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100 Millionen Brasilianer mussten länger als einen Tag auf den Messenger WhatsApp verzichten.

100 Millionen Brasilianer mussten länger als einen Tag auf den Messenger WhatsApp verzichten. © Ritchie B. Tongo

Telekommunikation

WhatsApp-Blockade in Brasilien wieder aufgehoben

Brasiliens Justiz ist nicht zimperlich, wenn sie die Herausgabe von Chats zwischen Kriminellen erzwingen will. 100 Millionen Brasilianer mussten deshalb länger als einen Tag auf WhatsApp verzichten. Mit Verschlüsselung gibt es aber nicht viel herauszurücken.

Rio de Janeiro. Auch die zweite landesweite Sperre des Kurzmitteilungsdienstes WhatsApp in Brasilien ist per Gerichtsbeschluss nach rund einem Tag aufgehoben worden.

Der von mehr als 100 Millionen Brasilianern genutzt Dienst sollte ursprünglich auf Anordnung eines Richters drei Tage lang nicht verfügbar sein. WhatsApp und der Mutterkonzern Facebook zeigten sich erleichtert - aber auch unnachgiebig.

Mit der rigiden Maßnahme sollte WhatsApp dazu gedrängt werden, Chat-Protokolle in Kriminalfällen an Ermittler auszuhändigen. Schon im Dezember gab es eine ähnlich lange Blockade.

Dieses Mal war sie von dem Richter Marcel Montalvão angeordnet worden, der auch die kurzzeitige Festnahme des Vizepräsidenten von Facebook für Lateinamerika, Diego Dzodan, Anfang März verfügt hatte. Dzodan wurde vorgeworfen, er habe sich einer Anordnung widersetzt, Chat-Protokolle mutmaßlicher Drogenhändler weiterzugeben.

Seit Montagnachmittag funktionierte der Dienst in Brasilien nicht mehr. WhatsApp hat in Brasilien die SMS-Nachrichten weitgehend abgelöst, mit einer Internetverbindung können über den Dienst kostenlos Nachrichten, Fotos und Videos verschickt werden.

WhatsApp hatte mit Unverständnis auf die Maßnahme reagiert - im Rahmen der Möglichkeiten habe man immer mit der brasilianischen Justiz kooperiert. "Diese Entscheidung bestraft mehr als 100 Millionen Brasilianer, die unseren Service zur Kommunikation brauchen", kritisierte der Dienst.

Mitgründer und Chef Jan Koum bedankte sich nach dem Ende der Blockade bei den Nutzern für die Unterstützung. WhatsApp habe nicht vor, die Sicherheit der Nutzer zu beeinträchtigen. Der Dienst stellte jüngst komplett auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung um, bei der auch WhatsApp keinen Zugriff auf die Inhalte der Unterhaltungen hat.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg kritisierte die Sperre scharf: "Der Gedanke, dass jedem in Brasilien die Freiheit verweigert werden kann, zu kommunizieren, wie er will, ist sehr beängstigend in einer Demokratie." Facebook hatte WhatsApp im Jahr 2014 für rund 22 Milliarden Dollar gekauft.

Der Konkurrenzdienst Telegram verzeichnete in Brasilien während der Sperre binnen kurzer Zeit eine Million neue Nutzer. Brasiliens Justiz macht immer wieder Druck, um an Gesprächsprotokolle über womöglich kriminelle Handlungen heranzukommen.

Der Fall ist die nächste Episode in einem weltweiten Tauziehen zwischen Internet-Firmen und Behörden um die Verschlüsselung von Daten und Privatsphäre. Nach den Enthüllungen von Edward Snowden über die ausufernde Überwachung durch Geheimdienste wie die NSA gingen unter anderem Apple, Google oder WhatsApp in vielen Fällen zu starker Ende-zu-Ende-Verschlüsselung über.

Sie argumentieren, sie könnten keine Inhalte herausrücken, weil sie selbst keinen Zugang dazu hätten. Behörden fordern, sie müssten wie in der realen Welt mit Gerichtsbeschlüssen auf Informationen zugreifen können. In den USA eskalierte der Streit zuletzt mit Gerichtsverfahren zwischen Apple und der US-Regierung um das Entsperren von iPhones.

dpa


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