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Wissenschaft

Forscher untersuchen Stressfaktor Internet in der Politik

Das Netz verändert die Politik. Welche Wirkungen sich da analysieren lassen, ist bis Samstag das Thema der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft (DGfP) an der Universität Hildesheim.

Hildesheim. Die zweitägige Konferenz steht unter dem Leitthema "Das Internet - Bereicherung oder Stressfaktor für die Demokratie?" Die Tagung gehe der Frage nach: "Hat das Netz mit seiner Funktionslogik von Schnelligkeit, Interaktivität, Anonymität und Direktheit der Kommunikation positive oder negative Wirkungen auf die Politik selbst", sagte die Vorsitzende der DGfP, die Hildesheimer Politikwissenschaftlerin Marianne Kneuer, am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. "Und wie empfinden Politiker das, wenn sie permanent das Gefühl haben, permanent auf Twitter oder Facebook kommunizieren zu müssen?"

Die Wissenschaftlerin plädierte für einen "Netzrealismus" zwischen Euphorie und einer ausschließlich negativen Betrachtung. Das Scheitern des Urheberrechtsabkommens Acta sei in diesem Jahr ein Beispiel gewesen, "wie erstaunlich schnell sich die Politik unter Druck setzen lässt, während andere Entscheidungsprozesse sonst manchmal sehr langsam sind". Hier stelle sich auch die Frage nach der demokratischen Legitimierung einer solchen Netz-Community.

Auf die Frage nach dem zu erwartenden Einfluss des Internets auf die Bundestagswahl 2013 sagte Kneuer: "Ich denke, dass die Sozialen Medien auf jeden Fall eine Rolle spielen werden im Bundestagswahlkampf." Alle Parteien studierten genau die Erfahrungen bei der US-Präsidentschaftswahl. Diese ließen sich aber nicht eins zu eins auf die Verhältnisse in Deutschland übertragen.

An der Uni Hildesheim entsteht seit etwa einem Jahr ein Forschungsschwerpunkt zum Thema Internet und Politik. Zu den Projekten gehören auch Forschungsansätze, die nach der Rolle des Netzes in autoritär regierten Ländern fragen. Der Frage "Bereicherung oder Stressfaktor" wollte sich am Freitag auch eine Podiumsdiskussion mit dem Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte, der Medienwissenchaftlerin Caja Thimm, dem Berliner Piraten Philip Brechler und dem ehemaligen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers widmen.

dpa


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