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Twitter-Chef Dick Costolo tritt zurück.

Twitter-Chef Dick Costolo tritt zurück. © Sebastien Nogier/Archiv

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Plötzlicher Führungswechsel: Twitter-Chef Costolo tritt zurück

Twitter sucht einen neuen Chef: Der bisherige Konzernlenker Dick Costolo wirft nach einem Absturz der Aktie und Dauerkritik von Anlegern das Handtuch. Zum 1. Juli übernimmt zunächst Twitter-Mitgründer Jack Dorsey vorläufig die Führung.

San Francisco. Die Börse quittierte die Ankündigung in einer ersten Reaktion mit einem nachbörslichen Kurssprung von rund acht Prozent. Im frühen Handel am Freitag blieb davon nur ein dünnes Plus von 0,75 Prozent übrig. 

Enttäuschende Ergebnisse und Zweifel an der Strategie sorgten schon länger für Unmut bei Investoren. Twitter hatte im ersten Vierteljahr einen Verlust von gut 162 Millionen Dollar eingefahren und die eigenen Erwartungen beim Umsatz verfehlt. Das Unternehmen hatte zuletzt 302 Millionen aktive Nutzer und wuchs langsamer als von den Anlegern erhofft.

Dennoch ist der Zeitpunkt des Abgangs überraschend, zumal Twitter zunächst ohne dauerhaften Nachfolger dasteht. In einer Telefonkonferenz versicherte das Management, dass der 51-jährige Costolo den Rückzug selbst beschlossen habe und es keinen aktuellen Anlass dafür gebe. Als Ersatz sollen interne und externe Kandidaten in Betracht gezogen werden.

Costolo erklärte, den Verwaltungsrat bereits im vergangenen Jahr erstmals über seine Pläne informiert zu haben. Er erhält laut Unternehmensangaben keine Abfindung und gibt durch seinen Abgang Aktienoptionen über etwa 16 Millionen Dollar auf. Im Dezember und Januar war allerdings bekanntgeworden, dass Costolo sich bereits von Aktien im Wert von etwa zehn Millionen Dollar getrennt hatte. Unter Costolo war Twitter im November 2013 an die Börse gegangen. Nach den vergangenen Quartalszahlen ließen die Anleger die Aktie um mehr als ein Fünftel abstürzen. Der Kurs erholte sich seitdem nicht.

Costolo bleibe Mitglied des Verwaltungsrates, kündigte Twitter am Donnerstag an. Er stand seit Herbst 2010 an der Spitze von Twitter. Ihm wurde zugestanden, mehr Ordnung in das Start-up gebracht und Fortschritte bei der Suche nach einem Geschäftsmodell gemacht zu haben. Twitter will Geld vor allem mit bezahlten Tweets verdienen, die etwa Unternehmen in den Nachrichtenstrom der Nutzer einbringen können.

Nun ruhen die Hoffnungen vorerst wieder auf Twitter-Mitgründer Dorsey, der als Erfinder des Kurznachrichtendienstes gilt. "Ich sehe keine Strategie- oder Richtungsänderung voraus", sagte er. Dorsey hatte 2006 den allerersten Tweet abgesetzt und war bereits von Mai 2007 bis Oktober 2008 Vorstandschef gewesen. Er gründete danach den Bezahldienst Square, den er auch weiterhin führen will. Auf die Frage, wie er die Doppelbelastung bewältigen wolle, antwortete Dorsey, er verbringe ohnehin schon eine Menge Zeit "zwischen beiden Unternehmen".

Costolo versuchte jahrelang, mehr neue Mitglieder anzulocken. Noch vor zwei Wochen gab er sich bei einem Auftritt kämpferisch und kündigte an, seinen Kurs fortzuführen. Er mache sich auch keine Sorgen um seinen Job, sagte er damals bei einer Konferenz des Technologieblogs "Recode".

In US-Medien wird spekuliert, dass Twitter von einem größeren Wettbewerber geschluckt werden könnte. Die Aktienstruktur mache eine Übernahme vergleichsweise einfach, schrieb die "New York Times". Chris Sacca, ein langjähriger Twitter-Investor, bezeichnete die Firma gegenüber dem Finanzdienst Bloomberg als maßgeschneiderten Zukauf für Google. Andere halten es für möglich, dass der 38-jährige Dorsey als ständiger Chef bleibt. Ein weiterer der drei führenden Mitgründer, Evan Williams, werde Twitter bei der Suche nach einem neuen Chef unterstützen, teilte das Unternehmen mit.

Die Geschäftsziele für das zweite Quartal wurden bestätigt. Demnach rechnet Twitter mit einem Umsatz zwischen 470 und 485 Millionen Dollar.

Unabhängig von dem Chefwechsel kündigte Twitter am Donnerstag an, dass die Begrenzung von 140 Zeichen für Direktnachrichten von Nutzer zu Nutzer aufgehoben werde. Für öffentlich sichtbare Tweets bleibt sie jedoch bestehen.

dpa


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