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Apple-Chef Tim Cook muss jetzt die Börsianer überzeugen. Foto: Andrew Gombert/Archiv

Apple-Chef Tim Cook muss jetzt die Börsianer überzeugen. Foto: Andrew Gombert/Archiv

Computer

Apple-Chef wirbt um Gnade der Börse

Es ist selten, dass sich ein Konzernchef für fast zehn Milliarden Dollar Quartalsgewinn rechtfertigen muss. Doch von Apple ist die Börse den Milliarden-Regen inzwischen gewohnt.

Cupertino. Was sie von Firmenlenker Tim Cook sehen will, sind Visionen.

 Die Perspektive, dass der Konzern weitere Branchen umpflügt, so wie Apple in den vergangenen zehn Jahren Musik- und Handy-Branche veränderte und mit dem iPad gerade die PC-Industrie auf den Kopf stellt.

 Die aktuellen Quartalszahlen zeigen: Apple ist weiterhin eine Geldmaschine. Nur die riesigen Sprünge der Vergangenheit scheinen erst einmal passé. Man könnte auch sagen: Apple ist erwachsen geworden. Und das passt so manchem Investor nicht.

 Apple-Chef Cook bemühte sich diesmal nach Kräften, die Skeptiker zu überzeugen. So viel wie in der Telefonkonferenz nach Vorlage der frischen Quartalszahlen verrieten weder er selbst noch sein legendärer Vorgänger Steve Jobs jemals über die Zukunftspläne. Für den Herbst versprach Cook eine "aufregende neue Produktkategorie" und für 2014 noch mehr. Was es sein wird - das Phantom Apple-Fernseher, eine Daten-Uhr oder einfach nur ein günstigeres iPhone - ließ Cook offen. Die Börsianer bissen nach einigem Überlegen an. Die Aktie sackte zum Handelsstart am Mittwoch zwar erst um drei Prozent ab, drehte dann jedoch ins Plus.

 Im Dialog mit den Investoren hatte der zuletzt kritisierte Konzernchef alle Register gezogen. So schloss er erstmals auch ein iPhone mit größerem Bildschirm nicht ausdrücklich aus. Derzeit punktet unter anderem Hauptrivale Samsung bei Verbrauchern mit großen Smartphone-Displays, während Apple beim iPhone 5 den Bildschirm gerade einmal um eine Reihe von App-Symbolen länger machte. Die Nutzer legten Wert darauf, ihr Handy auch mit einer Hand bedienen zu können, sagte Cook damals.

 Jetzt hörte sich die Argumentation anders an: Die Konkurrenten hätten für größere Displays Abschläge bei Kontrast und Bildqualität hinnehmen müssen. "Wir würden kein iPhone mit größerem Bildschirm herausbringen, solange man solche Kompromisse eingehen muss." Heißt das im Umkehrschluss, ohne Nachteile vielleicht schon?

 "Wir haben mehr Überraschungen in Arbeit", versprach Cook abermals. Die Aktionäre, denen schon lange mit Blick auf den Geldberg des Konzerns das Wasser im Mund zusammenläuft, bekommen 55 Milliarden Dollar mehr ausgeschüttet. Die Investoren hatten die Aktie nach dem Rekordhoch bei 700 Dollar im September auf rund 400 Dollar abstürzen lassen. Etwa 280 Milliarden Dollar Marktwert gingen verloren - mehr als die meisten Unternehmen jemals auf die Waage bringen werden.

 Zuletzt übten sich einige Analysten und Journalisten in düsteren Untergangs-Fantasien. Immer wieder wurde von gekappten Aufträgen bei Zulieferern berichtet, weil sich das iPhone 5 schlecht verkaufe. Apple habe seinen Höhepunkt überschritten, unkten Analysten. Schließlich habe es seit dem iPad-Start vor drei Jahren nur Weiterentwicklungen gegeben. Und Apple verschlafe auch gerade den Smartphone-Boom in Entwicklungsländern, weil dort vor allem günstige Geräte gefragt seien. Doch die angekündigte Katastrophe blieb aus. Der iPhone-Absatz rückte im Jahresvergleich von 35 auf 37,6 Millionen Geräte vor - auch wenn unbekannt ist, wie hoch der Anteil des teureren neuen Modells war.

 Tim Cook gab sich dennoch demütig. Ja, Apple wachse nicht mehr so rasant wie früher. Und ja, am einzelnen Gerät verdiene das Unternehmen auch weniger als noch im vergangenen Jahr. "Ich weiß, wir haben nicht jedermanns Erwartungen getroffen." Der Gewinn des iPhone-Hersteller war im vergangenen Quartal erstmals seit fast zehn Jahren gesunken. Vergangenes Mal passierte es von April bis Juni 2003. Damals sank der Gewinn auf 19 Millionen Dollar von 32 Millionen im Jahr davor - beides aus heutiger Sicht lächerliche Zahlen.

 In den Entwicklungs- und Schwellenländern setzt Apple aber weiterhin auf die älteren iPhone-Modelle 4 und 4S, um einen Fuß in die Tür zu kriegen. "Wir führen unser Geschäft auf lange Sicht", betonte Finanzchef Peter Oppenheimer. Und Apple macht sich Hoffnungen, dass mit der Zeit auch in Ländern, wo heute Billig-Smartphone reißenden Absatz finden, mit der Zeit auch immer teure Geräte verkauft werden können. "Wir wollen schneller wachsen. Aber wir sehen das nicht als Maß für unsere Gesundheit an", brachte es Cook auf den Punkt.

dpa


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