworfen, zu offen für eine Koalition mit der CDU zu sein. Es gehe darum, Schnittstellen auszuloten, die es mit der CDU gebe, argumentierte die 54-Jährige. Regierten die Grünen nicht mit, gebe es überhaupt keine grüne Politik. Sie setze sich im Übrigen sehr dafür ein, die in ihren Augen erfolgreiche Koalition mit der SPD in Hannover fortzusetzen, soll sie vor der Listenaufstellung gesagt haben.

„Sie hat damals alle Register gezogen“, schildert Brennecke den Eindruck des Abends, der letztlich zur Regierungskrise führte. Nicht mal Grünen-Landwirtschaftsminister  Christian Meyer, der eigens angereist war, um für Twesten zu werben, habe die Basis umstimmen können. Zu sehr waren den Grünen die Alleingänge ihrer Abgeordneten in schlechter Erinnerung. Beispielsweise, dass sie als Landrätin in Rotenburg kandidieren wollte, obwohl ihre Partei einen unabhängigen Kandidaten unterstützte.   Als Vorsitzende eines Arbeitskreises hatte man sie, so Brennecke, abgewählt: „Da bewegte sich zu wenig. Man hätte mehr von ihr erwartet.“

Heute bewegt Elke Twesten viel – vor allem durch Neuwahlen in Niedersachsen. „Das ist schon bitter“,  findet die Grüne Regina Asendorf, die als Nachrückerin im Landtag drei Jahre neben Twesten saß. So richtig geknickt habe diese nicht gewirkt nach ihrer Niederlage bei der Listenaufstellung, erinnert sie sich. Vielleicht hat Elke Twesten nicht nur als frühere Zollbeamtin ein Rückkehrrecht in den Job – sondern ganz eigene Perspektiven, mit oder ohne Unterstützung aus der CDU.

Vera König


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Kümmern Sie sich schon um Ihre Weihnachtseinkäufe?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie