Navigation:
ESC

Jamie-Lee singt für Deutschland und hat "Bock drauf"

Nach ihrem Sieg beim Vorentscheid: Jamie-Lee feiert in Köln. Und findet es nicht schlimm, mit Lena verglichen zu werden.

Köln. Sie steht auf der leeren Bühne, es ist 22.40 Uhr. Helfer in Schwarz fegen Glitzerkonfetti zusammen. Auf ihrem roten Armband steht in großen Buchstaben „UND“, auf dem anderen „LOS“. Ganz still steht Jamie-Lee Kriewitz da, ihre blaue Kuschelpuppe unter dem Arm, es ist Stitch, der großäugige Freund aus Disneys „Lilo & Stitch“, ein Geschenk des „The Voice Of Germany“-Teams. Es muss jetzt schnell gehen, um 23 Uhr muss sie von der Bühne verschwunden sein. Jugendschutz. Sie ist erst 17 Jahre alt.

Sie hat das mitbekommen mit Andreas Kümmerts Rückzug im vergangenen Jahr, wenn auch nicht live. „Natürlich nehme ich die Wahl an“, sagt sie deshalb ruhig. Ein kleines Grinsen. Die Deutschlandfahne für die Fotografen schwenkt sie eher pflichtschuldig. „Ich habe unglaublich Bock darauf, nach Stockholm zu fahren. Es ist eine so große Ehre, dass das Land mich gewählt hat.“ 44,5 Prozent der 1,12 Millionen Stimmen in der Finalrunde entfielen auf sie, 33,9 Prozent auf Alex Diehl, 21,6 Prozent auf die Bombastrocker von Avantasia. „Ich werde jetzt unendlich viel üben und meine Bühnenshow planen.“ Grundsätzlich aber soll es schon bei der verrätselten, nebligen Märchenwelt bleiben, in der sie als eine Art Sailor Moon im Wunderland den Mond ansingt. Und auch bei ihrem Manga-Stil wird sie höchstens Nuancen ändern, „ich bleibe meinem Style treu“, natürlich.

Schanzenstraße 22 in Köln. Es ist dasselbe Studio, in dem vor sechs Jahren Lena bei „Unser Song für Oslo“ antrat. Und gewann. Und ein Land für ein paar Monate um den Finger wickelte. Nerven sie die Vergleiche? Die Parallelen sind ja nicht zu übersehen: Zwei Schülerinnen. Beide aus Hannover. Beide brünett. Beide mit Eigenheiten und Besonderheiten. Lenas Sieg 2010 war Jamie-Lees erste echte Erinnerung an den ESC. Da war sie elf Jahre alt und saß vor dem Fernseher. „Ich kann mit Lena-Vergleichen sehr gut leben“, sagt sie. „Sie ist natürlich ein großes Vorbild für mich. Ich kann verstehen, dass ich die Leute an sie erinnere. Beide aus Hannover, beide dann beim ESC 18 Jahre alt. Ist doch klar.“

Sie hat die Schule schon im Dezember 2015 unterbrochen, nach ihrem Sieg bei „The Voice“. „Meine Eltern unterstützen mich da. Ich möchte ein gutes Abi machen, das geht eben nicht halbherzig und nebenbei.“ Nur einen Tag nach dem „The Voice“-Sieg, am 18. Dezember 2015, kam ihre Plattenfirma Universal mit der Anfrage auf sie zu, ob sie beim ESC-Vorentscheid antreten würde. Sie musste ein bisschen überlegen. Wollte sie sich noch einmal einer solchen Abstimmung stellen? Einem so großen Publikum? Sie entschied sich dann dafür. Und selbst ihre direkte Konkurrenz ahnte, dass sie die Favoritin sein würde an diesem Abend in Köln. „Ich habe von Anfang an gesagt, dass Jamie-Lee das gewinnt“, sagt Tobias Sammet, Sänger der Drittplatzierten Avantasia, noch in seiner roten Dompteurenuniform. Und auch Schlagersängerin Ella Endlich, die nicht in die Finalrunde der letzten Drei kam, sagte hinterher: „Das war einfach super. Richtig schlecht gesungen hat ja niemand heute, aber Jamie-Lee trifft einfach jeden Ton.“

Ein hartes Programm erwartet die Gewinnerin nun. Sie wird ein Album aufnehmen. Interviews geben. Unzählige Entscheidungen sind zu treffen. Am Freitagabend ist sie gleich mal in der „NDR Talk Show“ in Hamburg zu Gast. Ins „Morgenmagazin“ von ARD und ZDF am Tag nach ihrem Sieg darf sie nicht. Wieder der Jugendschutz. Zwischen ihren Arbeitseinsätzen müssen zwölf Stunden Pause liegen. Also darf sie ausschlafen.

Professionell, aber nicht kühl wirkt Jamie-Lee Kriewitz. Sie hat den Zirkus jetzt schon ein bisschen kennengelernt. Aus solchem Holz sind Typen geschnitzt, die beim Eurovision Song Contest auf Interesse stoßen. Die Manga-Liebe ist keine Masche, kein Zuckerle zur Aufmerksamkeitserregung, sondern eine echte Leidenschaft. Das Verrätselte, das sie umgibt, deckt sich mit ihrem Song „Ghost“. Zwischen Lana Del Rey und den Walkabouts changiert der Stil, etwas „Düsteres, eher Trauriges“ hatte sie sich gewünscht. „Es geht um eine Beziehung, die zerbricht. Aber der Geist dieser Beziehung, der ist noch da, der schwebt noch im Raum. Ich hoffe, dass dieses Thema in Europa Menschen berührt.“ Könnte klappen. UND. LOS.

Imre Grimm


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Braucht Hannover 96 noch Verstärkung?
Anzeige

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie