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Nachrichten Medien Wie viel Gucci braucht ein Baby?
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01:46 12.09.2011
Glaubt man Zeitschriftentiteln wie „Galakids“ oder „Mama´s life“, sind die Mütter von heute wohlhabend, modebewusst und höchstens von der Sorge geplagt, den passenden Golfklub für den Sohn zu finden.
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Was würde „Tigermutter“ Amy Chua wohl dazu sagen? Zu Zeitschriften, die ihre Leser dazu aufrufen, Kinder hemmungslos zu verwöhnen, in teure Designerklamotten zu stecken und ihnen zwischendurch einen Wellnesstrip zu gönnen? Chua wäre vermutlich entsetzt, würde sie ein Exemplar von „Galakids“, „Mama’s Life“ oder „mum“ in den Händen halten, den neuen Müttermagazinen der deutschen Zeitschriftenlandschaft.

„Kein Lob ohne Leistung“ lautet das Erziehungsprinzip, das die US-Professorin in ihrem Buch „Die Mutter des Erfolgs“ propagiert. Und jetzt das: Anstatt dem Nachwuchs anzudrohen, seinen Teddy zu verbrennen, wenn er das Bach-Präludium auf dem Piano nicht fehlerfrei spielt, streichen die lässigen Zeitschriften-Mütter das Wort „Erziehung“ gleich ganz aus ihrem Vokabular. Wohlstand statt Drill lautet hier die Devise. Die Vorreiterrolle der Anti-Chua-Lektüre übernimmt „Galakids“. Der neue Titel aus dem Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr liegt seit 7. April zum Preis von 3,80 Euro am Kiosk. Mit einer Startauflage von 100.000 Stück.

Er steht für einen Zeitschriftentrend, der sich ankündigte, als der kleine niedersächsische Verlag Vikant Publishing im vergangenen Jahr das Monatsheft „Mama’s Life“ (160.000 Exemplare) auf den Markt brachte: der Trend zum „Mummy“-Magazin. Ein neuer Typ Frauenzeitschrift, irgendwo zwischen „Cosmopolitan“ und „Nido“ und weit entfernt von „Eltern“. Ein Heft für attraktive, erfolgreiche, weltgewandte und gut betuchte Mütter, die ihren Lebensstil nicht ändern wollen, nur weil plötzlich Windeln auf der Einkaufsliste stehen. Nach Vikant Publishing hat sich auch die WAZ-Gruppe an einem Mummy-Magazin versucht: „mama“ heißt der Titel, den die Essener im Oktober testeten. Ob es das Heft weitergibt, ist noch unklar, dafür spricht aber, dass der Konzern bereits juristisch um Namen und Logo kämpft.

Im Januar dann sprang der Kölner Verlag Luna Media, aus dessen Haus schon das Familienmagazin „luna“ stammt, auf den Zug auf: Vierteljährlich erscheint jetzt sein Heft „mum“ mit 80.000 Stück. Und zuletzt nun auch Gruner+Jahr. „,Galakids‘ ist ein hochwertiges Lifestyle-Guide für eine neue Müttergeneration mit Kindern unter 12 Jahren“, so der Verlag. Zielgruppe sind demnach nicht, wie der Name vermuten lässt, die stylischen Kinder, sondern die sogenannten Yummie-Mummys: berufstätig, urban, sportlich, lässig und – ganz klar – schick. So perfekt, wie viele Mütter sich gerne sehen würden, obwohl sie meist schon an der Vereinbarkeit von Familie und Beruf scheitern. Eine Yummy-Mummy hat dieses Problem scheinbar nicht, sie hat andere Sorgen: Wie viel Gucci ist gut für mein Baby? Welcher Golfklub passt zu meinem Zehnjährigen? Wo kriege ich eine XXL-Hüpfburg für den Kindergeburtstag her?

Vorbilder für das „stylische Leben mit Kids“ sind Promis: Getreu dem Mutterblatt „Gala“ hat auch „Galakids“ auf seinen 164 Seiten viel Platz für Hochglanzbilder, auf denen Jessica Alba, Katie Holmes und Jennifer Lopez zeigen, dass zu einer glücklichen Mutter immer auch ein gut angezogenes „Mini-Me“ gehört. Inhaltlich bedient „Galakids“ klassische Frauenzeitschriftenthemen wie Mode, Wellness, Ernährung, Reise und Lifestyle. Und die 20 Extraseiten „Playtime“ mit Rätseln, Bastelspaß und Kindergeschichten sind den jungen Stilikonen persönlich gewidmet. Von Tipps und Ratschlägen zur Kindererziehung lässt die „Galakids“-Redaktion nach eigenen Angaben bewusst die Finger. Ähnlich, aber auf leisere Art, macht es das Magazin „Lob“, das ebenfalls Anfang April erstmals erschien und dem Leben berufstätiger Mütter gewidmet ist. Zwischen den beiden Magazinen liegen allerdings Welten, „Lob“ ist die politisch korrekte Ökoalternative zu „Galakids“. Doch auch zu Letzterem hätte Amy Chua wohl gesagt: „Lob? Das kannst du besser!“

Von Sophie Hilgenstock

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