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Fernsehen

Wirbel um RTL-Serie: Millionärin mit falscher Villa

Jeden Tag lud sie die RTL-Zuschauer in ihre üppige Villa am Starnberger See: Die wohlhabende Elke Lex aus München - laut Sender „attraktiv, erfolgreich und stinkend reich“ - präsentierte dem Publikum bei ihrer TV-Suche nach einem neuen Partner unter dem Motto „Millionärin sucht Mann“ ihre luxuriösen 1000 Quadratmeter Wohnfläche.

Doch Frau Lex, unter anderem Naturkosmetik- und Naturmedizin-Unternehmerin, wohnt gar nicht in dem im Fernsehen zur Schau gestellten Anwesen, wie der Mediendienst „dwdl.de“ jetzt herausfand, sondern bewohnt lediglich eine Wohnung in München, die in der TV-Reihe aber nicht ins Bild gerückt werden sollte.

Das Haus ist für bestimmte Anlässe zu mieten. Auch ProSieben bediente sich nach „dwdl.de“-Informationen für die Reihe „Giulia in Love“ der pompösen Immobilie, die nach groben Schätzungen auf rund 20 Millionen Euro taxiert wird. Ein RTL-Sprecher sagte auf Anfrage am Donnerstag, bei der Miniserie, die vergangene Woche fünfmal jeweils über zehn Minuten im Magazin „Punkt 12“ zu sehen war, handele es nicht um einen Betrug am Zuschauer, sondern „um einen handwerklichen Fehler, den wir bedauern“. Der ist nach Darstellung des Senders jedoch von der beauftragten Produktionsfirma verursacht worden. „Die Produktionsfirma hat eingeräumt, uns nicht über alle Details informiert zu haben - sie hat sich dafür entschuldigt“, sagte der Sprecher. Den Namen der Firma nannte er nicht.

Aber warum denn überhaupt solch eine Inszenierung? Um die Marktanteile der Sendung nach oben zu treiben? „Die Quoten von „Punkt 12“ liegen weit über dem Senderschnitt“, meinte der Sprecher. „Daher herrscht kein Druck außer dem, den wir uns selbst machen.“ Aber dennoch: „Punkt 12“ ist nicht mehr wie einst der Garant von rund 30 Prozent Marktanteil in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49- jährigen Zuschauer, sondern hat sich nach seiner Verlängerung von einer auf zwei Stunden bei Werten um die 23 bis 24 Prozent eingependelt.

Unter Experten wird die RTL-Erfindung als problematisch, wenngleich auch nicht als betrügerisch gewertet. „Wir müssen das als Teil einer Inszenierung betrachten“, sagt die Hamburger Medienwissenschaftlerin Joan Kristin Bleicher vom Hans-Bredow- Institut. Die Rechnung sei ganz einfach: „Eine gute Inszenierung ist wichtig, um quotenträchtige, schöne Storys auf den Sender zu bringen.“ Gerade Dokusoaps seien betroffen, auch schon Reihen wie „The Bachelor“, als sich herausstellte, dass der Hauptprotagonist längst vergeben gewesen sei.

Um Orientierung im Alltag zu bekommen, sei es nicht wichtig, ob eine Geschichte für den Zuschauer inszeniert sei oder nicht, sagt Nicole Labitzke, Leiterin des Elektronischen Medienzentrums Mainz. Auch die hoch geschätzten Dokumentationen der 60er Jahre seien schon zum Teil Inszenierungen gewesen. Das Fernsehen von heute allerdings verdichtet den Effekt: Durch die Vielzahl von Geschichten, die das Medium transportiert, kann kaum noch unterschieden werden: Wo hört die Wahrheit auf, wo fangen Lüge oder Betrug an.

Die Privatsender bedienen sich seit einiger Zeit der „gescripteten“ Sendungen, in der echt wirkende Psychoshows und Dokusoaps vorher getextet und mit Laiendarstellern besetzt werden. Gefährlich wird es dort, wenn das Publikum glaubt, die Wahrheit vorgesetzt zu bekommen: Zuletzt machte die heiß geliebte Show „Bauer sucht Frau“ Ende Dezember von sich reden, als herauskam, dass der 48- jährige Maurizio, der mit der 43-jährigen Claudia anbandelte, gar kein Bauer war, sondern ein Forstfachmann. Ihm gehörte der im TV präsentierte Hof gar nicht. Den habe er sich nur geliehen, er wohne in einer Drei-Zimmer-Wohnung, gestand Maurizio der „Bild“-Zeitung. dpa


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