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FAMILIE HOHENSTEIN VEREINT: Marie (Alexandra Neldel) und Michel (Bert Tischendorf) betrachten ihren kleinen Michel.

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Fernsehen

So nimmt die Wanderhure Abschied

„Das Vermächtnis der Wanderhure“ schwächelt. Sat.1 hofft am Dienstsag trotzdem auf Topquote.

Hannover. So eine Wanderhure kommt viel herum in der Welt, und deshalb kann sich die Marie (schwer mütterlich, aber leicht angestaubt: Alexandra Neldel) ein Urteil erlauben. „Heimat ist kein Ort“, gibt sie uns zum Abschied mit auf dem Weg, und dieser Weisheit ist dann auch wohl der Titel des dritten Abschnitts der „Wanderhuren“-Trilogie entsprungen. „Das Vermächtnis der Wanderhure“, heute Abend ab 20.15 Uhr auf Sat.1 zu besichtigen, soll der letzte Teil der Kolossalverfilmungen nach den gleichnamigen Mittelalter-Bestsellern des Schriftstellerehepaars Iny Klocke und Elmar Wohlrath alias „Iny Lorentz“ sein. Zehn Millionen, dann acht Millionen Zuschauer zogen die Vorgängerfilme („Die Wanderhure“, „Die Rache der Wanderhure“), viel weniger werden es heute auch wohl nicht sein. Danach darf man aber durchaus feststellen: Ist jetzt auch mal langsam gut gewesen.

Die „Heimat“-Philosophie der Mobil-Prostituierten ist mit einigem Abstand die Stelle des allertiefsten Tiefgangs dieses mit erheblichen Geld- und Personaleinsatz realisierten Streifens. Dabei herrscht an Handlung kein Mangel: Bevor Marie die goldenen Worte sprechen kann, macht sie einiges durch. Allerdings nicht in ihrer Eigenschaft als Wanderhure, diese Phase hat die ehrbare Ehefrau des Ritters Michel von Hohenstein längst überwunden. Alexandra Nelde ihrer Marie anfangs einen Schwangerschaftsbauch und später ungefähr so viel sinnliche Verruchtheit wie Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.

Die Rolle des lasziven Luders und schlimmen Schlampe übernimmt Maries Gegenspielerin, die ebenso aufreizende wie charakterlich fragwürdige Hulda von Hettenheim (Julie Engelbrecht). Die blonde Gefahr klaut, mordet, betrügt und verrät auf Teufel komm‘ raus. Hulda sorgt nicht nur dafür, dass Liebhaber der filmischen Darstellung von Beischläfen hinreichend bedient werden. Zur Verwirklichung ihrer finsteren Pläne etwa entführt sie überdies die hochschwangere Marie, die dann ihr Kind in Ketten quasi per Sturzgeburt mutterseelenallein im finsteren Kerker zur Welt bringen muss. Sie schläft erschöpft ein, muss dann feststellen, dass ihr Baby geklaut worden ist.

In dieser Situation kommt es Marie nicht entgegen, dass Tatarenfürst Andrej Gefallen an findet ihr und sie mit ins Tatarenreich schleppt – hinter Nürnberg am Schädelberg vorbei durch den Sumpf, links um die Ecke lungert dann die Goldene Mongolen-Horde in der Steppe herum. Marie wird in den fürstlichen Harem einsortiert, reift jedoch dank weiblicher Intuition und anderer Qualitäten ratzfatz zur heimlichen Herrscherin, wird schließlich als „Adlerfrau“ verehrt. Das versetzt sie in die Lage, die damals recht unbeliebten Mongolen argumentativ derart zu bearbeiten, dass sie Mitteleuropa freiwillig von ihrer Anwesenheit befreien. Erstaunlich.

Fazit: Der Film ist nicht gerade ein Kracher (Handlung: belanglos; Dialoge: hölzern; Schauspieler: tragisch; insgesamt: langatmig). Wer imstande ist, das zu ignorieren, wird die zwei Stunden reine Spielzeit trotzdem unbeschadet überstehen. Und weil Marie in Wahrheit eine Heilige ist, besteht immer noch die Aussicht, dass der zuletzt gebeutelte Privatsender Sat.1 zumindest für einen Abend der Quotenhölle entrinnt. Verdient hat er den Urlaub für diesen Historienbraten allerdings nicht.HHIII

„Das Vermächtnis der Wanderhure“, Sat.1, Dienstag, 20.15 Uhr.


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