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Niedersachsen 268 unaufgeklärte Altfälle in Niedersachsen
Nachrichten Niedersachsen 268 unaufgeklärte Altfälle in Niedersachsen
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18:50 27.09.2018
„Göhrde-Morde“: Die Polizei 1989 bei der Spurensuche in dem Landstrich bei Lüneburg. Erst 28 Jahre später wurden die Verbrechen an zwei Ehepaaren aufgeklärt. Quelle: dpa
Hannover

In Niedersachsen gibt es zurzeit 268 ungeklärte Kapitalverbrechen. Diese Zahl ist das erste Ergebnis einer Erfassung sogenannter Cold Cases des Landeskriminalamts (LKA) in Zusammenarbeit mit den örtlichen Polizeidienststellen. Seit Anfang des Jahres wird im LKA ein Konzept erarbeitet (NP berichtete), bei dem die Altfälle gezählt, die Akten inhaltlich aufgearbeitet und sukzessive in eine Datenbank übertragen werden. Diese soll Kripo-Beamten landesweit zur Verfügung stehen. Eine Ermittlungseinheit nach Hamburger Vorbild, die sich nur mit der Aufklärung von nicht geklärten Tötungsdelikten befasst, soll es in Niedersachsen aber nicht geben, machte Kriminaldirektor Uwe Lietzau aus dem Innenministerium am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags deutlich.

Im Rahmen der Zählung von Cold Cases wurden auch Vermisstenfälle unter die Lupe genommen. Die Beamten fanden 26 Vorgänge, bei denen es konkrete Anhaltspunkte gibt, dass die Verschwundenen Kapitaldelikten zum Opfer gefallen sind.

Unterschiedliche Zählung

Im März war das Ministerium noch von 311 Cold Cases ausgegangen. Diese Zahl stammte aus dem Jahr 2015. Die Erhebung war damals von der Justiz gemacht worden. Die Diskrepanz zur aktuellen LKA-Registrierung ergebe sich aus einer unterschiedlichen Zählweise, so Ministeriumssprecher Hans Gehrmann.

Jan-Christoph Oetjen (FDP) will nicht hinnehmen, dass Niedersachsen keine zentrale Ermittlungseinheit für ungelöste Kapitaldelikte einrichten will. „Wir brauchen Spezialisten, die die Zeit haben, sich nur um Cold Cases zu kümmern“, so der Innenexperte. Seine Fraktion unterstützt auch den Vorschlag des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) in Niedersachsen, wonach die Flächenpolizeidirektionen Einheiten mit jeweils bis zu fünf Beamten haben sollen, die ausschließlich Altfälle aufarbeiten. Lietzau gibt zu bedenken, dass Niedersachsen nicht Hamburg ist: „Hamburg hat völlig andere Voraussetzungen als das Flächenland Niedersachsen.“ Ihm sei kein anderes Flächenland bekannt, dass bislang eine Einheit für Cold Cases aufgestellt habe.

„Görde-Morde“ erst 2017 gelöst

Die wohl bekanntesten Altfälle in Niedersachsen waren 1989 die „Görde-Morde“. Erst 2017 wurden die Verbrechen an zwei Ehepaaren aufgeklärt – wieder in Gang gebracht hatte die Ermittlungen der frühere Hamburger LKA-Chef Wolfgang Sielaf. Als Pensionär hatte er unter der Garage des damals verdächtigen Friedhofgärtners Kurt-Werner W. aus Lüneburg Knochenreste seiner einst verschwundenen Schwester Birgit M. gefunden. W. hatte 1993 Selbstmord begangen. Allerdings könnte er einen Komplizen gehabt haben, der noch lebt und für weitere Verbrechen in Betracht kommt.

Von Britta Mahrholz

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