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Microsoft-Manager Steven Sinofsky wurde von vielen Beobachtern als der Kronprinz angesehen, der einst Microsoft-Boss Steve Ballmer beerben sollte.

Microsoft-Manager Steven Sinofsky wurde von vielen Beobachtern als der Kronprinz angesehen, der einst Microsoft-Boss Steve Ballmer beerben sollte.© Michael Kappeler

Computer

Ballmer nach Abgang in der Pflicht

Schock im Microsoft-Hauptquartier in Redmond: Nur knapp einen Monat nach der Einführung des neuen Microsoft-Systems Windows 8 verlässt der verantwortliche Manager Steven Sinofsky den weltgrößten Software-Konzern.

Redmond/Berlin. Der 47 Jahre alte Informatiker war nicht irgendein Abteilungsleiter bei Microsoft, sondern ein enger Vertrauter von Microsoft-Mitbegründer Bill Gates und "Mr. Windows". Sinofsky wurde von vielen Beobachtern als der Kronprinz angesehen, der einst Microsoft-Boss Steve Ballmer beerben sollte.

Sinofsky kam im Juli 1989 als Software-Designer zu Microsoft und war lange Zeit für die Entwicklung der Büroprogramme (Office) mitverantwortlich. Er soll maßgeblich dazu beigetragen haben, dass Bill Gates nach dem Start von Windows 95 die Bedeutung des Internets erkannte statt auf einen eigenen Onlinedienst zu setzen.

Nach dem Debakel um die verunglückte Windows-Version Vista riss Sinofsky im Jahr 2009 in einem Kraftakt als Präsident der Windows-Abteilung das Ruder herum und brachte das wichtigste Microsoft-Produkt mit Windows 7 wieder auf Kurs. Er war dann auch dafür verantwortlich, dass Microsoft für den Betrieb von großen Servern, herkömmlichen Personal Computern - aber auch Tablets und Smartphones auf ein einheitliches Windows-System setzte.

Etliche Microsoft-Entwickler hatten dagegen für Smartphones und Tablets ein schlankeres System favorisiert - ohne die Altlasten des großen Windows-Systems. Sie konnten sich aber gegenüber dem kantigen Windows-Chef nicht durchsetzen.

Zu den Gegnern von Sinofsky gehörte auch Ray Ozzie, der von 2005 bis 2010 als Technologie-Chef und "Chefarchitekt Software" bei Microsoft arbeitete - und in dieser Zeit als möglicher Nachfolger von Gates und Ballmer gehandelt wurde. Ozzie hatte versucht, die Microsoft-Dienste verstärkt in der Internet-Wolke anzusiedeln. Er scheiterte aber intern mit dem von ihm konzipierten Dienst "Live Mesh". Sinofsky setzte sich mit seinem Dienst "SkyDrive" gegen Ozzie durch und sorgte dafür, dass Microsoft vor allem Cloud-Dienste anbietet, die eng mit Windows verbunden sind.

Der plötzliche Abgang von Sinofsky erinnert an den Rauswurf von Scott Forstall bei Apple. Der für das iPhone-Betriebssystem iOS verantwortliche Forstall musste unlängst Apple verlassen, nachdem er sich geweigert hatte, für das Debakel um die fehlerhafte Karten-Anwendung in iOS die Verantwortung zu übernehmen. Der Apple-Manager galt ähnlich wie Sinofsky als ein unerbittlich regierender Team-Chef, der eher die Konfrontation suchte als eine Lösung im Konsens anzustreben.

Im Gegensatz zu Forstall geht Sinofsky aber nicht in einer Krisensituation, sondern verabschiedet sich mit einer glanzvollen Gala zur Einführung des neuen Windows-Systems. Und während die Farewell-Grüße von Apple-Chef Tim Cook für Forstall eher schmallippig ausfielen, überschüttete Microsoft-Chef Ballmer seinen Untergebenen mit Superlativen und Lobpreisungen. Es gibt aber auch Stimmen innerhalb von Microsoft, die Sinofsky vorwarfen, mit seinem ruppigen Führungsstil und seinem Machtbewusstsein die Innovationen innerhalb des Unternehmens abgewürgt zu haben.

Sinofsky schrieb in einer E-Mail an die Microsoft-Beschäftigten, er verlasse die Firma nach 23 Jahren, "um neue Herausforderungen zu suchen, die auf diesen Erfahrungen aufbauen". "Meine Leidenschaft, Produkte zu entwickeln, ist so stark wie immer und ich freue mich darauf, meine Energie und Kreativität an dieser Linie auszurichten."

Egal wie man "Mr. Windows" einschätzt: Ballmer hat nun ein Problem. In seinem Team fand sich kein Talent, das die Position von Sinofsky alleine hätte ausfüllen können. So verteilte der Microsoft-CEO die Verantwortung auf mehrere Schultern: Um die Software- und Hardware-Entwicklung kümmert sich Julie Larson-Green, die für die Entwicklung des innovativen Kacheldesigns zuständig war. Und die bisherige Finanzchefin Tami Reller soll als Business-Managerin dafür sorgen, dass Windows auch künftig die Kassen von Microsoft füllt.

Letztlich wird aber ein Erfolg oder Misserfolg von Windows 8 und den neuen Aktivitäten von Microsoft im Markt der Tablet Computer und Smartphones dem bulligen Microsoft-Boss Ballmer persönlich zugerechnet werden. Schon seit geraumer Zeil maulen Investoren darüber, dass der Kurs der Microsoft-Aktie schon so lange stagniert. In den vergangenen fünf Jahren verlor das Microsoft-Papier 17 Prozent, während beispielsweise Apple um 228 Prozent zulegen konnte. "Wie viele Köpfe, die rollen können, bleiben noch übrig, bevor Ballmers Kopf dran ist?" fragt sich der Blogger John Gruber - und hat auch eine Antwort parat: "Ich glaube, keiner."

dpa


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