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INTERESSIERTES PUBLIKUM: Rund 100 Leute hörten den Vorträgen zum Thema Internetsicherheit auf den „Global Conferences“ bei der Cebit zu. Darunter auch einige Gäste vom Partnerland Japan. Den Mundschutz haben sie wohl von dort mitgebracht.

INTERESSIERTES PUBLIKUM: Rund 100 Leute hörten den Vorträgen zum Thema Internetsicherheit auf den „Global Conferences“ bei der Cebit zu. Darunter auch einige Gäste vom Partnerland Japan. Den Mundschutz haben sie wohl von dort mitgebracht.
 © Fotos: Behrens

Cebit

Viren und Trojaner: Das droht in der Zukunft

Wenn alles mit allem vernetzt ist – welche Gefahren drohen dann durch Hacker? Ein Besuch bei der Cebit liefert beunruhigende Erkenntnisse.

hannover.  Die Welt mag vor die Hunde gehen, aber immerhin gibt es dabei den Kaffee umsonst. Ein bisschen Koffein schadet sicher auch nicht, wenn man sich dreieinhalb Stunden lang Vorträge über Cyberkriege und Hackerattacken anhören will. Das virtuelle Schlachtfeld, das sich am Mittwoch in Halle 8 bei den „Global Conferences“ auf der Cebit ausbreitete, lässt einen dann durchaus verzagen – hinterher wäre ein Schnaps wohl doch hilfreicher gewesen als Kaffee.

Pierre G. Noel, Security-Chef bei der chinesischen Telekommunikationsfirma Huawei, macht einen entspannten Eindruck, sein Vortrag verschafft ihm weder Aufregung noch Mühe. Doch es gibt etwas, das ihn nachts nicht schlafen lässt, verrät er: Das Internet der Dinge, oder auf englisch: „Internet of Things“. Die Abkürzung IoT wird wohl bald so geläufig sein wie GPS oder LTE, denn in Zukunft wird wohl fast alles, was mit Strom funktioniert, auch vernetzt sein – von der Ampel bis zur Kaffeemaschine. „Sie werden häufig gar nicht merken, dass ihre Geräte online sind“, sagt Noel. Aber die Hacker merken das – und das macht sie gefährlicher denn je.

Wenn Hacker plötzlich die Musik aufdrehen

Man stelle sich also folgendes vor: Mitten in der Nacht dröhnt plötzlich Musik aus den Lautsprechern, das Licht im Schlafzimmer geht im Sekundentakt an, dann wieder aus. Cyberverbrecher müssen sich dafür nur in das heimische Netzwerk hacken. Per Smartphone kommt die Lösegeldforderung, damit der Terror aufhört: 20 Dollar. 20 Dollar? „Gerade noch im Rahmen, damit man sofort bezahlt, um dieses lästige Problem loszuwerden“, sagt Noel. Die Masse macht´s, und es kostet die Hacker wenig Mühe, diesen Angriff zigtausend Mal anzuwenden.

Wer lieber in größeren Maßstäben denkt: Natürlich werden auch die Autos der Zukunft vernetzt sein, das autonome Fahren ist ja heute schon ein brandheißes Thema. Terroristen könnten eine ganze Armada dieser Autos kapern, sie fernsteuern – ob mit oder ohne Insassen drin. Die Lösegeldforderung gegen die Regierung dürfte deutlich höher liegen als bei 20 Dollar. „Das ist nicht das Ende der Welt“, beruhigt Noel das verblüffte Publikum. „Aber wir sollten die Augen offen halten.“ Der verschollene Großcousin aus Nigeria, der in schlechtem Deutsch um einen finanziellen Anschub für einen Millionendeal bittet, war jedenfalls gestern.

Wie einfach heute schon etwa ein Tesla mit dem Smartphone gestohlen werden kann, schildert der Norweger Tom Hansen. Seine Firma Promon verbessert die Sicherheit von Handy-Apps. „90 Prozent der Android-Geräte haben mindestens eine Schwachstelle, weil die Benutzer ihr System nicht updaten“, sagt er. Android ist das gängige Smartphone-Betriebssystem von Google, Weltmarktführer – und damit hochattraktiv für Hacker. Beispiel: Das Opfer parkt vor einem Burger-Restaurant und bekommt ein infiziertes "Lunch-Angebot" auf sein Smartphone. Der Täter sitzt auf der anderen Straßenseite, infiziert auf diesem Weg das Handy, klaut die Passwörter für die Tesla-App – und steigt ein, sobald der Besitzer ins Restaurant gegangen ist. „Die deutschen App-Entwickler machen einen ganz guten Job“, sagt Hansen. „Wir würden erwarten, dass Tesla genauso gut arbeitet.“

Mikko Hypponen ist Chefentwickler beim finnischen Anti-Virus-Anbieter „f-secure“ und hat einen speziellen Humor: „Das ist brillant, fantastisch“, freut er sich, als er den wohl perfidesten Trick vorstellt: Der Trojaner namens „Popcorn“ verschlüsselt den kompletten Inhalt eines Computers. Die Opfer haben dann die Wahl: Entweder sie zahlen die geforderten 1200 Euro Lösegeld. Oder sie erhalten die Daten umsonst zurück. Einzige Bedingung: Man muss den Trojaner erfolgreich zwei Freunden andrehen.

Von Fabian Mast


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