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Medien "Sisi" kehrt ins Fernsehen zurück
Nachrichten Medien "Sisi" kehrt ins Fernsehen zurück
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08:50 17.12.2009
Von Dany Schrader
Christiana Capotondi als Sisi - so die historisch korrekte Schreibweise - und David Rott als Kaiser Franz Joseph Quelle: ddp

Es passiert nicht oft, dass ein Film zum Klassiker wird. Das Erbe von Ernst Marischka jedoch ist seit den fünfziger Jahren untrennbar mit der Fernsehgeschichte verbunden. Millionen von Zuschauern verfolgen in den unzähligen Wiederholungen der „Sissi“-Trilogie jedes Mal aufs Neue, wie Romy Schneider in der Rolle des bayerischen Wildfangs das Herz des österreichischen Kaisers Franz Joseph erobert. Wer etwa erinnert sich nicht an den Klang von Magda Schneiders warmer Stimme, wenn sie als Mutter der Kaiserlichen Hoheit voller Empörung und mit österreichischem Zungenschlag „Sissi“ ruft, weil diese wieder einmal Kapriolen geschlagen hat? Wie sehr Marischka mit seinem zuckersüßen Heimatfilm die Illusion einer Idealfigur prägte, lässt sich auch daran ablesen, dass bis heute zahlreiche Menschen den Rufnamen Elisabeths mit Doppel-s schreiben. In Wahrheit aber nannte sich die Herzogin von Bayern Sisi.

In den vergangenen Jahrzehnten gab es zahlreiche Versuche einer Neuinszenierung, sie alle jedoch scheiterten, während weltweit das makellose Idealbild der Herzogin von Bayern in zahllose neue Formen gegossen wurde: Es gab „Sissi“-Theaterstücke, -Musicals und sogar -Parodien. Auch Regisseur Xaver Schwarzenberger („Margarete Steiff“) wagt es nicht, am Ideal zu rütteln. In dem opulenten Fernsehzweiteiler, den das ZDF unter beachtlichem finanziellem Aufwand und Beteiligung anderer Sender produziert hat, bleibt Sisi – wie 
Sissi – eine romantische Fiktion, angereichert durch wenige, historisch belegte Details. Die tiefen Spuren aber, die das Leben tatsächlich auf der Seele Elisabeths hinterlassen haben soll, bleiben auch in der Neufassung fast unberührt.

Rund elf Millionen Euro hat die Produktion mit dem italienischen Jungstar Cristiana Capotondi in der Hauptrolle gekostet. 2000 Komparsen spielten an historischen Schauplätzen wie der Wiener Hofburg, Schloss Schönbrunn und seinen Gärten sowie dem Lido und den Gassen von Venedig. Für die Dreharbeiten im italienischen Schloss Miramare wurde gar ein historisches Schiff nach Triest gebracht und im Mittelmeer zu Wasser gelassen – eine ähnlich romantische Szene, in der Elisabeth und Franz auf einer goldenen Gondel in See stechen, war bereits bei Marischka zu sehen.

Wieder ist es die Liebesgeschichte zwischen dem etwas farblosen Kaiser Franz Joseph (David Rott) und der beim Volk so beliebten Sisi, die die Handlung bestimmt. Einen Versuch, die ungewöhnliche Anziehungskraft der erst 16-Jährigen darzustellen, macht Schwarzenberger gleich bei der ersten Begegnung des Paares: Anders als Marischka reicht ihm ein erster Blick, um Franz Josefs Zuneigung zu seiner Cousine zu entflammen. Und es ist ein Glück, dass die Mehrzahl der zweimal 100 Minuten des Remakes weniger gefühlsduselig ausgefallen ist.

„Ich wollte die Rebellin zeigen“, sagt Schwarzenberger. Auf weiten Strecken gelingt es dem Regisseur, der selbst die Kamera führte, tatsächlich, einen eigenen Zugang zum Thema zu finden. Er traut sich unter anderem, auch die männliche Seite der Geschichte zu erzählen: Sein Franz Joseph ist ein schwacher Kaiser, der zunächst mit Napoleon III. (Erwin Steinhauer) und dann mit Otto Bismarck (Dirk Kirchlechner) unglückliche Allianzen eingeht. Seine Frau, die Kaiserin, steht für diese Zeit äußerst ungewöhnlich als starke, unbeirrbare Beraterin an seiner Seite.

Die Geschichtsbücher hingegen erzählen auch von einer anderen Sisi: Zeitlebens soll sie an Depressionen gelitten haben, daher stammt der Begriff Sisi-Syndrom. Gelangweilt von ihrer Ehe und ihren Kindern soll sie sich in einen Schönheitswahn gesteigert haben. All das ist für Schwarzenberger kein Thema, ihre angebliche Magersucht wird im Film lediglich angedeutet. Als der Anarchist Luigi Lucheni der Kaiserin am 10.September 1898 in Genf eine Feile ins Herz sticht, trifft er eine vom Leben enttäuschte Frau.

Romy Schneider durchlitt selbst ähnliche Qualen, unter anderem, weil die Rolle der süßen Sissi bis an ihr tragisches Lebensende an ihr zu kleben schien. Vielleicht ist es von Vorteil, dass Capotondi aus Italien kommt, wo man die „Sissi“-Filme zwar ebenfalls kennt, das große Vorbild Romy Schneiders aber nicht so vorherrschend ist wie in Deutschland. Der Darstellerin gelingt es ein Stück weit, die Entwicklung der Kaiserin zu zeigen. Ihre Sisi hat Mut zum Ernst, sie darf erwachsen werden und sich im Konkurrenzkampf mit ihrer Schwiegermutter Erzherzogin Sophie messen.

Es war eine gute Entscheidung, dass Schwarzenberger für diese Rolle Martina Gedeck gewonnen hat, eine Darstellerin, mit der er bereits zahlreiche Filmprojekte zum Erfolg gebracht hat. In einem vielschichtigen Spiel gelingt es Gedeck, die zerrissenen Gefühle Sophies zu zeigen. Die Frau, über die man damals hinter vorgehaltener Hand als „der einzige Mann am Hof“ sprach, macht es zu ihrer Aufgabe, Sisi zu einer würdigen Kaiserin heranzuziehen, obgleich sie die Ausflüchte des freiheitsliebenden Landkindes zeit ihres Lebens aufs Schärfste verurteilt.

Es wäre sehr spannend gewesen zu beobachten, wie sich die Beziehung dieser beiden Frauen in der zweiten Lebenshälfte der Kaiserin entwickelt und wie Elisabeth weitere Schicksalsschläge wie den Selbstmord ihres erwachsenen Sohnes verarbeitet. Offenbar ist die Zeit für so eine Sisi noch nicht reif. Deshalb bekommt das Publikum wieder eine Kaiserin, wie sie auch im Märchenbuch hätte stehen können: mit Happy End.

"Sisi" - ZDF - Donnerstag, 17. Dezember, und Sonntag, 20. Dezember, jeweils um 20.15 Uhr.

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