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Hervorragend: Jürgen Vogel und Axel Prahl (rechts)© ddp

Neuer ARD-Krimi

Axel Prahl und Jürgen Vogel als Bankräuber-Duo

Nicht erst seit seinen Auftritten als volksnaher Kommissar Frank Thiel in den „Tatort“-Krimis aus Münster spielt Axel Prahl in Film und Fernsehen vor allem gutmütige Kumpeltypen.

Dass der gebürtige Ostholsteiner viel mehr kann, zeigt er unter der Regie von Thomas Stiller in der Gangsterballade „Zwölf Winter“, in der er gleichsam die Seiten wechselt und einen Bankräuber verkörpert. Arte strahlt den sehenswerten Krimi am 1. Mai um 21.00 Uhr aus, das Erste am 6. Mai um 20.15 Uhr.

Das Drehbuch schrieb Stiller zusammen mit Holger Karsten Schmidt auf der Grundlage wahrer Begebenheiten. Zwischen 1988 und 2001 verübte ein Duo in mehreren Bundesländern 36 Banküberfälle und erbeutete dabei umgerechnet etwa sechs Millionen Euro. Für ihre generalstabsmäßig vorbereiteten Raubzüge verwendeten die Täter meist gestohlene Autos mit gefälschten Kennzeichen und maskierten sich mit den Konterfeis von Gerhard Schröder, Ronald Reagan oder der Filmfigur „Rambo“. Erst nach zwölf Jahren gelang es einer Sonderkommission der Polizei, die Räuber zu stellen und endlich eine der spektakulärsten Bankräuberserien der deutschen Geschichte aufzuklären.

Im TV-Krimi beginnt die Story 1985 in der Justizvollzugsanstalt Rheinbach bei Bonn. Dort schließen der Einbrecher Klaus Starck (Axel Prahl), der Bankräuber Mike Roth (Jürgen Vogel) und ihr Knastkollege Axel Greif (Thomas Darchinger) Freundschaft. Nach ihrer Entlassung betätigen sich Starck und Greif jahrelang als Bankräuber. Als 1990 auch Roth freikommt, schließt er sich ihnen an. Der erste Überfall zu dritt läuft glatt, doch kurz vor dem zweiten Coup zieht sich Greif wegen einer Krebserkrankung zurück. Roth und Starck machen alleine weiter, aber auf Drängen des gewieften Roth verfeinern sie ihre Strategie.

So verüben sie ihre Überfälle nur noch in den Wintermonaten kurz vor Kassenschluss, um danach im Schutz der Dunkelheit in nahegelegenen Waldgebieten untertauchen zu können. Für zwölf Winter werden die beiden zum Schrecken der kleinen Sparkassen und Banken. Ihr Markenzeichen: hohes Tempo, sportlicher Einsatz, keine Toten oder Verletzten. Jahrelang tappt die Polizei im Dunklen.

Doch die Kriminalbeamten Geugis (Matthias Koeberlin) und Prothmann (Wotan Wilke Möhring) lassen nicht locker. Mit großer Akribie und Hartnäckigkeit folgen sie den wenigen Spuren, bis ein entscheidender Hinweis eingeht. Der versierte Regisseur und Drehbuchautor Thomas Stiller, dessen nächster Film „Genug ist nicht genug“ schon am 13. Mai im Ersten zu sehen sein wird, verdichtet die langjährige Puzzle-Arbeit der Ermittler und die ausgeklügelten Tricksereien der Verbrecher zu einem fintenreichen Katz-und-Maus-Spiel, das schnörkellos geradeaus inszeniert ist und den Zuschauern einen spannenden Krimiabend beschert.

Die konsequente Lakonie der Erzählung würzen Schmidt und Stiller sparsam, aber effektvoll mit einer Prise schwarzen Humor. Etwa wenn Roth seinem hungrigen Kumpel in einem Versteck beim Abhören des Polizeifunks weismacht, die Polizei habe eine wichtige Spur zu Starck entdeckt: „Einer hat jetzt eine Wurststulle gefunden, mit Senf. Schmeckt total Scheiße!“ Ein anderes Mal werden die stets gut vorbereiteten Räuber kurioserweise zum Opfer einer Sparmaßnahme. „Hier war doch noch vor kurzem eine ganz normale Bank“, sagt Roth, als sie in einer kürzlich ausgespähten Sparkassenfiliale nur noch einen Bankautomaten vorfinden.

Axel Prahl fühlt sich sichtlich wohl in der Rolle des Bankräubers, der sich mit Hut und breitrandiger Brille als Biedermann tarnt. Und der gerne mit Schusswaffen herumhantiert und seinen Beuteanteil brav bei der Postbank einzahlt. Das absolute Gegenteil stellt Jürgen Vogel dar, der ja oft als Fiesling und Ganove besetzt wird: Sein glatzköpfiger Roth drängt immer wieder auf Gewaltfreiheit und verprasst die geraubten Millionen mit käuflichen Damen und auf Luxusreisen. Ein Spitzenteam, das sich perfekt ergänzt und mit großer Spiellaune auftrumpft. Ein erstklassiger Ausnahmekrimi! ddp


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