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Die alte Predigthalle auf dem Jüdischen Friedhof in Hannover.

Die alte Predigthalle auf dem Jüdischen Friedhof in Hannover. © Silas Stein

Denkmäler

Alter Friedhof in Hannover: Ein "Spiegel jüdischen Lebens"

"Der Friedhof ist kein Museum, sondern Spiegel jüdischen Lebens über die Jahrzehnte", sagt Historiker Peter Schulze. Seit zwei Jahrzehnten zeigt er Besuchern diesen Ort - auch zum Tag des offenen Denkmals an diesem Sonntag.

Hannover. Einmal im Jahr öffnen besondere Orte im ganzen Land ihre Türen für Besucher - beim "Tag des offenen Denkmals" sind am Sonntag (10. September) in Niedersachsen rund 600 zu besichtigen. In Bremen öffnen mehr als 60 Gedenkstätten und Denkmäler.

Kostenlose Führungen und Einblicke in sonst Verschlossenes gibt es an vielen Orten, zu sehen sind Burgen, Kontorhäuser und Speicher, Kapellen, Synagogen, aber auch Mühlen, Seefahrtsdenkmäler und historische Dampfer. Auch NS-Gedenkstätten wie Augustaschacht in Hasbergen bei Osnabrück, Drütte bei Salzgitter oder Bergen-Belsen haben geöffnet.

In Hannover gehört der alte jüdische Friedhof in der Nordstadt mit seiner Trauerhalle zu den Orten, die besucht werden können. "Der Friedhof ist kein Museum, sondern Spiegel jüdischen Lebens über die Jahrzehnte", sagt Historiker Peter Schulze, der seit Jahren über jüdische Geschichte in Hannover forscht.

In der alten Predigthalle gedachten Juden früher ihren gestorbenen Angehörigen, hier fanden auch die Bestattungen-Zeremonien statt. An der Wand stehen noch heute die Namen der Gefallenen der jüdischen Gemeinde im Ersten Weltkrieg.

Auch der Nationalsozialismus hat an diesem Ort seine Spuren hinterlassen: "Opfer der Nazis" steht in blutroten, schnörkellosen Buchstaben auf einem der Grabsteine. In der Trauerhalle sei ab September 1941 ein Massenquartier eingerichtet gewesen. "Wie wir heute wissen, waren das vorbereitende Maßnahmen für die Deportationen", sagt Historiker Schulze. 80 bis 90 Menschen waren in der nicht allzu großen Halle untergebracht.

Um das Jahr 1930, kurz bevor die Nationalsozialisten an die Macht kamen, hatte die jüdische Gemeinde in Hannover etwa 5000 Mitglieder. Viele starben während des Holocausts. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nutzte die kleine jüdische Gemeinde der Überlebenden den Friedhof zunächst weiter. 1996 wurde der letzte Tote auf dem Friedhof in der Nordstadt begraben.

Die Verstorbenen der mittlerweile wieder gut 5000 Mitglieder zählenden jüdischen Gemeinden in Hannover bestatten ihre Verstorbenen inzwischen auf anderen Friedhöfen, etwa im Stadtteil Bothfeld. "Die Verbindungen von Menschen mit ihren Verwandten sind aber nach wie vor lebendig", erklärt Schulze. Immer noch kämen Menschen von weit her, um das Grab ihrer Großeltern zu besuchen - für kommendes Frühjahr hat sich Besuch aus den USA angemeldet.

"Der Tag des offenen Denkmals ist eine gute Gelegenheit, über jüdische Geschichte ins Gespräch zu kommen", erklärt Peter Schulze. Der Ort sei sehr vielfältig: Ein Ort der Trauer, der Verfolgung, der Erinnerung und auch des Neubeginns.

dpa


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