Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Medien Stars der Vermarktung: Lilifee, Felix und Bob, der Baumeister
Nachrichten Medien Stars der Vermarktung: Lilifee, Felix und Bob, der Baumeister
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:06 07.02.2010
Star der Vermarktung: Bob, der Baumeister. Quelle: Martin Steiner

Vielleicht muss man sich genauso den Feenball vorstellen, auf den Prinzessin Lillifee ständig eingeladen wird: Kleine Mädchen im Vorschulalter tragen rosafarbene Kleidchen unter rosafarbenen Outdoor-Jäckchen zu rosafarbenen Stirnbänderchen unter rosafarbenen Wollmützchen. Sie wedeln mit Zeptern mit Sternchen an der Spitze und erzählen immer gern, wie schön es im Blütenschloss im Zaubergarten des Zauberlandes Rosarien ist.

Lillifee hat es längst geschafft, eine eigene Welt zu schaffen und eine ganze Generation zu verzaubern. Erst kamen die Kinderbücher von Monika Finsterbusch, dann folgten Hörbücher, Schminkköfferchen, Bademäntel und Babybetten, Federmäppchen und Fensterbilder, Herzstempelsets und Hula-Hoop-Reifen. Aktuell verzeichnet der Coppenrath-Verlag, der für die Vermarktung der Lillifee-Prinzessinnenwelt zuständig ist, 282 verschiedene Produkte. Die Lillifee-Möbel, die gerade auf der Internationalen Möbelmesse vorgestellt wurden, sind noch nicht mitgezählt. Der Verlag kooperiert dafür mit dem Möbelhersteller Arte M, der verspricht, Kinderzimmer in Abenteuerwelten zu verwandeln. Coppenrath-Chef Wolfgang Hölker schwärmte zu Messebeginn: „Mit Arte M haben wir einen kompetenten Lizenzpartner gefunden, der vor allem unsere Philosophie teilt: Wir wollen Kinder glücklich machen – und das mit viel Phantasie, Qualität und dem besonderen Etwas.“ Geld darf dabei natürlich auch gerne verdient werden.

Der Coppenrath-Verlag ist das Flaggschiff in der Verwertung von Kinderträumen. Er verkauft Bücher und Produkte von Capt’n Sharky, Felix, dem Mondbär, Ferdinand, dem Elefanten und besagter Prinzessin Lillifee und vergibt zusätzlich Lizenzen. Nicht jeder von den Figuren hat eine eigene TV-Serie, aber zumindest die passende Bettwäsche. Allein von Lillifee wurden seit 2004 1,7 Millionen Bücher in 25 Sprachen verkauft, wie eine Sprecherin bestätigt. Der Verlag setzte nach Schätzungen des Magazins „Wirtschaftswoche“ 2008 70 Millionen Euro um, die Hälfte für Produkte abseits der Bücher. Offizielle Zahlen gibt das Unternehmen in Münster nicht heraus. Die piepsig dahinschnatternde Prinzessin dürfte seit 2004 aber durchaus als Marktführer unter den Kindermedienfiguren gelten. Das sind schwere Zeiten für die Diddl-Maus.

Drei- bis Sechsjährige entscheiden laut Marktforscher heutzutage über das Haushaltsbudget von mehreren Milliarden Euro mit. Kein Wunder, dass die sehr junge Konsumentengruppe nicht zuletzt aufgrund ihres noch unkritischen Bewusstseins immer häufiger Ziel von Marketingstrategien wird. Laut einer Studie des Ehapaegmont-Kinderzeitschriftenverlages betrachtet mehr als die Hälfte der Drei- bis Sechsjährigen die Anzeigen in Kinderzeitschriften mit großem Interesse. Fordern sie die gesehenen Produkte anschließend bei ihrer Eltern ein, bekommen sie diese in 72 Prozent der Fälle auch.

Die Industrie reagiert entzückt und nutzt den Medienkonsum der Kleinen. Ingo Barlovic, Geschäftsführer des Münchener Marktforschungsinstituts iconkids & youth, bestätigt, dass Kinder allein im Fernsehen alle 17 bis 18 Minuten mit Werbung konfrontiert werden, und sieht dabei vor allem die Eltern in der Pflicht. „Kinder quengeln dann, wenn sie sich davon Erfolg versprechen“, sagt Barlovic. Natürlich geben die Angesprochenen den Werbedruck an die Eltern weiter, aber man muss diesem Druck nicht nachgeben, denn oft werden Werbespots auch schnell wieder vergessen.

Lillifee und der Coppenrath-Verlag hätten indes etwas Neues geschaffen, meint Barlovic: „Der Verlag hat mit Lillifee den Buchmarkt aufgemischt, indem er nicht nur ein Buch verkauft hat, sondern eine ganze Welt.“ Das habe super funktioniert. Und so dringen die Kindercharaktere in jeden gesellschaftlichen Bereich ein. Capt’n Sharky wirbt für Dr.-Oetker-Muffins, Felix grinst auf Federmappen und Bob, den Baumeister, gibt es auf jedem Stadtfest als Luftballon. Die Figuren sind aus dem täglichen Leben der Kinder nicht mehr wegzudenken. Und selbst im Kindergarten versuchen sich Unternehmen mit gesponserten Spielen, Malblöcken oder Tassen einzukaufen. Der Druck auf die Kleinen nimmt zu.

Wehren können die sich kaum. Laut dem Hamburger Psychologen Michael Thiel befinden sich Kinder zwischen drei und sechs Jahren in einer Entwicklungsstufe, die von Phantasie geprägt ist. „Sie identifizieren sich zum Beispiel mit Figuren und tauchen vorbehaltlos und kritiklos in Szenerien ein“, erklärt Thiel. Kinder gehen sozusagen auf Heldenreise. Eine Heldenreise, die spätestens dann endet, wenn Eltern ihren Kindern die Produkte verwehren. Thiel spricht von „Höllenqualen für Kinder und Eltern“, die sich Medienmacher dann zu eigen machen.

Dass es auch ohne die ganz große Merchandise-Druck-Industrie geht, zeigt übrigens Ritter Rost aus dem Terzio Verlag. Das Unternehmen verzichtet bewusst auf Bettwäsche und Brotdosen und setzt neben den Büchern und Hörbüchern nur auf Lizenzen für Musicals und Theateraufführungen. Eine Million Medien will der Verlag so schon in den vergangenen zehn Jahren verkauft haben. Coppenrath und Lillifee holt er so allerdings nicht ein. Zu Theateraufführungen kommen trotzdem kleine Ritter Rosts im selbst gebastelten Kostüm.

Jan Sedelies

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Im Fall Nikolaus Brender machen Grüne und Linke Ernst: Sie wollen „echte Staatsferne“ für das ZDF erreichen. Die Verfassungsklage steht: Karlsruhe soll entscheiden. Am Ende könnte die Entpolitisierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks stehen.

Imre Grimm 05.02.2010

Was passiert, wenn die einzigen Informationen aus der Außenwelt nur noch Twitter und Facebook sind? Fünf Journalisten haben sich fünf Tage im Netzwerken ausprobiert.

Dirk Kirchberg 05.02.2010
Medien Eurovision Song Contest - Hannoveranerin räumt bei Raab ab

Stefan Raab suchte bei der ersten Ausscheidungsshow am Dienstagabend Künstler für den deutschen Beitrag zum Eurovision Song Contest. Unter dem Motto „Unser Star für Oslo“ konnten sich fünf Kandidaten für das Halbfinale qualifizieren. Die Abräumerin des Abends: Die 18-jährige Lena Meyer-Landrut aus Hannover.

Imre Grimm 16.02.2010