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Angela Merkel führt mit sechs ausgewählten Bürgern auf der Google-Plattform einen Videochat.

Angela Merkel führt mit sechs ausgewählten Bürgern auf der Google-Plattform einen Videochat. © Julian Stratenschulte/Archiv

Bundesregierung

Mit der Kanzlerin beim digitalen Kamingespräch

US-Präsident Barack Obama, UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, der Dalai Lama und nun Angela Merkel: Die Bundeskanzlerin hat sich in die Liste der prominenten Gastgeber eines Videochats bei Google eingetragen.

Berlin. Am sogenannten Google Hangout zum Thema Integration nahmen am Freitag sechs ausgewählte Bürger teil.

Auch kleinere technische Pannen brachten die Kanzlerin nicht aus dem Takt. Als beispielsweise Ismail Öner aus Berlin-Spandau in der Runde nicht zu hören war - auch wenn ihr Tipp an den Jugendsozialarbeiter, er solle doch mal das Mikrofon überprüfen, zunächst nicht weiterhalf.

Für die Kanzlerin sind Medien-Experimente wie der Hangout keine Premiere. Immer wieder hat Merkel moderne Dialogformen ausprobiert. Schon 2006 startete sie einen wöchentlichen Video-Podcast, in dem sie in der Regel solo auftritt. Ihr Regierungssprecher Steffen Seibert twittert regelmäßig und hat schon fast 100 000 Follower. Und im vergangenen Jahr war Premiere einer "Tele-Townhall". Vorbild waren Diskussionsforen aus dem US-Präsidentschaftswahlkampf. Damals stellte sich die CDU-Chefin einer Telefon-Fragestunde mit mehreren tausend Mitgliedern - live zu verfolgen im Netz.

Und jetzt Google Hangout. Das ist eine Videochat-Konferenz im Sozialen Netzwerk Google+, in die sich maximal zehn Teilnehmer einwählen können. Über die Funktion "Hangout On Air" konnte am Freitag der Chat von einem Massenpublikum auf Google+, YouTube und der Website der Regierung verfolgt werden.

Mit dem neuen Format griff die Kanzlerin erneut eine Tradition aus den USA auf: Von 1933 bis 1944 versuchte der damalige US-Präsident Franklin D. Roosevelt in einer Serie von 30 "Fireside Chats" im Radio die Bevölkerung direkt und in einem sehr persönlich gehaltenen Ton anzusprechen. Diese Kamingespräche hatten keinen so staatstragenden Charakter wie große Ansprachen. Und im Gegensatz zu herkömmlichen Interviews konnte "FDR" seine Botschaften ohne störende Zwischenfragen von Journalisten im Plauderton verkünden.

US-Präsident Barack Obama knüpfte bei seinen Auftritten bei Google+ direkt an die Serie von Roosevelts Kamingesprächen an und nannte die Videochats "Fireside Hangout".

Das digitale Kamingespräch diente auch der Vorbereitung auf den nächsten Integrationsgipfel, zu dem die Kanzlerin für den 28. Mai eingeladen hat. Die Sozialpädagogin Janine Molitor-Kasonde wies auf Alltagsschwierigkeiten der Migranten hin, etwa bei Behördengängen. Merkel betonte, wie wichtig gute deutsche Sprachkenntnisse für eine gelungene Integration seien.

Diese Bemerkung blieb nicht ohne Widerspruch: Ein Teilnehmer des Diskussion wies die Kanzlerin per E-Mail darauf hin, dass die Bewilligung von Deutsch-Kursen oft drei Monate und länger dauere. "Drei Monate sind zu lang", räumte Merkel ein und gab sich gewohnt pragmatisch: Sie wolle doch "nochmal mit der Bundesagentur für Arbeit und der Arbeitsministerin (Ursula von der Leyen) sprechen, ob wir daran was ändern können".

Und zum Schluss des Google Hangouts konnte sich auch der Jugendsozialarbeiter Ismail Öner aus Spandau zu Wort melden. Ein Neustart seines PCs machte es möglich, dass er der Kanzlerin von erfolgreichen Sportprojekten in Berlin berichten konnte, in denen bislang rund 40 000 junge Migranten erreicht worden seien.

Dass die Internetseiten bundesregierung.de und bundeskanzlerin.de während des Hangouts zeitweise nicht zu erreichen waren - das Bundespresseamt verzeichnete einen ungewöhnlich starken User-Ansturm -, dürfte der Veranstaltung letztlich kaum geschadet haben. Auch bei Obama hatten die Hangouts erst nach der Live-Übertragung Zugriffe in Millionenhöhe.

dpa


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