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Bitte um Durchlass: Der Ermittler Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und seine Kollegin Julia Grosz (Franziska Weisz) bei einer Demo der Rechten.

Bitte um Durchlass: Der Ermittler Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und seine Kollegin Julia Grosz (Franziska Weisz) bei einer Demo der Rechten.
© Foto: ARD

Krimireihe

Ein „Tatort“ mit dem Krimiholzhammer

Ein „Tatort“, der sich auf die eher plumpe Art mit den neuen Kräften in der Bundesrepublik auseinandersetzt. In „Dunkle Zeit“ (Sonntag, 17. Dezember, 20.15 Uhr, ARD) müssen die Polizisten Falke und Grosz eine Populistin schützen.

Hamburg. Um Himmels willen, jetzt hat es die AfD auch noch in den „Tatort“ geschafft. Aber gefallen wird der Film den Anhängern der rechten Partei bestimmt nicht. Ganz im Gegenteil. Und ein bisschen kann man ihren so gut wie sicheren Ärger nach der Ausstrahlung am Sonntagabend schon verstehen – vor allem weil der Regisseur und Drehbuchautor Niki Stein bei seiner kaum versteckten Kritik an dieser Gruppierung leider arg plump mit dem Holzhammer gearbeitet hat.

Die Partei, um die es im „Tatort – Dunkle Zeit“ geht, nennt sich zwar „Deutschlands Neue Patrioten“ (DNP), doch die Parallelen zur AfD sind nicht zu übersehen, ja, sie werden so überdeutlich und überzeichnet ins Spiel gebracht, dass sie auch völlig unpolitische Zuschauer noch erkennen können.

Die Rechten im Film wirken holzschnittartig

So heißt es beispielsweise im Film, dass sich die DNP von einer ursprünglichen Partei der Euroskeptiker zum rechten Sammelbecken entwickelt habe. Dann ist von der ehemaligen Professorenpartei die Rede.

Selbst eine Verbindung zum vermeintlichen Reich des Bösen, also Russland, spielt eine Rolle. Und die Wahlkampfsprüche, die die DNP-Vertreter im „Tatort“ abliefern, erinnern an sattsam bekannte rhetorische AfD-Versatzstücke.

Entsprechend holzschnittartig entworfen sind im Film die Vertreter dieser politischen Bewegung. Das Spektrum reicht da vom aalglatten Karrieristen bis zum dumpfen Neonazi, und alle haben Dreck am Stecken. Während ihre Gegenspieler, die Militanten vom schwarzen Block der Antifa, natürlich ganz nette Leute sind. Und als ob das nicht alles schlimm genug wäre, gibt es auch noch die hundsmiserable Karikatur einer emsig recherchierenden ARD-Journalistin. Nicht zu vergessen den einzig anständigen DNP-Vertreter, der schwul ist und einen schwarzen Partner hat. Herrje!

Was diesem Krimi völlig abgeht – Spannung

Muss man wirklich so dick auftragen? Traut man dem Zuschauer denn wirklich gar nichts mehr zu? All das ließe sich vielleicht noch ertragen, wenn die erzählte Krimi-Geschichte wenigstens spannend wäre.

Doch leider ist sie so vorhersehbar inszeniert, dass der Zuschauer viel zu schnell weiß, wer hinter dem anfänglichen Mordanschlag steckt. Er trifft den Ehemann der DNP-Vorsitzenden Nina Schramm (Anja Kling), auch sie eine überdeutliche Mischung aus Frauke Petry und Alice Weidel. Nach einem Wahlkampfauftritt seiner Frau wird er mit seinem Auto in die Luft gesprengt. Und um die Hintergründe dieser zumindest für den Zuschauer recht offensichtlichen Tat kümmern sich nun der coole Bundespolizist Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und seine noch coolere Kollegin Julia Grosz (Franziska Weisz), deren gestörte Beziehung auch in diesem Film immer noch sehr gewöhnungsbedürftig ist.

Die beiden Cops haben den Auftrag, die DNP-Vorsitzende zu schützen. Ein brisanter Job, weil sich die Betreffende als recht sperrig erweist. Als ihr Mann ermordet wird, wird auch für Falke und Grosz die Lage immer heikler. Egal, was sie tun, für die rechte Partei können sie nichts richtig machen und vermeintliche Fahndungsfehler werden gleich medienwirksam herausposaunt.

Tiefschwarzer Humor bleibt die Ausnahme im Anti-AfD-„Tatort“

Zunächst werden wegen im Netz veröffentlichter Drohvideos Linksextremisten verdächtigt. Dann taucht auch noch ganz unvermittelt auf einer rechten Internetplattform ein Überwachungsvideo auf, das zwei schwarz Vermummte beim Anbringen der Autobombe zeigt. Und dann ist da noch ein linksautonomes Pärchen, das sich verdächtig gemacht hat und jetzt untergetaucht ist.

Das alles deutet also auf linksextremen Terror hin, dummerweise ahnt der Zuschauer jedoch längst, dass für das Attentat vermutlich ganz andere verantwortlich sind. Schließlich wird er anfangs Zeuge, wie das Opfer kurz vorm Anschlag mit einem alten Parteifreund telefoniert. In dem Gespräch kündigt er seinen Parteiaustritt und einige Enthüllungen über seine Frau an.

Und dass er dabei eine Bombe hochgehen lassen wird. Das meint er zwar sprichwörtlich, aber kaum hat er es ausgesprochen, geht die ganz reale Bombe in seinem Wagen hoch. Das nennt man dann wohl tiefschwarzen Humor, der leider die Ausnahme bleibt in diesem missglückten Anti-AfD-„Tatort“.

Von Ernst Corinth / RND


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