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Viele Menschen äußerten sich in sozialen Netzwerken wie Twitter. Doch im vergangenen Quartal verlor das Netzwerk sogar Nutzer.

Viele Menschen äußerten sich in sozialen Netzwerken wie Twitter. Doch im vergangenen Quartal verlor das Netzwerk sogar Nutzer. © Ole Spata/Symbol

Internet

Twitter verliert aktive Nutzer

Twitter steigert weiter schnell seinen Umsatz - aber das Wachstum der Nutzer-Zahlen stagniert. Mitgründer und Chef Jack Dorsey verspricht einen weiteren Umbau des Kurznachrichten-Dienstes, um ihn für Neulinge attraktiver zu machen.

San Francisco. Auch Twitter-Gründer Jack Dorsey gelingt bisher keine Wende: Der Kurznachrichten-Dienst hat im jüngsten Quartal erstmals aktive Nutzer verloren.

Damit erreichten die Probleme von Twitter kurz vor dem zehnten Geburtstag einen Höhepunkt. Zum Ende des Vierteljahrs sei die Situation aber besser geworden, versicherte Dorsey, der im Sommer an die Firmenspitze zurückgekehrt war. Trotz eines Umsatzsprungs schrieb Twitter abermals tiefrote Zahlen.

Das Unternehmen meldete für das vierte Quartal 305 Millionen aktive Nutzer, wenn man die Abonnenten eines SMS-Dienstes herausrechnet. Das war ein Rückgang von zwei Millionen binnen drei Monaten. Analysten hatten dagegen einen Zuwachs von zwei Millionen erwartet.

Zusammen mit dem SMS-Dienst stagnierte die Nutzerzahl bei 320 Millionen, während an der Börse mit einem Anstieg auf etwa 323 Millionen gerechnet worden war. Dorsey argumentierte, eigentlich müsse man über 500 Millionen weitere Nutzer dazuzählen, die Tweets - und auch Werbung - zu sehen bekämen, ohne bei Twitter angemeldet zu sein.

Das einst rasante Wachstum der Nutzerzahlen bei Twitter hatte sich bereits im vergangenen Jahr drastisch verlangsamt und alle Versuche, es wieder in Schwung zu bringen, blieben bisher erfolglos. Unter Dorsey Regie war im Oktober zunächst in den USA das Angebot "Moments" gestartet worden, das interessante Tweets zu Top-Ereignissen an einem Ort zusammenführen soll. Doch auch diese Idee konnte nicht genug neue Nutzer anlocken. Das bremst auch das künftige Geschäft, denn Twitter setzt zum Geldverdienen auf Werbung wie von Firmen bezahlte Tweets.

Im vergangenen Quartal gab es einen Verlust von 90,2 Millionen Dollar nach einem Minus von 125,3 Millionen ein Jahr zuvor. Im gesamten Jahr verlor Twitter wieder mehr als eine halbe Milliarde Dollar. Der Quartalsumsatz wuchs um 48 Prozent auf 710 Millionen Dollar, wie Twitter nach US-Börsenschluss am Mittwoch mitteilte.

Bei stagnierenden Nutzerzahlen dürfte das bedeuten, dass Twitter immer mehr Werbung anzeigt. Die Zahl aktiver Werbekunden sei im vergangenen Quartal um 90 Prozent auf 130 000 gewachsen, hieß es. Für das laufende Vierteljahr stellte Twitter einen Umsatz von 595 bis 610 Millionen Dollar in Aussicht. An der Börse waren rund 627 Millionen Dollar erwartet worden.

Die bereits schwer gebeutelte Aktie verlor im nachbörslichen Handel zunächst mehr als 13 Prozent, später flachte das Minus jedoch wieder ab. Im frühen US-Handel am Donnerstag sank der Kurs um rund vier Prozent auf gut 14 Dollar. Im April vergangenen Jahres hatte die Aktie noch über 50 Dollar gekostet. Danach setzte wegen der Wachstums-Sorgen der Anleger die Talfahrt ein.

Dorsey kündigte an, die Funktionsweise von Twitter solle weiter verändert werden. Unter anderem seien Änderungen an der Struktur von Antworten auf Tweets geplant, die aktuell "verwirrend" sei und das Wachstum bremse. Twitter will den Nutzern bereits die Möglichkeit bieten, die Nachrichten von Software gewichten zu lassen. Bei der Option werden die Tweets nicht mehr wie gewohnt in chronologischer Reihenfolge dargestellt, sondern nach einem Algorithmus, der die für einen Nutzer relevanten Nachrichten höher einsortiert. Dorsey stellte auch schon die von Anfang an geltende Einschränkung auf 140 Zeichen pro Tweet in Frage.

Außerdem wolle er das Führungsteam ausbauen, sagte Dorsey. Im Januar hatten mehrere Top-Manager Twitter verlassen. Er glaube nach wie vor, dass Twitter das weltgrößte vernetzte Publikum auf der Welt zusammenbringen können. Facebook als weltgrößtes Online-Netzwerk hat rund 1,6 Milliarden aktive Nutzer.

dpa


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