Navigation:
Was geschah mit Leon? Sabine Hallmann (Katharina Heyer) und Robert Hallmann (Tobias Oertel) sind überglücklich, dass „ihr“ Sohn  (Paul Lehmann) wieder zu Hause ist.

Was geschah mit Leon? Sabine Hallmann (Katharina Heyer) und Robert Hallmann (Tobias Oertel) sind überglücklich, dass „ihr“ Sohn (Paul Lehmann) wieder zu Hause ist.
© Foto: ARD

Sonntagskrimi

„Polizeiruf 110“: Ein Baby verschwindet

Der „Polizeiruf“ (Sonntag, 3. Dezember, 20.15 Uhr, ARD) aus Frankfurt an der Oder entfilzt Beziehungsgeflechte um ein Baby, das bei keinem richtig bleiben darf. Ganz nebenbei gibt es aber auch noch einen toten Kidnapper, dessen Ermordung die Grenzermittler Raczek und Lenski aufklären müssen.

Hannover. Nur kurz war sie nicht da. Es waren vielleicht fünf Minuten. Dann kommt Sabine Hallmann zurück ins Krankenzimmer und ihr kleiner Leon ist verschwunden. Elternalbtraum Nummer Eins. Die aufgebaute Welt stürzt ein. Die Zuschauer erleben mit, wie das sechs Monate alte Kind aus dem Krankenhaus in Frankfurt (Oder) herausgetragen wird. Den skeptisch-suchenden Blick des Säuglings macht die Kamera ganz groß. Sie nimmt die Position der Kinderaugen ein, die aus der baumelnden Babyschale hoch auf einen Fremden schauen und dann hinaus aus dem Entführerauto – wer weiß, wohin die Reise geht.

Ein „Polizeiruf“ über den unbänigen Wunsch nach Fürsorge

Der Fürsorge nachkommen wollen und dürfen, Kinder haben und behalten können – diese Themen trägt der Brandenburger „Polizeiruf 110: Das Beste für mein Kind“ im Titel, der allmählich viele Dramen freilegt. Sabine Haller (gut besetzt mit Katharina Heyer) hat Leon nicht zur Welt gebracht. Acht lange Jahre hat sie mit modernster Medizin versucht, ein Kind zu kriegen. „Wenn man als Frau kein Kind bekommen kann, dann denkt man immer, der Fehler liegt bei einem selbst“, sagt sie. Der Raub des Kindes aus der Eingangsszene wird bald geklärt, das Baby taucht in Polen auf. Kurz darauf die Leiche des Entführers. Und dann noch die Frage nach der Vaterschaft.

„Die einzige Gewissheit im Leben ist die Mutter“, sagt einmal der örtliche Spezialist für den Tod, Gerichtsmediziner Marian Kaminski (Tomek Nowicki). Bei ihm kommt Kommissar Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) zeitweise unter und hört abends statt „gute Nacht“, dass im Kühlschrank noch ein Bier steht. Denn der Sezierer weiß zu gut: Die Probleme liegen tiefer. Bei Adam Raczek sind die selbstverschuldet. Er will nicht, dass seine Frau, jetzt wo die Kinder groß sind, wieder arbeitet. Kann denn nicht einfach alles bleiben, wie es ist?

Raczeks Figur wird stärker ausgebaut

Das hat auch Anna Kowalskas (Agnieszka Grochowska) Mann gefordert und auf katholisch-konservativen Prinzipien beharrt, als sie von einem andern schwanger war. Leon kam zur Adoption, zu Hallers in ein modernes Haus mit Pool und allem. Zu Anna Kowalska gesellten sich bald die Sehnsucht und das Gefühl der Schuld. Was diese Männer von ihren Frauen fordern, ist unterschiedlich viel. Fürsorge zumindest ist es nicht. Wenn sich „verbieten“ und „erlauben“ in die Beziehung erwachsener Menschen einfinden, wird es schwierig mit Augenhöhe und Romantik.

Der „Polizeiruf“ dieses Sonntags ist der vierte Fall der Grenzermittler Adam Raczek und Olga Lenski (Maria Simon). Die alleinerziehende Vollzeitpolizistin, die ihre Tochter früher auch schon mit zum Tatort brachte, tritt wenig in Erscheinung. Dafür wird Raczeks Figur weiter ausgebaut. Der kurzweilige Fall führt nicht ganz jahreszeitkompatibel durch sommerliche Felder, Hochhausblöcke, Kreisverkehre und Alleen, von denen sich nicht immer sofort sagen lässt, auf welcher Oderseite sie nun liegen. Für die Geschichte ist das zweitranging. Denn Dramen gibt es hier wie da.

Das Verstehen fällt allen Beteiligten schwer

Bei der Ermittlerarbeit fällt immer wieder ein bestimmter Satz: „Verstehen Sie das?“ Oft wird das übersetzt. Und meistens ist die Antwort: „Ja.“ Doch von begreifen, nachvollziehen ist dabei nicht die Rede. Verstehen, was eine Heirat in der Kirche zu bedeuten hat. Verstehen, wie das ist: zehn künstliche Befruchtungen, Hormonbehandlungen, zehn Abgänge. „Verstehen Sie?“, zürnt Adoptivvater Robert Hallmann (Tobias Oertel) und bekommt vom Kommissar zu hören: „Ja. Das ist hart. Das glaube ich.“

Verstehen, was für das Kind das Beste ist. Das will plötzlich der polnische Staat am besten können und nimmt Leon kurzerhand in Obhut. Die Hallers müssen mit der leeren Babyschale das Polizeirevier verlassen. Der Krimi vom genommenen Kind beginnt für sie von vorn. Da sind sie wieder, die großen fragenden Kinderaugen von Kleindarsteller Paul Lehmann und der Blick aus ihnen raus. Kinderaugen, die sich im Heim in den Schlaf weinen und doch nur etwas Vertrautes suchen.

Von Michaela Grimm / RND


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Kümmern Sie sich schon um Ihre Weihnachtseinkäufe?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie