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Nachrichten Medien Trauer um Ex-Spiegel-Chef Erich Böhme
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18:47 28.11.2009
Tot: Erich Böhme Quelle: ddp
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Und wird als „journalistisches Urgestein“ der deutschen Medienlandschaft in Erinnerung bleiben. Das „Krokodil“ nannten ihn Kollegen, weil er „scheinbar teilnahmslos in der Sonne liegt, und hin und wieder zuschnappt“. Und dann aber nicht mehr loslässt.

Wenn früher der ehemalige „Spiegel“-Chefredakteur und Talkmaster aufwachte, brauchte er noch vor dem Kaffee erst mal ein halbes Dutzend Zeitungen. Böhme war ein Vollblutjournalist, stellte informierend, belehrend und unterhaltend das Zeitgeschehen vor - und auch sich selbst gerne dar. Nach 17 Jahren an der Spitze des Nachrichtenmagazins startete er seine zweite Karriere beim Fernsehen, wo er die Sat.1-Sendung „Talk im Turm“ moderierte. Seine spitzbübische Art, seine bohrenden Fragen und das fortwährende Spiel mit der Lesebrille sind unvergessen.

Am 8. Februar 1930 kommt Böhme in Frankfurt am Main zur Welt, marschiert als Pimpf in der Hitlerjugend, sieht sich Bomben- und Nachkriegsnot ausgesetzt. „Das musste anders werden. Ich beschloss, Journalist zu werden und der Welt die Welt zu erklären“, sagt er. Schon neben dem Volkswirtschaftsstudium verdient er sich nachts erste Sporen bei einer Nachrichtenagentur, für die er 1953 auch als Korrespondent nach Bonn geht. Nach einem Intermezzo bei der „Deutschen Zeitung“ wechselt er auf Empfehlung seines Freundes Günter Gaus als Redakteur ins Bonner „Spiegel“-Büro, das er später leitet.

Nach zwei Jahrzehnten im „Bundesdorf“ wird er Chefredakteur des Hamburger Magazins. Hier hat das „Krokodil“ kräftig zugeschnappt - zwischen Flick-, Coop-, Neue Heimat- und Barschel-Affäre - so manches Mal. „Ich habe viele Politiker, Wirtschaftler, Künstler kommen sehen und sehr viele, manche durch meine Zeilen, auch wieder gehen“, sagt er. Schließlich geht er selbst, als sich Differenzen mit „Spiegel“-Herausgeber Augstein durch Böhmes kurz vor dem Mauerfall publizierten Satz „Ich will nicht wiedervereinigt werden“ zugespitzt haben.

„Im Osteinsatz tätige Reue“ übt Böhme nach eigenem Bekunden, als er ab 1990 vier Jahre lang als Herausgeber das frühere SED-Bezirksblatts „Berliner Zeitung“ durch die Wendezeit geleitet. Seinen ersten Auftritt hat er im teuren Anzug mit Seidenkrawatte und Einstecktuch inmitten schäbiger Möbel und Jeans-gewandeter Redakteure. Doch schnell macht er sich beliebt, lässt seinen großen Mercedes in der Garage und fährt mit einem alten Wartburg durch die Stadt. Und als Berlin dann schließlich zur Bundeshauptstadt gekürt wird, lässt Böhme in der Redaktion die Korken knallen. Wenn schon Wiedervereinigung, dann richtig. Noch bis 2003 hält er der Zeitung als Kolumnist die Treue.

Parallel dazu avanciert er zu einem der beliebtesten deutschen TV-Talker. 1990 hebt er mit der Sat.1-Sendung „Talk im Turm“ das Genre Polit-Talk maßgeblich mit aus der Taufe. Achteinhalb Jahre fühlt er allsonntäglich mit punktierten Krawatten mehr als 2000 Talkgästen auf den Zahn und schlenkert dabei mit der berühmten Brille. Am Tag der Bundestagswahl 1998 tritt er ab. „Man soll gehen, wenn die Party auf dem Höhepunkt ist“, lässt er wissen - und feiert auf dem Nachrichtensender n-tv doch noch ein paar Jahre weiter.

Zum „Grünen Salon“, den Böhme seit 1997 mit dem sächsischen Ex-Innenminister Heinz Eggert moderiert, gesellt sich später „Talk in Berlin“. Nach der Bundestagswahl 2002 tritt er endgültig von allen Fernsehämtern zurück. Am Ende zieht sich der rastlose Nachrichten-Arbeiter mit einer Vorliebe für guten Rotwein und einem Ferienhaus in Südfrankreich ins Private zurück. Nach einem halben Jahrhundert Journalismus findet er dort noch einmal das große Glück - mit der 17 Jahre jüngeren, ehemaligen DDR-Nachrichtensprecherin Angelika Unterlauf, die seine vierte Ehefrau wird. Über Jahre bleiben sie das Fernseh-Traumpaar. ddp

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