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Martina Wenker

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Gesundheit

233 Mal Ärztepfusch bestätigt – Zahl gesunken

Schlichtungsstelle legt Zahlen vor. Die Zahl der Fälle ist rückläufig. 2016 waren es 1353 Anträge.

Hannover. Die Bevölkerung wird immer älter. Die Medizin steht unter zunehmendem Kostendruck. Trotzdem ist die Zahl der Schlichtungsfälle vor der Ärztekammer Niedersachsen signifikant gesunken: von 1560 (2012) auf 1353 (2016). Ein Rückgang von mehr als 13 Prozent.

Kerstin Kols, Geschäftsführerin der Norddeutschen Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen, erklärte das am Mittwoch so: „Wir hatten 2012 eine breite öffentliche Diskussion über Patientenrechte.“

Von den Fällen im vergangenen Jahr wurden 60 Prozent entschieden. Das liege daran, dass beide Seiten einer Schlichtung zustimmen müssten. Und bei offensichtlichen Fehlern mache eine Schlichtung ohnehin keinen Sinn, so Kols. In 233 Fällen erkannte die Schlichtungsstelle auf einen Ärztefehler. Das sind 17 Prozent der gesamten Anträge; und 28,7 Prozent der entschiedenen Fälle. Diese Quoten entsprechen dem Niveau der Vorjahre.

„Viele Ärzte arbeiten am Limit. Trotzdem ist jeder Fehler ein Fehler zu viel“, sagte Kammerpräsidentin Martina Wenker. Die Fälle der Schlichtungsstelle werden bei Fortbildungen für Ärzte eingesetzt. „Wir wollen aus diesen Fehlern lernen“, erklärte Wenker.

Die Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen existiert seit 1976. Seitdem haben sich 101 000 Patienten im Konfliktfall ein Schlichtungsverfahren angestrebt. Das Verfahren ist kostenlos und unabhängig. Die durchschnittliche Bearbeitungsdauer liege bei 16 Monaten, sagt Kerstin Kols. Im Vergleich zu den Schmerzensgeldprozessen vor den Landgerichten ist das eine relativ kurze Verfahrensdauer. Die Gerichtsurteile stimmen zu 96 Prozent mit den Entscheidungen der Schlichtungsstelle überein.

Die meisten Fälle (76,7 Prozent) kommen aus dem klinischen Bereich. Am meisten gehen Eingriffe bei Arthrose- und Unfallpatienten (Frakturen) schief. Winfried Berner, Arzt und Gutachter der Schlichtungsstelle: „Wegen der Röntgenaufnahmen ist die Nachprüfbarkeit der Behandlung am ehesten gegeben.“ Auch seien die Behandlungsergebnisse bei Gelenkserkrankungen am einfachsten nachvollziehbar. Arzt Berner: Auch die hohen Erwartungen an die Chirurgen spielten eine Rolle.

Von Thomas Nagel


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