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Horst Zuse, Sohn des Computerpioniers Konrad Zuse, vor dem Nachbau des ersten programmierbaren Computers.

Horst Zuse, Sohn des Computerpioniers Konrad Zuse, vor dem Nachbau des ersten programmierbaren Computers. © Paul Zinken

Computer

Horst Zuse präsentiert Nachbau des Z3 in Berlin

Konrad Zuse gilt als Erfinder des ersten echten Computer-Vorläufers. In dieser Woche wurde der deutsche Ingenieur bereits auf einer Internationalen Konferenz in Berlin geehrt. Zum 75. Geburtstag der "Zuse Z3" erläutert sein Sohn die Funktionsweise des Rechners.

Berlin. Und wer hat's erfunden? Lange war sich die Fachwelt uneins, welche Rechenanlage einst die Urmutter aller Computer war.

Heute sei man international einhellig überzeugt, dass die Erfindung aus Deutschland komme, hieß es am Donnerstag in Berlin: Mit der Maschine Zuse Z3 hat der Berliner Bauingenieur Konrad Zuse in den 40er Jahren den Grundstein für das Computerzeitalter gelegt. Zu Ehren des 75. Jubiläums der Rechenmaschine erklärte sein heute 70-jähriger Sohn Horst im Berliner Technik-Museum am Donnerstag die Entstehung und Funktionsweise der Maschine. Dort steht seit 2013 sein selbstgefertigter Nachbau der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Rechenanlage in Originalgröße.

Bei der Z3 habe sein Vater die Rechenarchitektur der noch vollmechanisch arbeitenden Z1 und die Relais-Technik der Z2 miteinander verbunden, erläuterte Zuse. Sie gilt heute als revolutionäre Anlage, die erstmals frei programmierbar war und der binären Rechenweise mit 0 und 1 folgte. Kernstück der Z3 ist das Hauptrechenwerk in Größe eines großen Serverschranks, flankiert von zwei Speichereinheiten in jeweils gleicher Größe. Zusätzlich gibt es noch eine Anlage für die Ein- und Ausgabe. "Die Tastatur hat sogar eine "Enter"-Taste", demonstrierte Zuse.

Die Idee zu einem Nachbau der Z3 sei ihm in einem Berliner Kiezlokal im Stadtteil Wilmersdorf gekommen, erzählte Zuse. "Ich wollte unbedingt herausfinden, wie kompliziert sie wirklich war." Außerdem habe er eine Antwort auf die Frage finden wollen, was denn überhaupt ein Computer sei. Größe und Anzahl der verbauten Relais entsprächen dem Original. Unterstützung erhielt er von einer ganzen Reihe von Firmen, so lieferte eine Firma aus Rüsselsheim die Relais. Knapp 2000 Pakete wurden schließlich ins Arbeitszimmer in seiner Berliner Wohnung in den 5. Stock transportiert.

Im hessischen Hünfeld, wo Konrad Zuse 1995 starb, ist seit 2010 ebenfalls ein Nachbau zu sehen, zu Ausstellungszwecken hat auch das Deutsche Museum in München eine Z3. Die Anlage in Berlin ist jedoch in Originalgröße nachgebaut und voll funktionstüchtig - meistens jedenfalls: Ausgerechnet bei der Jubiläumspräsentation weigerte sich die Maschine, das richtige Ergebnis einer Rechenaufgabe - die Zahl 22 - auszuspucken. Eigentlich war die Z3 nur dafür ausgelegt, Additionsaufgaben zu erledigen. "Aber durch eine Trickschaltung war auch Subtraktion, Multiplikation und Quadratwurzeln möglich gewesen."

Die Anlage sei heute im Prinzip noch immer in Arbeit, bei der Konstruktion habe er durchaus Fehler gemacht, gestand Zuse. Das Original hatte sein Vater, der bei den Henschel-Flugzeugwerken angestellt war, am 12. Mai 1941 erstmals einer kleinen Öffentlichkeit vorgeführt. Sie habe seinen Vater bei komplizierten Aufgaben von aerodynamischen Berechnungen unterstützen sollen, sagt Zuse.

Bereits 1943 wurde die Z3 dann in den Büroräumen seiner Eltern in der Methfesselstraße in Kreuzberg bei einem Bombenangriff zerstört. Nach Kriegsende bemühte sich Zuse vergeblich darum, ein Patent für seine Erfindung anzumelden. Im Dezember 1995 starb Zuse in Hünfeld.

dpa


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