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Die PC-Verkäufe schmelzen weiter dahin. Nach Ansicht der Marktforschungsfirma IDC hat Microsoft die Situation mit seinem neuen Betriebssystem nur noch verschlimmert.

Die PC-Verkäufe schmelzen weiter dahin. Nach Ansicht der Marktforschungsfirma IDC hat Microsoft die Situation mit seinem neuen Betriebssystem nur noch verschlimmert.© Robert Schlesinger

Computer

Marktforscher sehen drastischen PC-Einbruch: "Windows 8 hat versagt"

tiefsten Einbruch erlebt. Microsoft, das eigentlich den Absatz beleben sollte. Es habe mit seiner neuen Bedienung Kunden vergrault.

New York. tforscher ausgerechnet das neue Windows 8 von

 

Microsoft, das eigentlich den Absatz beleben sollte.

 

Es habe mit seiner neuen Bedienung Kunden vergrault. Viele Nutzer kaufen nun lieber Tablet-Computer oder begnügen sich zum Surfen im Web und zum Abrufen ihrer E-Mails mit einem Smartphone.

Die Auslieferung von Notebooks und Desktops sei im

 

ersten Quartal um beinahe 14 Prozent auf 76,3 Millionen Geräte

 

gefallen, ermittelten die Analysten von IDC. Einen tieferen

 

Absturz habe es seit Beginn der Datenerhebungen im Jahr 1994 nicht

 

gegeben, erklärten die Marktforscher am Mittwoch.

 

Der IDC-Konkurrent Gartner veröffentlichte kurz darauf ebenfalls

 

seine Marktzahlen, die einen etwas moderateren Absatzrückgang von

 

11 Prozent auf 79,2 Millionen Personal Computer auswiesen. Zugleich

 

gab Gartner-Analyst Mikako Kitagawa eine düstere Prognose für die

 

PC-Branche ab: Nicht einmal in den Entwicklungsländern sei noch ein

 

starkes Wachstum beim Absatz klassischer Notebooks und Desktops zu

 

erwarten.

 

Der Kurs der Microsoft-Aktie fiel bis zum Donnerstagmittag in New York um 5 Prozent. Die Papiere des weltgrößten PC-Herstellers Hewlett-Packard, der besonders unter Verkaufseinbrüchen zu leiden hatte, gaben um 6 Prozent nach.

Eigentlich sollte Windows 8 den PC-Herstellern eine Wende

 

bescheren. Doch nach Ansicht von IDC machte Microsoft mit

 

seinem neuen Betriebssystem die Situation nur noch schlimmer.

 

"Es scheint klar, dass die Veröffentlichung von Windows 8 nicht nur

 

dahingehend gescheitert ist, den PC-Markt anzukurbeln", sagte

 

IDC-Analyst Bob O'Donnell. "Es scheint sogar, dass der Markt

 

abgebremst wurde."

 

Nach seiner Ansicht könnten sich die Kunden einfach nicht an die

 

Software gewöhnen. Als Gründe führte er die radikal andere Bedienung

 

des Betriebssystems mit seinen bunten Kacheln an sowie den Wegfall

 

des vertrauten Start-Buttons an. Zudem seien manche PCs durch den

 

Einbau von berührungsempfindlichen Bildschirmen teurer geworden. Auch

 

Gartner-Kollegin Isabelle Durand bezweifelte, dass die Kunden bereit

 

seien, den Aufschlag zu zahlen.

 

"Der traditionelle PC ist auf dem Rückzug", räumte

 

Microsoft-Sprecher Thomas Mickeleit gegenüber der Nachrichtenagentur

 

dpa ein. Gleichzeitig zog er aber die Aussagekraft der Absatzzahlen

 

in Zweifel. "Der PC kommt heute in vielerlei Formen daher." Gerade

 

durch Windows 8 habe die Zahl der Mischgeräte aus PC und Tablet

 

zugenommen. So gibt es Notebooks mit Touchscreen und Tablet-Computer

 

mit abnehmbarer Tastatur. Durch die neuen Formen sei es schwierig,

 

die Absatzzahlen genau zu ermitteln, erklärte Mickeleit.

 

In die PC-Absatzzahlen von Gartner- und IDC fließen keine

 

Tablet-Computer ein, diese werden gesondert ausgewiesen. Hier gingen

 

die Verkaufszahlen bis zuletzt steil nach oben. Microsoft hatte auf

 

den Wandel mit seinem Windows 8 reagiert, das für

 

berührungsempfindliche Bildschirme ausgelegt ist.

 

Während Windows auf etwa 90 Prozent aller PCs läuft,

 

prognostizieren die IDC-Marktforscher bei Tablets für dieses Jahr nur

 

einen Anteil von knapp 5 Prozent. Microsoft war erst vergleichsweise

 

spät in das Geschäft eingestiegen; auf den meisten Tablet-Computern

 

läuft Googles Betriebssystem Android oder Apples iOS. Bis 2017 sehen

 

die IDC-Experten den Windows-Anteil auf gut 10 Prozent steigen.

 

Vor allem private Nutzer haben sich vom PC abgewendet. Firmen

 

setzten noch auf die leistungsstarken Rechner, allerdings erneuern

 

sie ihre Hardware seltener. "Die geringeren Auslieferungen an sich

 

waren keine Überraschung, aber die Heftigkeit des Rückgangs", sagte

 

IDC-Experte David Daoud. Die Branche müsse nun darum kämpfen, "für

 

den Kunden relevant zu bleiben".

 

Microsoft selbst plant offenbar, mit einer Ausweitung seines

 

Tablet-Angebots zu reagieren. Nach dem Debüt seines Surface-Tablets

 

im Oktober wolle das Unternehmen noch eine kleinere Variante mit

 

7-Zoll-Display auf den Markt bringen, berichtete das "Wall Street

 

Journal". Auch Apple hatte ein iPad mini auf den Markt gebraucht,

 

nachdem kleinere Android-Tablets immer beliebter wurden.

 

Neben Microsoft bekamen auch einige große PC-Hersteller von den

 

IDC-Marktforschern die Leviten gelesen: Bei Hewlett-Packard läuft ein

 

groß angelegter Umbau; um Dell tobt eine Übernahmeschlacht. Das habe

 

die Nachfrage von Kundenseite weiter abgeschwächt, konstatierten die

 

Branchenkenner. Als rühmliche Ausnahme führten sie den chinesischen

 

Hersteller Lenovo an, der seine Auslieferungen den Daten zufolge

 

stabil halten konnte. Bei Apples Mac-Computern widersprachen sich IDC

 

und Gartner mit ihren Daten.

dpa


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