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Anne Will diskutiert mit Nora Illi, der vollverschleierten „Frauenbeauftragten“ des „Islamischen Zenralrats Schweiz“.

Anne Will diskutiert mit Nora Illi, der vollverschleierten „Frauenbeauftragten“ des „Islamischen Zenralrats Schweiz“.
 © Screenshot/ARD

Debatte um Radikalisierung

„Anne Will“: Islamistin sorgt für Eklat

„Warum radikalisieren sich immer mehr junge Menschen?“, fragte Anne Will am Sonntagabend in ihrer Sendung. Die Diskussion sorgte im Social Web für heftige Reaktionen.

Hannover.  Die 17-Jährige Julia ist zum Islam konvertiert und will nach Syrien reisen – so zeigte es der Kieler „Tatort“ am Sonntagabend. Im Anschluss diskutierte Anne Will mit ihren Gästen über die Frage „Mein Leben für Allah – Warum radikalisieren sich immer mehr junge Menschen?

Für große Empörung sorgte vor allem die „Frauenbeauftragte“ des „Islamischen Zentralrats der Schweiz“, Nora Illi. Insbesondere die Rolle der Frau im Islam habe sie fasziniert, als sie im Alter von 16 Jahren begann, sich mit der Religion auseinanderzusetzen. Sie habe im Islam viele Rechte und Möglichkeiten sich auszuleben – der Spagat zwischen Familie und Karriere sei nicht so groß wie in anderen Religionen, erläutert Illi.

Wolfgang Bosbach (CDU), ehemaliger Vorsitzender des Innenausschusses des Bundestages, verweist in diesem Zusammenhang auf die Webseite des Islamzentrums München, dort werde detailliert erklärt, unter welchen Bedingungen ein Moslem seine Frau schlagen dürfe. „Wieso das frauenfreundlich sein soll, das kann mir keiner erklären“. Im Islam gebe es keine Gleichberechtigung.

„Sie schließen sich selbst aus“

Auf die Frage, ob sie sich unterdrückt fühle, antwortet Illi, Muslimas würden aus der Gesellschaft ausgeschlossen. „Sie schließen sich selbst aus“, findet der Islamismus-Experte und Psychologe Ahmad Mansour, indem sie Kopftuch oder Niqab trügen. Der Radikale Islamismus sei nicht Teil unserer Gesellschaft, betont er.

Den Höhepunkt erreicht die Empörung, als in der Sendung der „Islamische Zentralrat der Schweiz“ beleuchtet wird. Muslime seien weltweit massivsten Repressionen ausgesetzt, heißt es dort. „Kein Wunder also, dass die Versuchung riesig sein muss, aus diesem Elend auszubrechen, ja die Hirja nach dem Vorbild des Propheten zu vollziehen, um dann im gelobten Syrien gegen die Schergen Assads und für Gerechtigkeit zu kämpfen. Eine solche Überzeugung muss man als Zivilcourage hochloben“, schreibt Illi weiter und wirbt so offenkundig für den „Heiligen Krieg“ und den Terror im Sinne des „Islamischen Staats“. Die „brutale Kriegsrealität“ bezeichnet Illi als „bitterharte Langzeitprüfung mit ständigen Hochs und Tiefs“.

„Das ist offene Kriegspropaganda“

Einhalt gebot Illi allerdings nicht Moderatorin Anne Will, sondern Mansour. „Das ist eine offene Kriegspropaganda“, warnt Mansour. Es handele sich hier ganz klar um einen Aufruf, nach Syrien zu gehen. „Das kann man im Fernsehen nicht machen“, appelliert er. Wie im öffentlich-rechtlichen Fernsehen so ein Text laufen könne, fragt Bosbach. „’Bitterharte Langzeitprüfung’ hört sich an wie Ironman“, fügt er hinzu. „Das ist eine barbarische Terrorarmee. Hände weg – bleibt hier“, fordert er. Will musste sich von Bosbach vorwerfen lassen, der Propaganda eine Bühne ein Millionenpublikum geboten zu haben. Den Ernst der Lage hatte sie offenbar nicht erkannt.

Auch beim Kurznachrichtendienst Twitter sorgte Illis Auftritt, die vor zwölf Jahren zum Islam konvertierte, für Aufruhr. „Auch wenn #annewill das anders sieht, nicht nur aus Sicht von Herrn Bosbach wird hier islamistischer Propaganda eine Bühne geboten“, schrieb eine Nutzerin. Doch es sollte nicht der einzige Kommentar dieser Art bleiben. „Warum gibt man islamistischen Hetzparolen Woche für Woche in deutschen Talkshows eine Plattform?“, fragte ein anderer.

Auf die Frage, warum sich junge Menschen radikalisieren, konnte Mansour konkrete Antworten geben. Er habe im Alter von 13 Jahren “zum radikalen Islam gefunden“, sich jedoch später wieder gelöst. „Ich fand eine Orientierung und Halt. Ich fand einfache Regeln. Ich gehörte auf einmal zur Elite – vorher wurde ich gemobbt.“ Radikalisiert habe er sich vor allem wegen des Machtgefühls, anderen zu sagen, was sie zu tun haben. Auch die Suche nach Identität spiele seiner Meinung nach eine bedeutende Rolle.

„Radikaler Islamismus ist nicht theologisch begründet“

Mohamed Taha Sabri, der Imam der Dar-as-Salam Moschee in Berlin-Neukölln, knüpft an die Thesen Mansours an. Meistens handele es sich um Jugendliche, die Probleme in der Familie hätten, orientierungslos seien oder keine Perspektive hätten, am Rande der Gesellschaft lebten, zählt er auf. Radikale terroristische Gruppierungen gäben diesen Jugendlichen ein Zugehörigkeitsgefühl. Doch radikaler Islamismus sei theologisch nicht begründet. Für die De-Radikalisierung sehe er die Moscheen allerdings nicht verantwortlich.

Besonders nimmt die Diskussion offenbar Sascha Mané mit. Auch er hat seine Tochter an den Islamismus verloren. Ob er seine Tochter, die mit 17 Jahren heimlich nach Syrien reiste, jemals wiedersehen wird, weiß er nicht.

Von RND/are


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