Navigation:
Kritik an „Verstehen Sie Spaß?“: Guido Cantz ließ sich für die Sendung braun schminken.

Kritik an „Verstehen Sie Spaß?“: Guido Cantz ließ sich für die Sendung braun schminken.
 © dpa/Youtube-Screenshot

“Verstehen Sie Spaß“

So reagiert Cantz auf die Rassismus-Vorwürfe

In „Verstehen Sie Spaß?“ hat sich Guido Cantz für einen Scherz das Gesicht braun schminken lassen. Amnesty International wirft dem SWR deshalb Rassismus vor. Der Moderator rechtfertigt sich: „’Verstehen Sie Spaß?’ ist eine Unterhaltungssendung.“

Mainz.  Für der Sendung am Sonnabend hatte die Redaktion von „Verstehen Sie Spaß?“ den Schweizer Fernsehmoderator Röbi Koller in dessen TV-Sendung hereinlegt. Guido Cantz ließ sich dafür das Gesicht braun schminken, um als dunkelhäutiger Mann aus Südafrika aufzutreten.

Cantz und der Redaktion werden deshalb Rassismus vorgeworfen. „Die Kolonialzeit ruft an und will ihre rassistischen Klischees zurück!“, schrieb Amnesty International während der Sendung auf Twitter. „Öffentlich-rechtlicher Rassismus geht gar nicht“, kritisierte die Organisation.

Die Initiative „Schwarze Menschen in Deutschland“ hatte bereits im Vorfeld einen offenen Brief veröffentlicht. „Der Spaß hört da auf, wo Rassismus beginnt!“, schrieb die Initiative. Wenn Cantz als dunkelhäutiger Mensch auftrete, werde „eine rassistische Tradition“ fortgesetzt, „die – auch in Deutschland – zu keinem Zeitpunkt hinnehmbar war oder ist.“

Auch der Journalist Boris Rosenkranz warf dem SWR „weißen Humor“ und Rassismus vor. „Da sind so viele Klischees, man könnte auch sagen, das ist ’Blackfacing’“, schrieb er auf dem Onlineportal übermedien.de.

Der SWR sendete den Beitrag trotz der Kritik. Anschließend erklärte Cantz zu den Vorwürfen: „’Verstehen Sie Spaß?’ ist eine Unterhaltungssendung“, sagte der Moderator. Für die Sendung schlüpfe er regelmäßig in andere Rollen. Er sei schon als älterer Mann aufgetreten und auch als „türkischer Mitbürger“. Sollten er und die Redaktion jemanden verletzt haben, bedauerten sie dies sehr, versicherte Cantz. Das sei nicht ihre Absicht gewesen.

Das SWR erklärte in einer Stellungnahme: „Bereits seit einem Jahr schlüpft Moderator Cantz in verschiedene Rollen, um Prominente mit der versteckten Kamera reinzulegen.“ Nur durch „eine extreme optische Veränderung“ sei es für ihn möglich, ihnen direkt gegenüber zu treten und mit ihnen zu agieren, ohne dabei erkannt zu werden.

Deshalb sei er dieses Mal in die Rolle eines Südafrikaners geschlüpft, erklärte der SWR. „In dem aktuellen Film geht es inhaltlich darum, Herrn Koller eine Verwechslung vorzuspielen. Dafür war es notwendig, deutlich zu machen, dass der verkleidete Guido Cantz nicht der leibliche Vater der vermeintlichen Überraschungskandidatin sein kann.“

Die Figur und die Situation seien weder diffamierend, diskriminierend oder verletzend angelegt gewesen. „Deshalb bedauern wir es sehr, wenn sich Menschen von dem Verlade-Film angegriffen oder schlecht dargestellt fühlen.“

„Blackfacing“

  • Der Ausdruck „Blackfacing“ – abgeleitet vom englischen Blackface – wird verwendet, wenn sich Weiße ihre Gesichter schwarz anmalen. 2014 wurde das Wort zum Anglizismus des Jahres gekürt.
  • Das ursprünglich vor allem im Schauspiel gezeigte Phänomen sorgte in den vergangenen Jahren für Diskussionen und Rassismus-Vorwürfe.
  • Im Jahr 2014 gab es „Blackfacing“ etwa bei der Fußball-WM, als sich deutsche Fans beim Spiel gegen Ghana schwarz schminkten. Diskutiert wurde auch die Sternsinger-Tradition mit einem Schwarzen unter den Heiligen Drei Königen oder das Auftreten vom Zwarte Piet in den Niederlanden, einem angeblich dunklen Nikolaus-Helfer.
  • Ende 2013 gab es in Augsburg eine „Wetten, dass..?“-Saalwette, bei der sich Dutzende wie Lukas, der Lokomotivführer, und der dunkelhäutige Jim Knopf zurechtmachten - beliebte Figuren aus der Augsburger Puppenkiste. Das ZDF handelte sich Rassismus-Vorwürfe ein.
  • Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch erklärt: „Das Blackfacing gilt als rassistisch, weil es die Identität und die Erfahrungen schwarzer Menschen als Kostüm behandelt, das weiße Menschen beliebig an- und ausziehen können. Mit dem Blackfacing maßen sich weiße Menschen an, für schwarze Menschen sprechen und handeln zu können, und nehmen ihnen damit den Raum, dies selbst zu tun.“

Von RND/wer


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Was halten Sie von einem Rauchverbot im Auto?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie